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Helmbrechts – Unruhen in Tibet und das massive Vorgehen der Chinesen halten die Welt in Atem. Wir sprachen mit dem Helmbrechtser Peter R. Kaiser, der seit einer Reise in den Himalayastaat und Treffen mit dem Dalai Lama die Situation aufmerksam verfolgt.
Herr Kaiser, wann und wie lange waren Sie in Tibet?
Peter R. Kaiser: Im Jahre 1981 war ich drei Wochen lang in Tibet und den angrenzenden Staaten unterwegs. Wir waren die ersten Weißen, denen die Einreise erlaubt worden war.
Sie erregten damals sicher viel Aufmerksamkeit?
Wir wurden bestaunt wie Wundertiere. Hotels gab es damals noch nicht, wir wohnten in chinesischen Militärbaracken. Die tibetische Hauptstadt Lhasa zählte damals 50 000 Einwohner, heute sind es über 500 000 Menschen, die dort wohnen. Lhasa ist eine typische chinesische Großstadt geworden.
Mal wieder dort gewesen?
Nein, ich wollte nicht. Alles hat sich verändert. Der Potala-Palast in Lhasa und das Umfeld zum Beispiel sind nicht mehr wiederzuerkennen. Der einst vor dem Palast gelegene See ist weg, einfach zugebaut.
Die chinesischen Besatzer zerstörten in den vergangen fünf Jahrzehnten über 6000 Klöster, Tempel und andere Kulturdenkmäler . . .
. . . und sie unterdrücken die tibetische Sprache und Religionsausübung. Tibet wird immer mehr von Chinesen bevölkert. Der 2006 eröffnete Lhasa-Express bringt jeden Tag Tausende von ihnen nach Tibet. Hier wird ein Volk systematisch ausgerottet. Es ist die tragische Geschichte eines Kulturvolkes.
Sie sind Mitglied der Deutsche Tibethilfe. Was macht die?
Sie stellt den Exiltibetern jährlich rund drei Millionen Euro zur Verfügung. Nachdem deren Klöster in Indien immer prunkvoller wurden, hat ein Umdenken bei uns stattgefunden. Wir sind kritischer geworden und bauen jetzt mit dem Großteil des Geldes unter anderem Schulen und Krankenhäuser in den ländlichen Gebieten des Mutterlandes – mit dem Einverständnis der Chinesen. Außerdem finanzieren wir Ausbildungen und Studien junger Tibeter, unterstützen aber auch bedürftige alte Tibeter.
Gibt's Kontrollen, ob die Gelder ankommen?
Ja. Es gibt regelmäßige Berichte von engagierten Mitarbeitern unserer Organisation. Ich sponsere außerdem den Schulbesuch eines kleinen Nomadenmädchens. Auch darüber bekomme ich regelmäßige Infos.
Helmbrechts war eine der ersten Städte, die am 10. März, dem Tag des tibetischen Nationalaufstandes von 1959, die tibetische Fahne am Rathaus hisste?
1996 wurde die Kampagne „Flagge zeigen für Tibet“ gestartet, eine der politisch bedeutendsten Aktionen der weltweiten Tibet-Bewegung. Ich besorgte eine Tibet-Fahne und deshalb ist Helmbrechts von Anfang an dabei.
Sie kennen den Dalai Lama persönlich?
Ich traf ihn zum ersten Mal 1971 im Deutschen Museum in München, als noch kein Richard Gere und kein Roland Koch zu seinen berühmten Freunden zählten. Jetzt ist es Mode geworden, den Dalai Lama zum Freund zu haben. Weitere vier Begegnungen in seinem Exil in Dharamsala, einem Bergdorf im Norden Indiens, folgten. Eine eineinhalbstündige Privataudienz war für mich der Höhepunkt.
Der Dalai Lama kommt im Mai nach Franken. Unser Ministerpräsident Günther Beckstein lässt noch offen, ob er sich mit ihm trifft?
Was soll das! Wahrscheinlich befürchtet er wirtschaftliche Sanktionen. Natürlich soll er sich mit ihm treffen.
Glauben Sie dem Vorwurf der Chinesen, dass der Dalai Lama die Unruhen inszeniert hat?
Nein! Der Dalai Lama hält konsequent an der Gewaltfreiheit fest, er droht ja sogar mit seinem Rückzug von der politischen Führung der Tibeter, falls seine Landsleute weiter den Weg der Gewalt gehen sollten.
Warum eskaliert gerade jetzt dieser Freiheitskampf?
Alle Welt schaut momentan nach China, das in wenigen Monaten Ausrichter der Olympischen Spiele sein wird. Eine gute Gelegenheit also, auf sich aufmerksam zu machen.
Nach dem Aufstand von 1989 jetzt erneut Gewalt?
Sie kommt aus den Klöstern. Man darf nicht vergessen, dass im Exil nunmehr die dritte Generation von Tibetern lebt. Sie erkennen zwar den Dalai Lama als ihr geistliches Oberhaupt an, erkennen aber auch, dass nach über 50 Jahren mit einer Politik der Gewaltlosigkeit nichts erreicht worden ist. Außerdem war in den vergangenen vier Jahren die Exil-Regierung aus Dharamsala mit einer offiziellen Delegation in Peking vertreten. Auch sie hat nichts erreicht.
Und das Volk?
Es darf nicht übersehen werden, dass viele Tibeter in Peking studieren und sich, um alle Vorteile genießen zu können, der kommunistischen Partei anschließen. Viele von ihnen sitzen für ihre Partei an führenden Stellen in Tibet.
Sollen die Olympischen Spiele stattfinden?
Ja, sie sollen stattfinden.
Wird sich danach etwas ändern?
Ich glaube nicht. Es wird alles so sein wie vorher. China ist ein riesiger Wirtschaftsmarkt. Die ganze Welt braucht die Chinesen – und umgekehrt.
Haben Sie Kontakt zu Exil-Tibetern?
Ich kenne viele. Ein guter Freund von mir wohnt in Darjeeling. Seine nunmehr 16-jährige Tochter ist unser Patenkind. Sie heißt Hannelore, wie meine Frau.
Was fühlen Sie, wenn Sie Fernsehbilder über den Tibet-Konflikt sehen?
Es bewegt mich sehr. Zumal ich aus Erfahrung weiß, dass die Tibeter liebenswürdige und umgängliche Menschen sind.












