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Erschienen am 20.11.2007 00:00
Stimmen himmlischer Freude
Chorkonzert | Die Hofer St. Michaeliskantorei interpretierte vier Bach-Kantaten
Von Bärbel Lüneberg
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Das „geängstete Gemüt“ sehnt sich nach Erlösung: Altistin Stephanie Firnkes und ihre Sopran-Kollegin Iris Meier (sitzend) mit Dekanatskantor Georg Stanek vor der St. Michaeliskantorei und den Hofer Symphonikern Foto: Michael Giegold
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Hof Die Marktbuden neben der Hofer St. Michaeliskirche und die überdimensionalen Krippenfiguren davor deuten auf die nahe Adventszeit. Doch noch ist sie nicht angebrochen; noch stellt das Konzert, das man zu jedem Jahresende von der St. Michaeliskantorei erwarten kann, mit Blick auf das Weihnachtsgeschehen die Frage nach der christlichen Bereitschaft für das Kommen der Erlösung. Vier Kantaten Johann Sebastian Bachs hat Stadt- und Dekanatskantor Georg Stanek ausgesucht und am Sonntag mit der Kantorei, vier Gesangssolisten, Hermann Bohrer an der Continuo-Orgel und den Hofer Symphonikern aufgeführt.

Die Schrecken des Gerichts beschwört Michael Lion in „Wachet! Betet! Betet! Wachet!“ (BWV 70) mit seinem markanten Bass, nachdem zuvor der Chor mit schwierigen, eiligen Aufstiegen, gefolgt von eindringlichen Langtönen, die Titelzeile klangbildlich ausgedeutete hat. Von „des Höllenrachens offner Pforte“, von Zweifel und Furcht ist noch viel die Rede, nicht nur in den Rezitativen, sondern auch im Orchester; das bietet dafür, fest im Griff des Dirigenten, Trompetenschall und kriegerische Sechzehntelfiguren auf. Die Sehnsucht nach Erlösung aus „dem Ägypten dieser Welt“ kommt mit der warmen, gleichwohl klaren und durchsetzungsfähigen Altstimme von Stephanie Firnkes zum Ausdruck. Der Sicherheit der Zuversicht auf Erlösung verleiht der klare, in allen Lagen souveräne Sopran von Iris Meier einen fordernden Trotz. Glättend breitet der Chor, musikalisch gleichmäßig schreitend, ein Vertrauen aus, das hörbar in sich ruht. Von den Stimmen des Chor-Alts und -Basses kommt allerdings recht wenig im Kirchenraum an; der Tenor dagegen setzt sich, trotz zahlenmäßig relativ geringer Stärke, sowohl im Zusammenklang als auch im Alleingang in der letzten Kantate auffallend gut durch.

Das „geängstigte Gemüt“ und sein Flehen um Gnade sind Inhalt der Kantate „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ (BWV 38). Den zwei geschmeidigen Solo-Oboen obliegt es an diesem Abend, die tröstliche Botschaft der Tenor-Arie zu vermitteln, denn Rüdiger Husemeyers Stimme geht in diesem Zusammenspiel unter; zuvor, nur vom Continuo begleitet, hatte der Künstler saubere Intonation in eher kammermusikalischer Qualität hören lassen. Auch die auf Tenor- und Alt-Soli basierende dritte Kantate „O Ewigkeit, du Donnerwort“ (BWV 60) leidet darunter, dass in den Duetten mit Stephanie Firnkes die Tenor-Impulse fehlen.

Das Thema der wachsamen Bereitschaft der Seele wird in der letzten Kantate, „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (BWV 140), wieder aufgenommen. In einem innigen Liebesbild erscheint hier die Vereinigung der Seele mit Jesus in zwei Duetten gleichsam personifiziert: „Mein Freund ist mein – und ich bin dein ...“. Michael Lion hält seine bisweilen ungezähmt ausbrechende Stimme zurück und fügt sich, nach kanonartigen Zeilen, harmonisch in den seligen Parallelgesang von Sopran und Solo-Oboe. Im folgenden, abschließenden Chor-Choral „Gloria sei dir gesungen“ stellt das Vokalensemble mit strahlenden Höhen seine Disziplin in den Dienst „himmlischer Freuden“.

 
 

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