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Erschienen am 13.03.2008 00:00
Die schwarze Deutsche
Spurensuche | Die TV-Moderatorin Mo Asumang, von Neonazis mit dem Tode bedroht, verarbeitete ihre Angstin einem Dokumentarfilm über rechten Hass und ihre ganz persönlichen Wurzeln in Deutschland und in Ghana
Von Rainer Maier
Roots Germania Bild vergrößern
Als nordische Heldin Brünhild zeigt sich Mo Asumang auf dem Plakat zu ihrem Dokumentarfilm „Roots Germania“. Die TV-Moderatorin und Schauspielerin will klar signalisieren, dass sie ihre germanischen Wurzeln nicht ablehnt. Die dunkle Hautfarbe stammt von ihrem Vater aus Ghana. Für Asumang ist eine schwarze Brünhild kein Gegensatz. „Ich kann aus zwei Kulturen schöpfen“, sagt sie.
Bild: MA Motion
Wunsiedel
Eigentlich ist Lars Burmeister wohl ein armseliger Feigling. In einem Song seiner rechtsextremistischen Hardcore-Band „White Aryan Rebels“ hatte er zur Tötung der schwarzen TV-Moderatorin Mo Asumang aufgerufen. Aber als sie dann leibhaftig mit ihrer Harley auf den Parkplatz vorm Clubhaus von Burmeisters Motorrad-Gang knattert und die muskelbepackten Glatzen dort fragt, ob sie denn „den Lars“ mal sprechen könne, da traut er sich nicht heraus.

Für Asumang ist dies die Schlussszene in ihrem Dokumentarfilm „Roots Germania“, den sie am Dienstag und Mittwoch in der Fichtelgebirgshalle Wunsiedel vor insgesamt gut 500 Menschen zeigte, darunter den Acht- und Neuntklässlern aller Wunsiedler Schulen. Es ist das Ende einer mehrjährigen Recherche, die damit begann, dass Burmeisters „weiße arische Rebellen“ die dunkelhäutige Schauspielerin auf der CD „Noten des Hasses“ mit der Zeile schockten: „Diese Kugel ist für Dich, Mo Asumang.“

Die 44-jährige Moderatorin ist dieser Bedrohung ganz offensiv begegnet. Im Film und im mehr als einstündigen Gespräch mit den aufmerksamen und wissbegierigen Schülern aus dem Fichtelgebirge erzählt sie von der Bewältigung ihrer Angst und der dabei ausgelösten Suche nach ihren Wurzeln – in Deutschland und in Ghana.

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Bild:  
Erstaunliches hat die mutige Frau dabei erfahren über sich und über die Neonazi-Szene. Seit der Fernseh-Premiere im November tourt sie nun mit ihrer Dokumentation durch Deutschland. In Wunsiedel, das mittlerweile in der ganzen Republik Beachtung dafür findet, „bunt, nicht braun“ zu sein, hat es Asumang mit Leuten vom Fach zu tun. Denn die Jugendinitiative gegen Rechtsextremismus hat hier schon oft mit Kreativität und Leidenschaft bewiesen, wie man Neonazis ins Leere laufen lässt.

Ein dickes Lob für Wunsiedel

Deshalb hat Mo Asumang auch „ein totales Lob dafür, was ihr in Wunsiedel auf die Beine stellt“. Andere Städte mit ähnlichen Problemen schauten „mit Bewunderung auf Wunsiedel, denn ihr seid das Vorbild für gute bunte Aktionen“. Einer, der die erfolgreichen Aktionen bestens kennt, ist Interview-Partner im Film: Jürgen Rieger.

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Die Filmemacherin aus Berlin (Mitte) diskutierte mit den Schülerinnen und Schülern aus dem Fichtelgebirge. Mit im Bild: Pamela Drobig (links) und Christine Büch von der Jugendinitiative gegen Rechtsextremismus
Bild: Rainer Maier
Seit Jahren beantragt der Hamburger Rechtsanwalt und NPD-Chef der Hansestadt die Erlaubnis für die Neonazi-Aufmärsche zum Todestag des Hitler-Stellvertreters und Kriegsverbrechers Rudolf Heß, der in Wunsiedel begraben liegt. Seit 2005 scheitert Rieger damit regelmäßig am – höchstrichterlich bestätigten – Verbot durch das Landratsamt.

Asumang hat Rieger als „ganz gefährlichen Mann“ erlebt, der den Hass gegen andere Rassen predigt. Würde seine Tochter mit einem schwarzen Freund ankommen, würde er sie aus der Familie verstoßen, sagt er im Film ganz offen. Und fügt hinzu: „Früher hätte man so etwas im Moor versenkt.“

Doch mit ihrer offenen Art, die Hass und Wut bewusst nicht widerspiegelt, bringt Asumang auch Rieger aus dem Konzept. Der rechtsextreme Hardliner gerät ins Stammeln. „Ich hab‘ das im Film einfach so stehen gelassen, ohne Kommentar. Das sieht jeder Zuschauer selber, was der Mann da für Bullshit verzapft.“ Der gefährliche Jürgen Rieger, der auf NPD-Kundgebungen Tausende von Rechtsextremen aufpeitschen kann, kam Asumang im persönlichen Gespräch kleinlaut und schwach vor. „Der konnte mir ja nicht mal in die Augen schauen.“

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Voll besetzt war die Wunsiedler Fichtelgebirgshalle beim Filmvortrag von Mo Asumang
Bild: Rainer Maier
„Die Angst ist weg“, sagt Mo Asumang am Ende ihrer Recherche. Stark und selbstbewusst sei sie aus ihrer Spurensuche auf zwei Kontinenten hervorgegangen. „Ich habe meine Wurzeln gefunden, in Deutschland und in Ghana. Jetzt kann ich aus beiden Kulturen schöpfen.“ Gemeinsamkeiten hat Asumang entdeckt zwischen afrikanischer Naturreligion und nordischen Mythen. „Heilige Haine“ gibt es hier wie dort, die Verehrung für die Ahnen auch. Nordisches Kulturgut müsse man nicht verteufeln, meint die Dokumentarfilmerin. Den Missbrauch, die Verfremdung durch Rechtsextreme, die böswillige Verfälschung jahrtausendealter Mythen allerdings schon.

Ein Kind beider Welten

Das Trauma der Todesdrohung hat Mo Asumang abgelegt. Für sich persönlich hat sie herausgefunden, dass sie ein Kind beider Welten ist und in beiden gleichermaßen zu Hause. Sie ist eine „schwarze Deutsche“, sagt sie, und glücklich damit. Zur Verdeutlichung lässt sie sich fürs Filmplakat als nordische Heldin Brünhild ablichten, stilecht mit Wikingerhelm und Lanze. Und natürlich mit dunkler Haut.

www.roots-germania.com

Weitere Fotos von den "Roots Germania"-Veranstaltungen in Wunsiedel finden Sie in unserer Bildergalerie:
Artikel mit Diashow!Mo Asumang in Wunsiedel

 
 

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