- Es fließt viel Wasser an einem Tag den Roten Main hinunter. Weit weniger bekannt: Es fließen auch viele Medikamente an jedem Tag den Roten Main hinunter. Den besten Überblick hierüber hat der Bayreuther Diplom-Geoökologe Uwe Kunkel. In seiner Doktorarbeit befasst er sich am Beispiel des Roten Mains damit, wie stark Bäche und Flüsse mit Medikamenten belastet sind, und wie die Fließgewässer damit fertig werden.
Dieses Thema gewinnt nicht nur bei Fachleuten immer mehr Aufmerksamkeit. Etliche Untersuchungen zeigen, dass Arzneimittel bei ihrer Verwendung im menschlichen Körper keineswegs abgebaut werden, sondern zu einem großen Teil über das Abwasser an die Umwelt abgegeben werden. Aus Heilmitteln werden auf dieses Weise Umweltgifte. Insbesondere besteht die Befürchtung, dass die Medikamente irgendwann auch ins Grundwasser eindringen. In diesem Fall könnte ein ganzer Cocktail von Arzneien aus dem Wasserhahn kommen und weiterwirken - dann aber ohne eine Verschreibung.
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Grundlagenforschung
Das Untersuchungsgebiet des Bayreuther Wissenschaftlers umfasst 15 Flusskilometer des Roten Mains. Die erste Messstelle, an der automatisch Wasserproben angesaugt werden, ist unterhalb des Zulaufs der Kläranlage Bayreuth eingerichtet, die letzte oberhalb der Kläranlage bei Neudrossenfeld. So bekommt Kunkel ein gutes Bild davon, wie sich Medikamente im Bach verhalten und in welchen Maße sie abgebaut werden. Dabei handelt es sich um Grundlagenforschung, die eine Abschätzung des Gefahrenpotenzials erst möglich machen soll.
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Die Ergebnisse der Messungen im Roten Main werden zwar erst 2011 vorliegen, so Kunkel, doch könne man zum gegenwärtigen Stand von einer akuten Gefahr zumindest für den Menschen nicht sprechen. Grund: Die Wirkstoffe wie Diclofenac werden im Main soweit verdünnt, dass man schon viele Tausend Liter des Flusswassers trinken müsste, um eine pharmazeutische Wirkung zu erzielen. Gerade Diclofenac ist so mobil, dass es vermutlich auch kaum in den Bachuntergrund eingebaut und dort angereichert wird; er fließt einfach weiter in Richtung Meer. Das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht; nur im Sediment von Gewässern werden Schadstoffe überhaupt in einem spürbaren Umfang abgebaut.
Durch die Kläranlage
Für Kläranlagen gilt dies nicht; die meisten Medikamente, die Patienten vorwiegend mit ihrem Urin ausscheiden, werden unverändert wieder an den Bach weitergegeben. Unterhalb einer Kläranlage kann man also ein gutes Bild von Gesundheitszustand der Menschen oberhalb gewinnen. Auf den Papierstreifen eines Massenspektrometers erzeugt jeder der Wirkstoffe einen eigenen Zacken. Kunkel hat sich für seine Untersuchungen auf ausgesuchte Arzneien konzentriert. Neben Schmerzmitteln gehören dazu auch Antibiotika und Betablocker.
Auch sie werden in Bayreuth und seinem Oberland häufig eingesetzt. Erste Mengenbestimmungen gibt es von Bezafibrat, einem Wirkstoff, der in Bluttfettsenkern enthalten ist. Unter höheren Abflussbedingungen treiben im Roten Main täglich bis zu 40 Gramm vorbei - das entspricht immerhin der Tagesdosis für 100 Erwachsene.




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