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Hof/München – Seit Jahren wird die Scientology-Organisation vom Verfassungsschutz überwacht. Über die Hintergründe dafür sprachen wir mit Robert Bihler vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz in München.
Herr Bihler, wie viele Scientologen gibt es eigentlich in Deutschland?
Der Verfassungsschutz beobachtet deutschlandweit etwa 5000 bis 6000 Mitglieder der Organisation. In Bayern gibt es etwa 2600 Scientology-Mitglieder. Diese Zahlen sind seit langem relativ konstant.
Beschränken sich die Aktivitäten von Scientology nur auf Großstädte oder auch auf ländliche Gegenden wie Oberfranken?
In Bayern liegen die Schwerpunkte in München und Nürnberg. Daneben gibt es einzelne Organisationen, zum Beispiel im Raum Neu-Ulm/Ulm. In Oberfranken gibt es keine Scientology-Organisation.
Wie gefährlich ist Scientology wirklich? Es gibt ja immer wieder Forderungen, Scientology als Religionsgemeinschaft zuzulassen.
Der Verfassungsschutz beobachtet die Organisation deshalb, weil sie letztendlich unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung abschaffen und an ihre Stelle ein System setzen will, das ausschließlich nach scientologischen Richtlinien funktioniert. Führungspositionen können dort nur von Personen besetzt werden, die nach Scientology-Ansicht „clear“ sind, das heißt, die dem System perfekt angepasst sind. Bisherige demokratisch gewählte Repräsentanten werden als „aberrierte“ („verirrte“) Personen bezeichnet, die bekämpft werden müssen. Als „Aberrierte“ gelten alle, die sich der Scientology-Lehre verschließen.
Es gibt sogar einen speziellen Geheimdienst bei Scientology, OSA, Office of special Affairs, der diese Leute ganz gezielt zum Schweigen bringen soll. Von Beginn an werden über Scientology-Einsteiger Dossiers angelegt mit sehr persönlichen und intimen Details. Die werden ohne Skrupel eingesetzt, um Aussteigewilligen oder Nicht-Konformen zu schaden.
Stimmt es, dass Scientology nach innen ganz andere Zusammenhänge kommuniziert als nach außen und die Menschen damit bewusst täuscht?
Scientology erlaubt seinen Mitgliedern, die Unwahrheit zu sagen, wenn es dem System nützt. Ein Beispiel ist die „Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V“ (KVPM). Nach außen heißt es, diese Scientology-Organisation solle Missbräuche und Menschenrechtsverletzungen in der Psychiatrie aufdecken. Nach innen geht es jedoch darum, eine neue Zivilisation nach scientologischen Regeln zu schaffen.
Woran ist Scientology zu erkennen? Die Organisation verbirgt sich ja oft hinter harmlos klingenden
Namen.
Ja, das ist richtig. Erst kürzlich wurde in München-Sendling die Kindertagesstätte „Kinderhäusl“ geschlossen. Alle Erzieher, Eltern und Mitglieder des Trägervereins waren Scientologen. Auch im Bereich Nachhilfe treten oft Scientologen auf – unter Namen, die man gar nicht mit Scientology verbindet. Bei einem entsprechenden Verdacht sollten Eltern über die Schule beim Kultusministerium anfragen lassen. Wir wissen, dass auch bei Narconon, dem Drogenentzugsprojekt von Scientology, in verhörähnlichen „Auditings“ intimste Details offengelegt werden sollen.
Scientology spricht auf ihrer Homepage von
10 Millionen Mitgliedern weltweit. Stimmt das?
Die Zahl dürfte eher Propagandazwecken dienen. Wir schätzen die tatsächliche Zahl der Scientologen auf 125 000 bis 150 000 weltweit.
Das Gespräch führte Beate Franz


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