Münchberg – Hohe Wellen schlägt der Fall einer Patientin, welcher an der Hochfranken-Klinik in Münchberg aufgrund einer verhängnisvollen Verwechslung statt des Beins der Darm operiert worden war. Die Frau muss nun auf Dauer mit einem künstlichen Darmausgang leben. Die Klinikleitung zog rasch personelle Konsequenzen, die – mittlerweile fristlose – Kündigungen für die Leiter der Abteilungen Chirurgie und Anästhesie zur Folge hatten.
Doch diese Entscheidung erregt die Öffentlichkeit nun nicht weniger. Eine Vertrauensaktion wurde gestartet, an der sich inzwischen nach Mitteilung ihres Federführers Andreas Fickenscher aus Münchberg rund 600 Bürger beteiligt haben – darunter viele ehemalige Patienten und zahlreiche Ärzte. Nicht nur mit Unterschriften, auch mit Briefen und Kommentaren per e-Mail sprechen sie namentlich Dr. Haysam Fadel, damals Chefarzt der Chirurgie an der Hochfranken-Klinik, ihr Vertrauen aus. Nicht ohne der fehloperierten Patientin und ihrer Familie Bedauern und Mitgefühl auszusprechen. Nachzulesen sind die Kommentare im Internet unter:
„Vertrauen – das ist es, was wir hiermit Dr. Fadel aussprechen wollen. Er hat seit fast 30 Jahren Patienten wie uns und unsere Familien stets aufmerksam betreut und Tausende von Operationen erfolgreich durchgeführt“, heißt es einleitend. „Seine fachliche Qualifikation als Chirurg steht außer Frage. Wir wollen betonen, dass wir seinen Qualitäten als Arzt vertraut haben und ihm auch weiterhin uneingeschränkt vertrauen werden.“
Kein „Halbgott in Weiß“
Ehemalige Patienten zeichnen das Bild eines Arztes, der – ganz entgegen dem Klischee vom „Halbgott in Weiß“ – für die Sorgen und Nöte seiner Patienten immer ein offenes Ohr hatte, den „ganzen Menschen“ sah und so manches Leben rettete. Ärzte und Kollegen schildern Dr. Fadel als einen ausgezeichneten Arzt, der fachlich und auch menschlich ein großes Vorbild sei. Die Hochfranken-Klinik habe ihm, der moderne Operationstechniken hier etablierte, viel zu verdanken. Dr. Fadel fehle an allen Ecken und Enden. Viele Mediziner erklärten, sich im Fall des Falles jederzeit selbst (wieder) dem geschätzten Chirurgen operativ anzuvertrauen.
Umso weniger Verständnis wird in vielen Wortmeldungen der Klinikverwaltung und den Klinikträgern entgegengebracht, was die fristlosen Kündigungen betrifft. Da das juristische Verfahren noch nicht abgeschlossen und nichts bewiesen sei, hätte sich die Krankenhausverwaltung vor ihre Mitarbeiter stellen müssen, meinen einige. Auch darüber, wie es zur Fehloperation kam und wie dergleichen künftig verhindert werden könnte, wird spekuliert. Man könnte, so wird vorgeschlagen, ein Patientenfoto der Krankenakte beilegen, so dass der Operateur sich ein Bild davon machen kann, ob der/ die Richtige vor ihm auf dem OP-Tisch liegt. Eine andere Idee ist die Einführung eines Armbandes mit persönlichen Daten, das der Patient bei der Aufnahme ins Krankenhaus angelegt bekommt und das ihn beim Personal ausweist. Es könnte die früher übliche „Fieberkurve“ am Bett ersetzen, die aus Datenschutzgründen abgeschafft wurde.
Kritik an Gesundheitsreform
Auch die Gesundheitsreform, die dem Klinikpersonal immer weniger Zeit für Sorgfalt lasse, wird als Ursache für das unglückliche Geschehen gesehen.
Inzwischen kann man sich zwar weiterhin per e-mail in die Vertrauensliste eintragen, Kommentare sind allerdings nicht mehr möglich – eine Entscheidung, die aus Rücksicht auf die Privatsphäre der Patientin und deren Familie fiel. lk










