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Erschienen am 16.11.2009 00:00
Die Kameraden sind nicht mit sich zufrieden
Abgrenzung | Die NPD nutzt die Gelegenheit, sich vorsichtig von Rieger abzusetzen.
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NPD-Trauermarsch in Wunsiedel Bild vergrößern
Eher eine Pflichtübung: NPD-Bundesvorsitzender Udo Voigt (rechts) und sein Vize Frank Schwerdt in Wunsiedel
Bild: Joachim Dankbar
Wunsiedel - Als einen "Schlag gegen die Zivilgesellschaft" hat der Wunsiedler Bürgermeister Karl-Willi Beck die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs bezeichnet, das Verbot des Rieger-Trauermarsches aufzuheben. Dahinter steht die Befürchtung, dass es auf diesem Wege eine Neuauflage der jahrelang unterbundenen Hess-Gedächtnismärsche geben könnte. Allerdings gibt es eine ganze Reihe von Anzeichen, die dagegen sprechen. Am Tag nach der Versammlung zeigt sich, dass die chronisch zerstrittene rechtsextreme Szene alles andere als zufrieden mit der Veranstaltung ist. In den einschlägigen Internetforen wird die Beteiligung eher als "peinlich" angesehen und darüber nachgedacht, ob Wunsiedel wirklich der richtige Versammlungsort ist.

Abgedrängt aus der Innenstadt und mit scharfen Auflagen bedacht konnten die Rechtsextremen gerade einmal einen 25-minütigen Gang um einen Häuserblock unternehmen. Auch bei der anschließenden Gedenkfeier war der gesperrte Straßenraum vor der Wunsiedler Grundschule nur auf wenigen Metern gefüllt. Selbst rechtsgesinnte Teilnehmer der Veranstaltung meinen, dass die Polizeischätzung von 850 Demonstranten eher am oberen Rand angesiedelt ist.

Die NPD, die zur Demonstration aufgerufen hatte, marschierte mit ihrem Bundesvorsitzenden Udo Voigt und weiteten Mitgliedern des Bundesvorstandes zwar in der ersten Reihe, hatte jedoch kaum Teilnehmer nach Wunsiedel gebracht. Wie unschwer an der Haartracht erkennbar war, stellten die militant eingestellten "Freien Kameradschaften" das Gros der Trauergemeinde. Mit Jürgen Rieger - und seinem Geld - ist die wichtigste Spange zwischen der NPD und den "Freien Kräften" vorerst verloren gegangen. Während Irrlichter wie der französische Publizist Pierre Krebs und der ehemalige Bundesvorsitzende der verbotenen Wiking-Jugend, Wolfram Nahrath, in Wunsiedel offen den Rassismus des verstorbenen Riegers priesen, nutzten die Redner der NPD die Gelegenheit zur vorsichtigen Distanzierung. So lobte NPD-Vorsitzender Vogt vor allem die Disziplin seines "Freundes" Rieger, wenn der Parteivorstand eine andere Meinung als er dieser selbst vertraten habe. J. D.

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