Hof - Der eine, Dominik Lommer, liebt das sehr große, der andere, Tobias Ott, das ganz kleine Format. Dass sie trotzdem gut zusammenpassen, kann man jetzt in der Galerie im Theresienstein des Kunstvereins Hof erleben. Dort stellen der als Grafik-Designer in München tätige Lommer, der in Naila geboren wurde, und der aus Stadtsteinach stammende Hofer Ott ihre Arbeiten aus. Die sehr gut besuchte Vernissage am Mittwoch geriet zum spannenden und fröhlichen Abend.
Ott, der als Diplom-Betriebswirt von der Fachhochschule abging und sich selber einen "Kreativisten" nennt, brachte eine Nebelmaschine zum Einsatz. Die hatte die Aufgabe, die Präsentation dreier Leuchtkästen aus Sichtbeton - bestückt mit je einer winzigen Fotografie (Baum im Nebel) - atmosphärisch zu unterstützen. Daneben im selben Raum: ein fast monochrom weißes Großfoto (groß, ja doch), auf dem ein schwarzer Zaun im Schnee abgelichtet ist; eine per Schablone ausgeführte Wandmalerei (Motiv: schwarze Vögel); und drei schwarz-weiße Holzschnitte, auf denen wiederum Bäume und Vögel zu sehen sind.
Vielfältiges also ist hier zusammengefügt zu einem Arrangement der Kunstgattung "Installation". Auch sonst passt eins zum anderen. Und dabei geht Ott, der von der Fotografie herkommt - er schätzt besonders die aufwendigen Verfahren der Frühzeit, in der alle Bilder noch handgemacht waren -, stets spielerisch und experimentierfreudig vor. Mit Fundsachen aller Art weiß er etwas anzufangen. Beispiele dafür sind Puppenkopf-Objekte ("Engel mit schnittigen Flügeln"), Materialdrucke und "Fragmente einer anderen Zeit", aus alten Fotos und Briefen montiert.
Auch in der Natur ist er gern künstlerisch zugange. Seine Land-Art-Projekte, die er fotografisch zu dokumentieren pflegt, werten Unscheinbares zu Augenfälligem auf. Er arbeite an der Perfektionierung des Unperfekten, sagt der 34-Jährige, der auch schon mal Blindenschrift in seine Bilder einbringt. Übrigens lässt ein Objektkasten (Titel: "Er steigt herab") ahnen, dass Ott die Welt an sich als etwas Unperfektes ansieht. Denn herabgestiegen, vom Kreuz, ist da Jesus, der meint: "So kann es nicht weitergehn. Jetzt kümmere ich mich selbst."
Durst nach Nähe
Der auch als Autor hintergründig-witziger Künstlerbücher ("Zur Förderung des jungen Verbrechens") tätige Hofer hat seine Schau mit einer weiteren Installation bestückt. Sie heißt "metamorph", wie Otts Ausstellung insgesamt, und besteht aus 98 Granit-Pflastersteinen, in denen je ein distelähnliches Pflänzchen, die Karde, steckt. Ein Text erläutert, dass die scheinbar unnahbaren Stachelpflanzen in Wirklichkeit nach Nähe dürsten. Erst in der Gruppe, heißt es weiter, könnten sie ihre volle Wirkung entfalten.
Damit verweist das Granitfeld auf den ungewöhnlichsten Teil der ottschen Präsentation. Der befindet sich im Bibliotheksraum der Galerie und stammt gar nicht vom Künstler selbst. Ott nämlich hat den Raum als "Wohnzimmer" für sieben künstlerisch tätige Freunde reserviert. Abgeben, sagt er, wolle er ein Stück von dem Glück, im Kunstverein ausstellen zu dürfen: "Man erreicht mehr, wenn man gemeinsam vorgeht." Das gelte für Künstler wie für Karden.
Einen sehr ehrenwerten Standpunkt nannte dies die Vorsitzende des Kunstvereins, die bei beiden ausstellenden Künstlern so viele Gemeinsamkeiten entdeckte, dass sich die von ihnen gewählten Titel glattweg vertauschen ließen - "Kunstgriffe" heißt Dominik Lommers erstklassige Auswahl von Gemälden und Zeichnungen, über die wir in einer unserer nächsten Ausgaben berichten werden.
Bis zum 25. Juli; donnerstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr. Am Schlusstag findet um 16 Uhr ein Künstlergespräch mit Ott und Lommer statt.


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