![]() |
|
|
|
||
Coburg - Im Spiegel präsentieren sie sich vor einer Londoner U-Bahnstation Seit' an Seit': Matthias Loßmann, Rechtsanwalt in Coburg und ehemaliger Stadtrat der Grünen, und Richard Williamson, Skandal-Bischof und mutmaßlicher Holocaust-Leugner. Ein Jahr, nachdem Williamson die Existenz von Gaskammern bestritten hatte, hat der 69-Jährige jetzt offensichtlich noch einmal Öl ins Feuer gegossen und laut Spiegel den Holocaust als "Riesenlüge" bezeichnet. Im April wird ihm der Prozess gemacht. Loßmann wird ihn vertreten - trotz der neuerlichen Ausfälle.
Nach Angaben des Magazins hat Williamson in internen E-Mails der streng konservativen Piusbruderschaft die Vergasung von sechs Millionen Juden als "eine Riesenlüge" bezeichnet. Auf dieser "Tatsache" sei "eine ganz neue Weltordnung aufgebaut worden". Die Juden seien "dank der KZ Ersatzerlöser geworden". Loßmann betont, dass er Williamson gegen einen strafrechtlichen Vorwurf verteidige. Er sei jedoch "weit davon entfernt, seine Ansichten zu teilen oder auch nur rechtfertigen zu wollen".
Williamson hatte bereits im November 2008 in einem Interview mit einem schwedischen Fernsehsender die Existenz von Gaskammern zur NS-Zeit bestritten. Am 16. April muss sich Williamson vor dem Regensburger Amtsgericht daher wegen Volksverhetzung verantworten. Nach internationalen Protestwellen um seine Äußerungen war der Bischof von der Piusbruderschaft von seinen Ämtern entbunden worden und lebt seither in London.
Dem Spiegel-Bericht zufolge hält Williamson offensichtlich weiterhin Kontakt zu führenden Vertretern der Revisionisten-Szene. Die eigene Piusbruderschaft, die gerade mit dem Vatikan über Glaubensfragen verhandelt, halte den Engländer zwar für "eine tickende Zeitbombe", wolle ihn aber nicht ausschließen. Die Bruderschaft befürchte, dass Williamson eine Gegenkirche gründet.
Während sich Loßmann zu den neuesten Entgleisungen Williamsons mit Verweis auf das Mandatsverhältnis zwischen ihm und dem Piusbruder nicht äußern will, sieht Thomas Frick, Sprecher des Regensburger Amtsgerichtes, darin "eine gewisse Hartnäckigkeit und Unbelehrbarkeit", was sich theoretisch schon auf das Strafmaß auswirken könne. Allerdings sei der Spiegel-Bericht momentan nicht Gegenstand des Verfahrens, zu dem lediglich drei Zeugen aus Schweden geladen seien. Ausgeschlossen sei es jedoch nicht, dass auch die Journalisten, die die Spiegel-Story recherchiert haben, geladen werden. Williamson hatte gegen einen Strafbefehl von 12 000 Euro Einspruch eingelegt.
In London leidet Loßmanns Mandant nicht nur an der Laxheit der katholischen Kirche. In der Nähe der örtlichen Piusbruderschaft liegt der Wimbledon Park, wo den Bischof die Kleiderordnung der Spielerinnen "fast nur bis zur Hälfte des Schenkels" entrüstet. "Gibt es denn keine Männer mehr, die ihren Töchtern, Schwestern, Ehefrauen oder Müttern sagen, dass solch eine Aufmachung nur für die Augen des eigenen Mannes bestimmt ist?"
Bereits vor einem Jahr hatte Williamson weltweit für Empörung gesorgt. Fast zeitgleich wurde im Februar 2009 bekannt, dass der Vatikan die Exkommunikation von Williamson und drei anderen Bischöfen der Pius-Bruderschaft rückgängig gemacht hatte. Papst Benedikt XVI. hatte da allerdings noch keine Kenntnis des schwedischen Interviews.


Drucken
Speichern
Versenden












