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Erschienen am 11.10.2008 00:00
ERDBEBEN IM FICHTELGEBIRGE
Die Häuser machten einen Hüpfer
Nach 16 Jahren hat es im Eger-Graben wieder kräftig rumort. Die Serie von Beben, die am Freitag besonders im Raum Selb, Marktredwitz, Arzberg zu spüren war, hat Aufregung, aber keine Schäden verursacht.
Von Rainer Maier, Christl Schemm und Elfriede Schneider
Nach 16 Jahren relativer Ruhe hat sich der Erdbeben-Herd im Eger-Graben am Freitag mit einem kräftigen Rüttler zurückgemeldet. Mit 4,1 auf der Richterskala war der Höhepunkt des stundenlangen Erdbebenschwarms am Freitag um 10.08 Uhr in der ganzen Region deutlich zu spüren.
 SelbNach 16 Jahren relativer Ruhe hat sich der Erdbeben-Herd im Eger-Graben am Freitag mit einem kräftigen Rüttler zurückgemeldet. Mit 4,1 auf der Richterskala war der Höhepunkt des stundenlangen Erdbebenschwarms am Freitag um 10.08 Uhr in der ganzen Region deutlich zu spüren.
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Beschäftigt sich seit Jahren mit der Erdbeben-Tätigkeit in Bayern, besonders im Eger-Graben: Geophysiker Dr. Erwin Geiss vom Landesamt für Umwelt in München. Foto: LfU
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Es ist 0.30 Uhr am Freitagmorgen, als Ute Zapf aus dem Arzberger Ortsteil Röthenbach im Halbschlaf ein lautes Poltern realisiert. „Das hat gerumpelt, als ob ein großer Lastwagen an unserem Haus vorbeifährt“, sagt sie. Auch die Holzdecken im Gebäude hätten gekracht. Das laute Rumpeln wiederholt sich im Hause Zapf in dieser Nacht noch mehrmals. „Um zwanzig nach fünf bin ich dann aufgestanden, weil es mir gereicht hat“, sagt die Arzbergerin.

Auch für Sabine Klaubert in Arzberg-Bergnersreuth ist es eine unruhige Nacht. Zunächst meint sie, die ungewöhnlichen Geräusche hätten ihren Ursprung unter dem Bett. „Aber dann habe ich mir gedacht, dass das ein Erdbeben ist, genauso wie vor einigen Jahren. Da bekommt man es schon mit der Angst zu tun.“

Bereits Anfang der Woche hatten die sogenannten Schwarmbeben eingesetzt. Die Serie der Erschütterungen, die ihr Zentrum in zehn Kilometer Tiefe unter dem westböhmischen Nový Kostel (Neukirchen) nahe Františkovy Lázne (Franzensbad) hat, begann am Montag, allerdings wurden die Beben zunächst nur von den hochempfindlichen Messinstrumenten der Wissenschaftler registriert. Seit Mittwoch wurden vereinzelt leichte Erschütterungen von der Bevölkerung wahrgenommen.

Am Freitag kurz nach Mitternacht kündigte sich dann der bisherige Höhepunkt der Erdbebenserie durch ein dunkles Grollen im Untergrund an. Auch Wolfgang Neidhardt aus Selb dachte zunächst an einen großen Laster, der draußen vorbeirumpelt. Sekundenlang hörte er das Grummeln aus dem Erdinnern. „Dann fing der Untergrund an zu vibrieren. Es fühlte sich an, als würde eine Welle unter mir durchrollen.“

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Im Eger-Graben bebt wieder die Erde. Der Talgraben, der sich vom Stiftland durch die Sechsämter-Region und Nordwest-Böhmen bis ins Vogtland zieht, gilt als eines der seismisch aktivsten Gebiete Mitteleuropas. Das Seismogramm (unten rechts) zeigt die heftigste Erschütterung vom Freitag, den 4,1-Hüpfer von 10.08 Uhr. Jede der farbigen Quer-Linien bildet eine Viertelstunde seismische Aktivität ab. Ausschläge in Blau, Grün, Rot oder Schwarz sind einzelne kleinere Beben.
Bild: Grafik: Stefan Kuhn

Ein paar hundert Meter weiter erlebte Tamara Pohl am Selber Vorwerk das Beben: „Erst dieses Grollen, dann hat alles vibriert und dann kam ein Schlag und das ganze Haus hat einen kleinen Hüpfer gemacht.“ Die Bücher auf ihrem Nachttisch kippten durch den Stoß um und eine von Tamara Pohls Mäuschen im Käfig wurde von der Kletterleiter gerüttelt. Das Tier blieb unverletzt, wie – nach allen uns bisher vorliegenden Meldungen – auch die anderen Lebewesen der Region.

