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Erschienen am 10.06.2008 00:00
Flocke ohne Pfleger ist nur halb so begehrt
Ansturm | Nürnberger Eisbärenmädchen wird ein halbes Jahr alt. Besucher bieten Geld für Fotomotive.
Von Inga Pflug
Ein halbes Jahr Flocke Bild vergrößern
Flocke genießt Wasser und den Sonnenschein. Foto: dpa
Bild:  

NürnbergIn den sechs Monaten seit seiner Geburt hat das Nürnberger Eisbärenmädchen Flocke dem Tiergarten Nürnberg extreme Gefühle beschert. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass Flocke so der Renner wird“, erklärt Tiergarten-Vize Helmut Mägdefrau zu Flockes „halbem Geburtstag“ an diesem Mittwoch. Er sei in den vergangenen Monaten immer wieder überrascht gewesen, wie extrem die Menschen auf das Tier reagiert hätten. Rund um Flocke war Anfang des Jahres ein regelrechter Hype um ihren Namen, die Vermarktung von Lizenzprodukten und die Eisbärenhaltung in Zoos an sich entstanden.

Im Mai verbuchte der Tiergarten mit 243 000 Besuchern einen neuen Rekord. „Solche Zahlen hatten wir bislang nicht einmal im August, und das ist normalerweise unser besucherstärkster Monat.“ Insgesamt verläuft der Ansturm auf Flocke aber „geordnet und gesittet“.

Dass beim Interesse an Flocke die Handaufzucht im Vordergrund stehe, „zieht einem Zoologen die Kehle zu“, erklärt der Vize-Tiergartenchef. Mancher Besucher erwarte im Tiergarten „Geschichten von Mensch und Tier wie im Zirkus“. Seitdem Flocke zunehmend vom Menschen entwöhnt wird, bekommen die Pfleger zum Teil sogar Geld angeboten, damit sie wieder zu Flocke ins Gehege gehen, wundert sich Mägdefrau. Die Besucher wollten unbedingt Fotos von Flocke mit ihren Pflegern machen, dabei widerspreche genau das der artgerechten Haltung der Bärin. Viel besser wäre es gewesen, die Bärenmutter hätte ihr Junges aufgezogen.

Die Entscheidung, das vier Wochen alte Jungtier seiner Mutter wegzunehmen, habe sich der Tiergarten nicht leicht gemacht, betont auch der für den Tiergarten zuständige zweite Bürgermeister der Stadt, Horst Förther. „Das war der Wahnsinn, das war nahe am Herzinfarkt“, beschreibt er seine Gefühle vom Januar. Aus heutiger Sicht sei „das Tierchen“ gut für die Stadt, da es dafür gesorgt habe, dass Nürnberg in der Welt positiv wahrgenommen werde. „Das war eine Werbekampagne, die keiner hätte bezahlen können“, sagt Förther. Nun sei es wichtig, die positiven Effekte, die Flocke ausgelöst habe, weiter zu nutzen.

„Wir sind mit Flocke sehr glücklich“, betont auch Mägdefrau. Das Eisbärenmädchen wiegt mittlerweile gut 40 Kilo und ist einen Meter lang. Derzeit bekommt das Raubtier noch Zähne und entwickelt sich weiterhin prächtig. dpa

 
 

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Kommentare zum Artikel

  • von fuertiere am 13.06.2008 12:34
    gegen Zoos
    Die Zucht in Gefangenschaft sorgt für einen Überschuss an Tieren. Babys sind nämlich Kassenmagneten und ziehen massenweise Besucher an, die zusätzlich zum Eintrittsgeld auch noch Geld in den Geschenkeshops und Snackbars der Zoos ausgeben.

    Zoos können vielleicht größere und feudalere Anlagen bauen, aber es sind und bleiben doch Gefängnisse. Viele "Verbesserungen" sind eher kosmetischer Art und dienen eher den Besuchern als den Tieren. Die meisten Tiere in Gefangenschaft leiden unter Frustration und Langeweile. Anstatt Millionen darauf zu verschwenden, Unmengen an Tieren einzusperren, sollten wir uns für die Erhaltung und Wiedereinrichtung dessen einsetzen, was wir Menschen den Tieren genommen haben: ihren ursprünglichen Lebensraum.

 

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