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Schweinfurt – Punkt 10 Uhr treffen sich acht Frauen im Schweinfurter Hauptbahnhof. Sie halten nicht Ausschau nach einem Zug, sondern wollen lernen, wie man eine Fahrkarte löst – in einem Kurs der Volkshochschule. „Automatenschulung DB Regio“ heißt er. Wie in der Fahrschule steht vor der Praxis die Theorie und die vermittelt Jörg Moschner von der DB Regio Unterfranken. Er arbeitet als Zugbegleiter und hat das Konzept für die bundesweit einmalige Schulung ausgearbeitet. „Wir wollen den Leuten damit die Angst vor den Automaten nehmen“, sagt er.
Er wirft eine Powerpoint-Präsentation an die Wand eines der Sozialzimmer im ersten Stock des Bahnhofes. Die erklärt Schritt für Schritt, wie man sich einen Reiseplan ausdruckt, ein Zugticket löst oder eines der Spezialangebote wie Bayern-Ticket oder Wochenendticket kauft. Moschner betont, dass die neuen Automaten ein besser sichtbares Display haben und neben Kredit- und Scheckkarten auch Bargeld nehmen.
Nicht in letzter Sekunde
„Sind die genauso umständlich wie die alten?“, möchte eine gut 70-Jährige wissen. Wie der Schweinfurterin Elfriede Fahry geht es vielen: „Schwierig finde ich immer, wenn Leute hinter mir stehen und man sich die Anweisungen am Automaten nicht in Ruhe durchlesen kann.“ Jörg Moschner kennt da keine Gnade. „Lassen Sie sich nicht einschüchtern, schicken Sie die Leute notfalls zu einem anderen Automaten“, rät er. Statt in letzter Sekunde empfiehlt er, die Fahrscheine einige Tage vorher zu kaufen.
Von der Theorie geht es dann in die Praxis, an den Fahrkartenautomaten selbst. „Lesen Sie, was da steht, es ist wichtig“, gibt Moschner den Frauen noch mit auf den Weg. Und dann hangeln sich die Teilnehmerinnen durch das Menü, drucken Fahrpläne nach Ludwigsburg aus, informieren sich über günstige Tarife von Schweinfurt nach Langenhagen. „Für ältere Leute ist das zu kompliziert“, stöhnt Elfriede Fahry.
Die Tücken der Technik
Nicht nur für die, wie sich gleich zeigt. Ein Mann, Mitte dreißig, möchte einen Fahrschein nach Fulda lösen, kämpft aber auch mit den Tücken der Technik. Erst mit Hilfe der älteren Damen und Jörg Moschners gelingt es ihm schließlich, das Ticket auszudrucken. „Der Automat sagt einem schon, was er will, man muss nur hinsehen“, sagt der Schulungsleiter. Viele nähmen sich an den Automaten aber einfach zu wenig Zeit.
Im Laufe der Schulung werden die Frauen – die älteste ist 83 – sicherer im Umgang mit dem Automaten. „Ich hoffe, dass es jetzt klappt und werde einfach ab und zu mal herkommen und üben, ohne mir eine Karte zu kaufen“, sagt Fahry. Eine andere Teilnehmerin sagt: „Mein Sohn hat mich schon ausgelacht, weil ich hier mitmache.“ Für sie haben sich die gut zwei Stunden aber auf jeden Fall gelohnt: „Jetzt weiß ich alles, auch, dass ich schon für zehn Euro nach Würzburg fahren kann.“ Im April 2008 sollen die Fahrkartenautomaten-Schulungen fortgesetzt werden. Ralph Bauer


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