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Elbersreuth - Ein guter Rap gedeiht im Dreck, sagte mal ein Rapper. Nicht immer. Der Rap von Al-Joe - der mit richtigem Namen Joe-Al Hildebrand heißt - gedeiht im heimischen Studio in Elbersreuth. Der 17-Jährige beschreibt im Sprechgesang seine Lebenseinstellung und seine Gefühle, das, was ihn ausmacht. Er erzählt darin, wie er ist und wer er ist.
Al-Joe ist einfach ein richtig guter Typ, einer, den man bestimmt zum Freund haben will. Al-Joe sagt Sätze wie: "Meine Familie ist das Wichtigste. Wenn man der Familie nicht vertrauen kann, wem dann?" oder: "Ich bin extrem gegen Rechts. Ich habe viele Freunde, die Ausländer sind."
Das sind die Themen, die den jungen Mann beschäftigen: Familie, Freunde, Trennung, Feiern. Je nach Lust und Situation fallen ihm die Texte ein, auch sozialkritische. Darin will er vor allem seine "Werte vermitteln", sagt er. Wenn man älter werde, verstehe man mehr und müsse sich mit der Wirklichkeit auseinandersetzen. Er will in seinen selbst geschriebenen Texten sagen, was er für richtig und was er für falsch hält. Rechtsradikalismus sei für ihn dabei ein wichtiges Thema: "Es gibt doch genug andere Probleme. Warum soll man sich untereinander zoffen? Ist doch egal, wo man herkommt."
Auch die Schule sieht Al-Joe mit kritischen Augen: "Die Lehrer sehen sich oft nur als Stoffvermittler und nehmen ihre Aufgabe als Pädagogen nicht wahr."
"Meine Stadt" war Al-Joe's erstes Lied. Darin geht es um Kulmbach - "mein Revier". "In Berlin heißt es immer: Kulmbach ist doch ein Kaff, bei euch passiert doch nichts. Aber ich will in meinen Songs zeigen, dass es auch hier Kriminalität gibt," erklärt er. Kulmbach sei nicht so harmlos, wie alle denken. "Auch hier gibt es Stress."
Al-Joe ist in Berlin geboren und lebte dort bis er fünf war. Dann zog die Familie nach Elbersreuth. "Meine Eltern hatten hier ein Häuschen und haben entschieden, dass wir raus müssen aus der Großstadt," erzählt Al-Joe. Noch immer habe er sich an Bayern nicht ganz gewöhnt, sein Berliner Dialekt schimmert in seinen Texten durch. Er sagt: "Ich habe zwei Heimatorte: Berlin und Elbersreuth."
"Rechtsradikalismus ist ein wichtiges Thema für mich"

"Wenn man älter wird, muss man sich mit der Wirklichkeit auseinandersetzen": Al-Joe Hildebrand (17) aus Elbersreuth übt in seinem Rap Kritik an der Gesellschaft.
Bild: Julia Harke
Zusammen mit seiner Familie fährt Al-Joe oft nach Berlin, um Verwandte und Freunde zu besuchen und um Musik aufzunehmen. Er wird von René Schostak produziert, der auch mit Jeanette Biedermann und Marc Terenzi zusammengearbeitet hat. Zur Zeit nimmt er seine erste CD "Es ist Weihnachtszeit" in Studioqualität auf. Zwei Lieder sind bereits fertig. Die nächsten werden nach und nach entstehen.
Vor drei Jahren hat er mit dem Rappen angefangen. "Die ersten Texte will ich heute gar nicht mehr hören", sagt er und lacht. Am Anfang habe er nur Wörter aneinandergereiht, "Hauptsache, sie reimten sich". Ein bisschen peinlich ist ihm das heute. Genauso, wie die Tatsache, dass er mit Gangsta-Rap angefangen hat. "Das macht jeder so. Irgendwann entwickelt man sich weiter." Am Anfang lasse man sich von den Texten anderer Rapper inspirieren, mache vieles nach.
"Es geht darum, wer ich bin und wie ich bin"
Nach etwa 35 Liedern ist Al-Joe tatsächlich weiter. Er hat sich gefunden, seine Themen und Rhythmen, die er in seinem kleinen Studio zu Hause aufnimmt. In "Für die Ewigkeit", eines seiner neuesten Lieder, das auch auf der neuen CD erscheinen wird, geht es um sein eigenes Leben, sagt er. "Darin will ich meine Geschichte erzählen, sagen, wer und wie ich bin."
Mit ihrer wunderschönen, für ihre 13 Jahre schon ziemlich erstarkten Stimme, unterstützt Al-Joe's Schwester Joyce dieses Lied als "vokales Element". "Sie ist ein Rohdiamant, der noch geschliffen werden muss. Sie nimmt jetzt Gesangsunterricht", erzählt Al-Joe. Es sei einfach genial, mit der Schwester Musik zu machen. "Es macht Spaß, weil man sich nahe steht." Überhaupt ist ihm die Unterstützung seiner Familie wichtig.
Live ist Al-Joe noch nicht aufgetreten, er bezeichnet sich als Studio-Musiker. Aber das wird bestimmt kommen, spätestens, wenn seine neue CD draußen ist, sagt er. Dass er einmal sein Geld als Rapper verdienen wird, sei unrealistisch. Jetzt steckt er aber seine ganze Energie in die Musik.


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