![]() |
|
|
|
||
Hof - Es gibt keinen Zweifel: Wenn Fritz Schösser im kommenden Frühjahr aus dem Amt des DGB-Landesvorsitzenden scheidet, dann wird er als aufrechter Kämpfer gehen. "Der Sonntag stellt den Menschen in den Mittelpunkt, nicht die Gier des Kapitals", formulierte Schösser am Freitagabend bei einem Sozialgipfel im Audimax der Hofer Hochschule. Gemeinsam mit Vertretern der Evangelsichen Landeskirche stellten die bayerischen Gewerkschaften dort klar, dass sie den Kampf um den Erhalt der arbeitsfreien Sonn- und Feiertage noch verstärken wollen. Die Landeskirche - an diesem Abend vertreten durch den Münchner Oberkirchenrat Detlev Bierbaum - fasst sich verbal etwas zurückhaltender; in der Sache sind sich die Bündnispartner jedoch einig.
Kirchen wie Gewerkschaften macht es Sorgen, dass regelmäßige und gelegentliche Arbeit an Sonn- und Feiertagen für immer mehr Arbeitnehmer zur Normalität wird. Die oft diskutierten Event-Sonntage des Einzelhandels seien dabei nur ein Aspekt des Problems. 25 Prozent aller Beschäftigten und über die Hälfte aller Selbstständigen sind Statistiken zufolge schon von Sonntagsarbeit betroffen; rund 16 Prozent arbeiten an jedem Sonntag. Vor der jüngsten Wirtschaftskrise hat nach Beobachtung der Kirchen und Gewerkschaften vor allem in der Industrie das Ausmaß der Feiertagsarbeit drastisch zugenommen - oft mit als fragwürdig empfundenen Begründungen. Fritz Schösser: "Jahrzehntelang konnte man Jogurt an Werktagen herstellen. Es will mir nicht in den Kopf, dass man nun dazu auch den Sonntag braucht."
Der bayerische DGB-Chef sieht darin einen Trend: In der Wirtschaft richte man sich immer mehr am Leitbild des stets arbeitsbereiten Singles aus. Familien und deren Bedürfnisse spielten dabei keine Rolle mehr. Die Aushöhlung einst gesicherter Sozialstandards sei debei schon weit fortgeschritten. "Vor zehn Jahren haben wir noch vom arbeitsfreien Wochenende gesprochen. Heute geht es schon nur noch um den Sonntag", bemerkte Schösser.
Erwartungsgemäß ging es an diesem Abend in der Hochschule vor allem um sonntägliche Verkaufsaktionen des Einzelhandels. Seit einiger Zeit sind dieses Event-Sonntage in Hof ein Zankapfel zwischen Kirche und Arbeitnehmervertretern einerseits sowie der Stadt und dem Einzelhandel andererseits. Die Kritiker der verkaufsoffenen Sonntage verweisen darauf, dass es noch nicht einmal wirtschaftliche Gründe für die Ladenöffnung am Sonntag gebe. Der Umsatz werde nicht gesteigert, sondern einfach anders verteilt. Kleinere und Familienbetriebe seien die Verlierer, so Oberkirchenrat Detlev Bierbaum, die Filialen großer Ketten die Gewinner. DGB-Chef Schösser wies darauf hin, dass jede Ausweitung der Verkaufszeiten bislang mit einer Abnahme der Zahl der selbstständigen Einzelhändler verbunden gewesen sei.
Letztlich, so Kirchenvertreter Bierbaum, stelle sich aber auch eine Wertefrage: Die Gemeinsamkeit der Familie müsse über dem Event-Shopping stehen. Der kirchliche Sozialarbeiter Gerhard Strunz aus Hof war sich sicher, dass es eine solide Mehrheit gegen die verkaufsoffenenen Sonntage gebe. Händler wie auch Kunden beteiligten sich daran nur deshalb, weil das Angebot bestehe. Sein Fazit: "Wenn es diese Sonntage nicht gäbe, würde kein Hahn danach krähen."
Die von der Radio-Journalistin Silke Malburger moderierte Diskussion litt ein wenig darunter, dass die Gegner der Shopping-Sonntage nahezu unter sich waren. Lediglich der Hofer Einzelhandelssprecher Ernst-Dieter Rochon erläuterte die Motive der Einzelhändler. Angesichts der weit überdurchschnittlichen Quadratmeterzahlen an Verkaufsfläche brauche Hof auch solche Aktionen, um als Einkaufsstadt zu überleben, argumentierte Rochon. An diesen vier Sonntagnachmittagen - und um mehr gehe es ja nicht - würden ganz erhebliche Umsätze gemacht. Es sei zwar richtig, dass Käufer jeden Euro nur einmal ausgeben könnten, so Rochon, die Frage sei aber, wo sie das dann täten.
Selbst beim Verkaufspersonal seien die Aktionen beliebt. Der Kaufhof als größter Einzelhandelsbetrieb könne regelmäßig nicht alle Meldungen von Beschäftigten berücksichtigen, die für Zuschläge von 100 bis 150 Prozent an diesen Sonntagen arbeiten wollten.
Folgt man Rochon, findet ohnehin eine Abstimmung mit den Füßen statt. Eine "fünfstellige Zahl von Kunden" könne man an jedem verkaufsoffenenen Sonntag in Hof begrüßen. Da liege doch der Gedanke nahe, dass für viele Familen auch das Einkaufengehen ein beliebtes Gemeinschaftserlebnis geworden sei.


Drucken
Speichern
Versenden












