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Erschienen am 26.07.2010 00:00
Zwischen Tongewalt und Seelenbalsam
Von Horst Wunner
"Amadeus rockt" die Plassenburg. Die Hofer Symphoniker und die Band "Radspitz" reißen 1400 Zuschauer in Kulmbach zu frenetischem Beifall hin.
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Zwei, die sich nicht nur musikalisch verstehen: Radspitz-Frontmann Klaus Pfreundner (rechts) und Roger Eric, der Dirigent der Hofer Symphoniker, am Wochenende vor dem Orchester und der Band bei "Amadeus rockt 2010". Foto: H. W.
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Kulmbach - Sie sind aufgeputscht, rasten fast ein bisschen aus. Die über 1400 Besucher stehen zum Finale fünfzehn Minuten wie eine Mauer, die schließlich in Bewegung kommt, sich mitreißen lässt. Die oben auf der Bühne machen die da unten hörig: Man folgt jeder Anweisung zu einer Schlussgymnastik, skandiert im Chor und klatscht frenetisch im Rhythmus. "Amadeus rockt" heißt das Zauberwort, und die perfekte Mixtur aus Klassik und dezibelstarkem Pop feuert die kühlen Temperaturen und den böigen Wind weg.

Schon zum dritten Mal spielen die Hofer Symphoniker und die Band "Radspitz" im einmaligen Ambiente des schönen Hofes der Plassenburg - so turbulent, lässig, witzig und ideenreich hat man sie zuvor aber noch nicht gehört: mit einem neuen Programm, jedes Stück eigens für diesen Abend arrangiert; nur zuweilen übertönt der harte Sound die Streicher und Bläser. Aber das ist gewollt, keiner soll sich während der zwei Stunden zurücklehnen, sondern elektrisiert werden.

Das Traumpaar Roger Eric und Klaus Pfreundner - der Symphoniker-Dirigent und der Radspitz-Frontmann - gibt die Richtung vor: die beiden mengen Mozart mit Beatles und Rolling Stones, mit Musicals und Opernfragmenten und wechseln Mimik und Gestik so schnell wie ihr Outfit. Ihre Wortspiele bringen das Publikum zum Schmunzeln und lauten Herauslachen; ihre Stimmen sind hörenswert, Roger Eric schwingt sich gar zum Operntenor und Udo-Jürgens-Imitator auf.

Das perfekte Zusammenspiel der beiden musikalisch so gegensätzlichen Formationen ist auch nötig, denn die abrupten Wechsel zwischen Klassik und Rock erfordern Fingerspitzengefühl: Den zartweichen Streicherstrichen der Symphoniker folgen oft unmittelbar Radspitz-Tongewalten, die nur von den dicken Burgmauern gebremst werden. Die Band verwandelt das Arkaden-Areal in eine Disko, wummernde Bässe steigen zum Himmel, "Rock you like a hurricane" gleicht einem musikalischen Erdbeben, die Phons, unterstützt von bulligem Motorradgeräusch, überschlagen sich. Im Gegensatz dazu stehen die sinfonisch geschliffene, fein nuancierte Ouvertüre zur Rossini-Oper "Wilhelm Tell" mit filigranem Geigenspiel und sonorem Hörnerklang oder das schmachtende "You'll be in my heart" aus dem Musical "Tarzan" und die Ballade "Hard to say I'm sorry" - all das ist Balsam für die Seele.

Geblödelt wird auch, etwa im Musikantenstadel-Stil oder mit Vuvuzelas. Nicht zu vergessen Pete Lawrence und Benjamin Sebald mit ihren Trompeten in schmetternden Höhen, der wirbelnde Schlagzeuger Martin Stenger und der Teufelskerl Claudio Estay, die Solisten der Hofer Symphoniker. Bestnoten verdient sich auch die Band "Radspitz": Mit Musikalität und Stil-Vielfalt unterstreicht sie einmal mehr ihre regionale Spitzenstellung.



 
 

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