Der „Hüpfer“ war der stärkste Erdstoß von Hunderten in dieser Nacht. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) gab seine Stärke am Morgen mit 3,7 auf der Richterskala an. Zum Vergleich: Das verheerende Erdbeben, das im April 1806 San Francisco zerstörte, erreichte die Stärke 7,8. Obwohl die Beben vom Freitag in Hochfranken von den Seismologen als „sehr leicht“ bis „leicht“ eingestuft werden, wurde bei ihren stärksten Erdstößen dennoch jeweils die Energie einer kleinen Atombombe freigesetzt.

„Beben dieser Stärke sind weiträumig zu spüren, mit Schäden an Gebäuden muss bei dieser Entfernung zum Epizentrum aber nicht gerechnet werden“, gibt Dr. Erwin Geiss Entwarnung. Der Erdbeben-Spezialist beim LfU hält eine Reihe kleinerer Erschütterungen in den nächsten Tagen und Wochen noch für möglich. Schließlich hätten die stärksten bisher aufgezeichneten Schwärme aus den Jahren 1908 und 1985 mehrere Monate gedauert. „Wir nehmen aber an, dass kein stärkeres Beben mehr kommt.“ Definitive Prognosen wagt der Geophysiker aus München aber nicht: „Momentan kann man nicht sagen, wie es weitergeht. Es kann auch schon zu Ende sein.“ Dr. Geiss: „Wir sind selbst gespannt, was die nächsten Tage bringen.“

Das Phänomen der Schwarmbeben im Eger-Graben interessiert Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete. So forschen unter anderem Geochemiker und Geophysiker aus Deutschland und Tschechien in enger Zusammenarbeit. Das Gebiet ist gespickt mit Erdbeben-Beobachtungsstationen.

 
 

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Kommentare zum Artikel

  • von inextremo am 10.10.2008 23:53
    Schrecklich :(
    Wie ich lese, haben andere menschen auch schreckliche angst.
    ich selber merke jedesmal, wie mein herz beginnt zu rasen und mir wird heiß und kalt gleichzeitig.
    ich hasse diese Erdbeben.
    und es geht weiter. gerade eben hab ich wieder eines gespürt. ich hab gar keine lust, zu bett zu gehen. die angst überwiegt!!

  • von cougar am 11.10.2008 11:04
    Nachrichtensperre ???
    Also wenn schon seit Tagen leichtere Beben gemessen wurden,warum hat die Bevölkerung erst jetzt eine Information bekommen ? In einem Zeitalter der Informationstechnik würde ich mir mindestens eine beruhigende Ansprache im Regionalradio wünschen. Als es um 0:25 richtig rund ging,habe ich diese Info sehr vermisst.

  • von martinius am 12.10.2008 12:04
    Neue Erdbeben am 12.10.
    In einem Punkt irrt Dr. Geiss: Heute früh gab es erneut zwei stärkere Beben, laut www.erdbeben-in-bayern.de mit einer Magnitude von 3,1 und 4,1 auf der Richterskala. Beide Stöße waren in Selb deutlich zu spüren. Hier in Bayreuth merkt man rein garnichts, aber ich kann mich noch lebhaft an die Beben anfang der 90er Jahre erinnern. Wir leben halt in einer geologisch ziemlich aktiven Zone, auch wenn wir eigentlich nichts zu befürchten haben.

  • von inextremo am 12.10.2008 20:33
    Nichts zu befürchten?
    DAs kann uns halt nur keiner schriftlich geben. die wissenschaftler halten sich ja sehr bedeckt. ich denk, die wissen mehr als sie zugeben. wenn man sich bei google-earth das zentrum anguckt, sieht man unregelmässigkeiten im gelände. woher kommt dieser kleine hügel? schon irgendwie besorgniserregend. man sprach ja mal vor jahren von vuklanen, die aktiv werden könnten und die beben wohl auslösen.

    heute nachmittag gegen 17 uhr war wieder eines hier in Schönwald zu spüren.

  • von cougar am 14.10.2008 21:06
    neues Beben am 14.10:21:01
    und soeben ging ein weiteres Beben mit einer gefühlten 4.0 auf der Richterskala durch Selb...es sind keinesfalls "kleinere" Nachbeben....da irrt der Spezialist...

 

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