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Es ist exakt 20 Jahre her, doch die Erinnerung der Menschen an die Tage der Züge scheint so frisch wie gestern erlebt: Eine Frau und sechs Männer stehen am Donnerstagabend auf der Bühne am Hofer Bahnsteig. Zeitzeugen sind sie, die wie Moderator Werner Mergner die historischen Stunden hautnah miterlebt haben.
Frankenpost-Redaktionsdirektor Mergner erntet den ersten langen Beifall, als er wie alle Redner nach ihm die Hilfsbereitschaft der Hofer in den damaligen Tagen würdigt: "Dieser Ausbruch der Menschen- und Nächstenliebe wird in die Stadtgeschichte eingehen."
Diese spontane Hilfe ist es auch, die für den damaligen OB Dieter Döhla die Tage und Wochen von den Zugflüchtlingen bis zur Grenzöffnung "zur schönsten Zeit meiner Amtsperioden gemacht hat. Dafür haben alle Hoferinnen und Hofer gesorgt". Dieter Döhla räumt dabei ein: "Wir hätten uns ja auch blamieren können. Aber wir haben unsere Stadt vor der Weltöffentlichkeit im besten Licht dargestellt."
Auch, weil Menschen wie Edith Söllner von der Bahnhofsmission "rund um die Uhr aufgemacht haben". Die Helferin war mit Mann und Sohn noch in der Nacht vor der Zugankunft angerückt und hatte wie so viele Helfer durchgearbeitet, ohne jemals auf die Uhr zu schauen. Gleiches gilt für Gerhard Köppel. Für den Mann vom Technischen Hilfswerk (THW) und seine Helfer ging es förmlich um die Wurst. Die THW-Truppe war unter anderem dafür verantwortlich, für Tausende von Zugflüchtlingen Lebensmittel heranzukarren und zuzubereiten. Köppel: "Wir haben auch nachts palettenweise Essen und Getränke aus Hofer Geschäften geholt. Da hat keiner nach einer Rechnung oder einem Lieferschein gefragt." Dekan Günter Saalfrank hatte am Tag der Züge noch einen Erntedankgottesdienst gehalten, bevor er zum Bahnhof kam. Heute sagt der Kirchenmann: "Wir haben dort alle ein Erntedankfest der ganz besonderen Art erlebt. Wir sahen, wie die Menschen Freiheit ernteten." Caritas-Chef Walter Pretsch berichtet von vielen Gesprächen in der Bahnhofsmission, "um die auch psychisch ausgelaugten Flüchtlinge wieder aufzubauen. Viele waren mit der plötzlichen Freiheit überfordert und wussten nicht wohin".
Edgar Pöpel, der ehemalige Rehauer Bürgermeister und damalige Kreisvorsitzende des Roten Kreuzes, lobt die Helferinnen und Helfer, von denen knapp 400 alles für die Zugflüchtlinge vorbereiteten. Für Pöpel selbst bleibt ein Erlebnis unvergessen: "Als die jungen Menschen aus den Zugfenstern winkten und 'Deutschland, Deutschland' riefen. Für die Flüchtlinge war Hof das Tor zur Freiheit." Auf die Frage von Werner Mergner, ob die Tage der Züge und die Welle der Hilfsbereitschaft die Stadt verändert haben, sagt Ex-OB Dieter Döhla nachdenklich: "Ich glaube schon. Wir Hofer haben uns bewährt bei dieser schönen und schwierigen Aufgabe. Dafür möchte ich nochmals allen danken." Beifall brandet auf. Die Menge auf dem rappelvollen Bahnsteig applaudiert. Kurz danach rollt der historische Zug aus Prag ein. Und so manchem Zuschauer schießen wie damals Tränen in die Augen..
Weitere Fotos finden Sie in unserer Frankenpost-Online-Bildergalerie:





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