NEUALBENREUTH – Seit 15 Jahren bewirtschaftet Albert Kunz das Egerer Waldhäusl, eine kleine Hütte bei Neualbenreuth im Kreis Tirschenreuth. Es ist idyllisch hier, Ausflügler kommen gerne vorbei. Zusammen mit seiner Frau würde Kunz die Hütte gerne kaufen, doch das geht nicht. Der Wald mit den darauf stehenden Gebäuden gehört der tschechischen Stadt Cheb (Eger), und die darf über ihr Eigentum nicht frei verfügen. Seit 1963 steht das Grundstück unter deutscher Verwaltung.
Der Egerer Stadtwald ist ein Politikum, wie es in Deutschland kein zweites gibt. Ein anderer Staat, noch dazu einer aus dem ehemaligen Ostblock, hat Eigentum auf dem Gebiet der Bundesrepublik – da sind juristische Verwicklungen unausweichlich.
Eigentlich will die Stadt Cheb den Wald seit langem verkaufen. Erste Gespräche gab es bereits 1963, also während des Kalten Krieges. Doch die in Deutschland lebenden vertriebenen Alt-Egerländer protestierten und hatten mit einer Eingabe an den Deutschen Bundestag Erfolg. Es gelang ihnen, dass das Grundstück in das so genannte Rechtsträger-Abwicklungsgesetz aufgenommen wurde. Seitdem steht der Wald unter treuhänderischer Verwaltung deutscher Behörden. Nur die hohe Politik kann seitdem entscheiden, was mit dem 650 Hektar großen Gelände im Millionenwert passiert.
Weitere Gespräche gab es nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in den Jahren 1999 und 2000. Auch damals konnten sich beide Seiten nicht einigen. Alles blieb, wie es war. Die Stadt Cheb ist nach wie vor Eigentümerin, kann aber nicht ohne Zustimmung der Bundesrepublik über ihren Besitz verfügen. Aus diesem Grund reichte sie im März 2005 eine Klage beim Verwaltungsgericht Regensburg ein. Darin fordert sie zwar die Rückgabe, ist allerdings bereit, sich auch gütlich zu einigen. „Wir wollen auf keinen Fall die guten nachbarschaftlichen Beziehungen beschädigen. Das ist auch der Grund, warum sich das Verfahren so lange hinzieht – wir legen besonderen Wert darauf, alles im Dialog zu klären“, erklärte der Bürgermeister von Cheb, Jan Svoboda, im Januar dieses Jahres gegenüber der Prager Zeitung.
Nun scheint wieder Schwung in die Sache gekommen zu sein. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen Cheb und dem Freistaat Bayern. „Es wird ergebnisoffen verhandelt und beide Seiten bemühen sich um eine einvernehmliche Lösung“, so der in Weiden ansässige Rechtsanwalt Manfred Gratzl, der die Stadt Cheb vertritt. Nach Angaben der bayerischen Staatskanzlei wäre Bayern bereit, den Wald zu kaufen, wenn bestimmte Rahmenbedinungen erfüllt würden. Um was es sich konkret handelt, will man allerdings nicht sagen. Trotzdem hofft man in München, bis Ende des Jahres eine Lösung zu finden.
Leicht optimistisch sieht auch Bürgermeister Svoboda die Situation, er zeigt sich allerdings bei der Eigentumsfrage wenig kompromissbereit: „Unser erstes Ziel ist es, über den Wald zu verfügen. Erst dann entscheiden wir uns, ob wir verkaufen, verpachten oder selbst bewirtschaften.“ Eine gerichtliche Einigung wolle die Stadt zwar vermeiden, schließe sie aber auch nicht völlig aus, so das Stadtoberhaupt.
Es werden mehrere Varianten diskutiert, wie man die in Europa wohl einmalige rechtliche Situation klären könnte, unter anderem die so genannte Stiftungslösung, die vor allem die Sudetendeutsche Landsmannschaft favorisiert. „Am besten wäre es, den Stadtwald oder einen etwaigen Verkaufserlös in eine tschechisch-sudetendeutsche Stiftung einzubringen, die Begegnungen fördert und das gemeinsame kulturelle Erbe pflegt“, meint der Vorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt.
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Stiftung abgelehnt
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Doch in Cheb hält man von diesem Vorschlag nicht allzu viel. „Der Stadtrat hat eine Stiftung schon einmal abgelehnt. Ich will zwar diese Lösung ohne Diskussion nicht schon vorab vom Tisch nehmen, aber wir werden uns nicht vorschreiben lassen, was wir mit unserem Eigentum machen dürfen“, so der Bürgermeister.
Im Gespräch ist auch, dass ein öffentlich-rechtlicher Träger die Verwaltung des Grundstücks und der Anwesen übernimmt. „Damit bliebe die Stadt Cheb Eigentümerin und der deutsche Staat könnte sich etliche Kosten sparen“, so der Anwalt.
Obwohl der Pächter das Waldhäusls Verständnis für die sudetendeutsche Seite zeigt, kann er das Ganze nicht so recht verstehen. „Die Vertreibung war Unrecht, aber wir können doch auch nichts dafür. Heute ist Tschechien in der EU und in der Nato, da frage ich mich, was das soll“, meint Alfred Kunz. Er liebt das idyllisch gelegene Haus, weist aber auch darauf hin, dass die Arbeit unweit der tschechischen Grenze hart ist. „Es gehört schon viel Idealismus dazu, das zu machen“, sagt der Wirt. Da es keine Wasserleitung und keinen Strom gibt, fühlt man sich um Jahrzehnte zurückversetzt und Angst, allein im Wald zu wohnen, darf man auch nicht haben.

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