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Erschienen am 14.04.2009 00:00
CHERUBINIS REQUIEM
Klageklänge im Licht
Von Christine Wild
Hof - Strahlendhelles Sonnenlicht fällt durch die drei bunten Fenster in den Chorraum der St.
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Hof - Strahlendhelles Sonnenlicht fällt durch die drei bunten Fenster in den Chorraum der St.Michaeliskirche - und doch braucht das Orchester "Musica juventa Halle" unter der Leitung von Georg Stanek nur wenige Takte, um die Zuhörerschaft in die Stimmung zu versetzen, die einem Karfreitagskonzert angemessen ist.

Mit klagenden, wehmütigen Streicherklängen eröffnen die Musiker die Sinfonie c-moll von Josef Martin Kraus. Gewidmet hat der Komponist seine ungewöhnlich ernste Sinfonie Joseph Haydn, der auch die Uraufführung dirigierte, doch beeinflusst wurde er in seinem musikalischen Schaffen hauptsächlich von Christoph Willibald Gluck. Daher auch der sehr dramatischen Aufbau des Werks, dem das Orchester voll und ganz gerecht: Mit Anmut und Zurückhaltung präsentieren vor allem die Streicher die Klagen des Larghetto, um sich dann sehr plötzlich im Allegro des ersten Satzes zu höchst dramatischer Bewegtheit zu steigern.

Im zweiten Satz (Andante) begeistern sie vorwiegend durch dynamische Akzente, die sie unter der inspirierten Leitung von Georg Stanek zwar abrupt, aber weich in den Übergängen setzen, bevor sie das durchgehend ernste Werk in aufgeregtem, fast nervösem Allegro assai gipfeln lassen.

Nun erhebt sich die St. Michaeliskantorei, um sich gemeinsam mit der Musica juventa Halle des karfreitäglichen Hauptwerks anzunehmen: Violoncelli und Fagotte winden sich aus der Tiefe empor, bevor der Chor in gleichförmiger Trauer den ersten c-moll-Akkord von Luigi Cherubinis Requiem anstimmt. Den klagenden Grundton, den das Orchester bereits in der Krauss-Sinfonie vorgegeben hat, behält man auch im durchgehend sehr schwermütigen Requiem (übrigens ohne Solisten) bei, und auch hier kommt immer wieder die dramatische Prägung des Komponisten durch.

So eröffnen die Trompeten, Hörner und Posaunen das "Dies irae" mit einem gewaltigen Unisono-Ruf, bevor das Tamtam - in einem einzigen, aufrüttelnden Schlag - das Weltgericht ankündigt. Gespenstisch lässt Georg Stanek daraufhin den Chor über das Weltgericht wispern, bevor die gesamte Kirche vor dem majestätischen König, der mit insistierender Wucht angerufen wird, erzittert.

Doch abrupt wendet man sich dem barmherzigen Retter Jesus zu, und die aufgeheizte und zugleich beklommene Stimmung wandelt sich. Männer- und Frauenstimmen agieren sachte getrennt, bevor eine dramatische Vereinigung folgt. Immer wieder wechseln sich lyrische und dramatische Passagen ab, von Chor und Orchester bis ins kleinste Detail ausgekostet und dabei immer dem feierlichen Rahmen des Werkes angemessen. Die ausladende Tripel-Fuge und die feinen harmonischen Wendungen des Offertoriums mit auf weiten Strecken sich reibenden Stimmen scheinen die Sängerinnen und Sänger zu genießen, während das Orchester seine volle dramatische Stärke entfaltet. Kunstvoll lässt Georg Stanek Crescendi und Decrescendi sich ablösen, und besonders im abschließenden "Agnus Dei" setzt er noch einmal auf bedrohliche Steigerungen.

Ganz im Gegensatz dazu steht der magisch-ruhige Ausklang des Werkes. Ewige Ruhe fordern Chor und Orchester für die Verstorbenen, Ehre erbietet ihnen und den großartigen Akteuren das ergriffen schweigende Publikum - und die Glocken und das gleißende Sonnenlicht, das durch das geöffnete Portal hereinfällt, läuten die Hoffnung auf Erlösung ein.

 
 

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