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Ressort Rehau
Erschienen am 28.05.2010 00:00
Ein Schatzkästlein öffnet sich
Führungen | Die Ägidienkirche in Regnitzlosau zählt zu den besonders sehenswerten Kirchen der Region.
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Der Engel hält einen ovalen Lorbeerkranz als Fassung für die Taufschale. Früher vor dem Altar schwebend, wurde er bei der letzten Renovierung restauriert und wird seitdem zur Taufe benutzt.
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Regnitzlosau - Waltraud Bauer ist Mesnerin der Ägidienkirche in Regnitzlosau, und es schmerzt sie ein wenig, wenn alle vom "oberfränkischen Dom" - der schönen gotischen Kirche in Pilgramsreuth - schwärmen. Ist doch die Regnitzlosauer Kirche ein barockes Schatzkästlein, das es in ihren Augen auch wert ist, Ziel eines Besuchs zu werden - was nun wieder ganz einfach ist. Ab sofort kann während der Sommermonate an jedem letzten Samstag im Monat von 11.30 bis 14 Uhr die Regnitzlosauer St.-Ägidien-Kirche besichtigt werden. Die erste Führung findet nun am 29. Mai statt.

Zu erfahren gibt es einiges im Kircheninneren. Eine gemalte Bibel findet der Besucher an der Decke der Ägidienkirche. Im 17. und 18. Jahrhundert malten zwei Hofer Maler 104 biblische Bilder - allesamt aus dem Neuen Testament - in Öl auf Holz. Sie machen zusammen mit weiteren alttestamentlichen Bildern an der Empore die Kirche zu einem kostbaren Bilderbuch.

Beeindruckend ist auch der barocke Kanzelaltar. Er wurde 1743 vom Hofer Bildhauer Wolfgang Adam Knoll geschaffen. Zu Füßen des Altars steht ein lebensgroßer Taufengel von 1745. Der auf Wolken stehende Engel hält einen ovalen Lorbeerkranz als Fassung für die Taufschale. Früher vor dem Altar schwebend, wurde er bei der letzten Renovierung restauriert und wird seitdem zur Taufe benutzt.

Interessantes weiß Mesnerin Bauer auch über das aus dem 18. Jahrhundert stammende Gestühl zu berichten. Man sieht überall an den Bänken schön gemalte Tafeln aus Blech mit den Namen, Ortsangaben und Jahreszahlen der Spender. So konnte früher ein "Männerstuhl" oder "Weiberstuhl" auf Lebenszeit für zwei Gulden und acht Groschen gekauft werden.

Plätze teuer erkauft

Für eine Schreibgebühr von einem Groschen konnte der Platz dann vom Vater an einen Sohn oder von der Mutter an eine Tochter vererbt werden. Weiß man noch, dass ein Gulden 20 Groschen zählte und 1 Groschen 12 Pfennige, und bedenkt man weiter, dass damals ein Handlanger am Tag 6 Pfennig Lohn erhielt, so lässt sich ermessen, was ein fester Platz in der Kirche wert war.

Neben dem Kirchenschiff will die Mesnerin den Besuchern auch gern noch Bereiche der Kirche zeigen, die auch der Gottesdienstbesucher nicht zu sehen bekommt. So befinden sich zum Beispiel in der Sakristei noch sechs spätgotische Holzfiguren aus Lindenholz aus der Zeit um 1500.

Wer hoch hinaus will, der kann auch den Glockenturm besteigen. Auf einer uralten Holztreppe geht es hinauf zu den drei Glocken, die zusammen eines der schönsten Geläute Oberfrankens bilden. Die kleine Glocke stammt aus dem 14. Jahrhundert, 1800 wurde sie neu gegossen. Die mittlere Glocke stammt aus Nürnberg, sie wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gegossen. Die große Glocke mit einem Gewicht von 15,5 Zentner stammt aus der Spätgotik. 1527 ist sie gegossen worden. Als Friedensglocke erinnert sie an die Reformationszeit.

Die Mesnerin hat Erstaunliches über die drei Glocken zu berichten. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Glocken abgenommen und sollten für Kriegszwecke eingeschmolzen werden. Nach dem Krieg machte sich der damalige Mesner Hans Hopperdietzel auf die Suche und konnte die Glocken in Hamburg unversehrt wiederfinden. 1947 kehrten sie dann nach Regnitzlosau an ihren Platz zurück.

Ähnlich unglaublich klingt es, wenn Waltraud Bauer erzählt, dass die Kirche um 1900 abgerissen werden sollte, weil sie schadhaft geworden war. Die Verhandlungen um den geplanten Neubau zogen sich hin. Dann kamen der Weltkrieg und die Inflationszeit. Die Kirchengemeinde verlor - zum Glück für das Kunstdenkmal - ihr Geld, so begann in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts eine gründliche Renovierung der Kirche.

 
 

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