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Hof – Daniel Z. (Name geändert) ist 17. Er ist dem Online-Spiel „World of Warcraft“ (WoW) verfallen. Daniel lebt in einer Stadt in Oberfranken. Aber eigentlich lebt er nur noch in der Parallelwelt des virtuellen Rollenspiels. Deshalb ist er – als notorischer Schwänzer – inzwischen von drei Schulen geflogen. Zuhause stapeln sich die Bußgeldbescheide. Weil die Eltern sich weigern, sie zu bezahlen, muss Daniel die Strafe in gemeinnütziger Arbeit abarbeiten. Auch das gelingt ihm nur teilweise, zu groß ist die Anziehungskraft des Spiels und die „Verpflichtungen“ gegenüber den virtuellen Freunden in aller Welt.
Denn „World of Warcraft“ gehört zu den meistverkauften Online-Rollenspielen auf dem Globus. Wegen der Verabredungen mit seinen Gildenfreunden in anderen Zeitzonen ist Daniel bevorzugt nachts am Computer aktiv. Frühmorgens, wenn seine früheren Freunde im wirklichen Leben in der oberfränkischen Stadt zur Schule gehen, schläft Daniel. Wenn er ins Bett geht, zieht er sich nicht einmal mehr aus. Sein Zimmer, in dem der Computer steht, verlässt er nur noch, um sich was zu essen zu holen oder zu trinken. „Er hat das Haus im letzten Jahr höchstens fünfmal verlassen“, erzählt sein Vater Helmut Z. (Name geändert), den die Onlinesucht seines Sohnes an den Rand der Verzweiflung gebracht hat.
Auch Christoph Hirte aus München ist ein betroffener Vater, der seinen inzwischen 23-jährigen Sohn an „World of Warcraft“ verloren hat. Der Münchner IT-Systemberater hat im Internet eine viel beachtete Homepage aufgebaut, um Betroffenen und ihren Angehörigen vor allem mit Informationen über diese kaum bekannte Sucht zu helfen. „Manche der Spieler“, weiß Hirte, „sind völlig verwahrlost. Sie haben ganz schwarze Zähne, weil sie überhaupt keine Körperhygiene mehr betreiben.“ Helmut Z. weiß von Online-Spielsüchtigen, die nicht mal mehr auf die Toilette gehen, sondern in leere Flaschen pinkeln. Als Vater eines Spielsüchtigen wundert ihn das nicht: Er kennt das Zimmer seines Sohnes. Dort landen leere Flaschen und Verpackungsmüll von Junk-Foodnicht etwa im Papierkorb, sondern sie werden in irgendwelche Schubladen gestopft oder auf dem Fußboden verteilt.
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„Wenn Daniel nicht spielen kann oder wir ihn daran hindern wollen“, erzählt Helmut Z. „rastet er völlig aus.“ Der kräftige junge Mann, dessen Körpergewicht sich in den vergangenen drei Jahren fast verdoppelt hat, wird dann gegen Familienangehörige tätlich und demoliert auch schon mal Teile der Wohnung oder das Auto der Eltern.
Wegen dieser Aussetzer ist Daniel bereits mehrfach in der Psychiatrie gelandet – auch das Jugendamt hatte sich eingeschaltet, ein Jugendberater sollte die Familie unterstützen. Alles ohne Erfolg. Irgendwann ließ der spielsüchtige Jugendliche den Berater einfach nicht mehr ins Haus, die Eltern sind beide berufstätig und waren nicht daheim. Die Spielsucht des Sohnes ist ihr ständiger Zankapfel.
Während der Vater immer wieder für eine stationäre Therapie plädiert, streitet der Sohn jegliches Suchtproblem ab. Für die Mutter ist die Krankheit des Sohnes ein Tabu. Zu schmerzhaft ist es für sie, darüber zu sprechen oder gar einzuräumen, dass dieses Problem existiert. Und so sorgt sie wie jede gute Mutter dafür, dass immer genügend Lebensmittel im Haus sind, dass Daniels Wäsche gewaschen und sein Zimmer aufgeräumt ist. Der Sohn verfügt über Internet, einen hochgerüsteten Computer und „World of Warcraft“. Für ihn gibt es keinen Grund, sein Leben zu ändern. Er wird weiterhin abtauchen – in das Universum von „World of Warcraft“, das nur am Computer existiert.
Mehr Infos zum Thema unter:www.rollenspielsucht.de



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