![]() |
|
|
|
||
Es ist 0.30 Uhr am Freitagmorgen, als Ute Zapf aus dem Arzberger Ortsteil Röthenbach im Halbschlaf ein lautes Poltern realisiert. „Das hat gerumpelt, als ob ein großer Lastwagen an unserem Haus vorbeifährt“, sagt sie. Auch die Holzdecken im Gebäude hätten gekracht. Das laute Rumpeln wiederholt sich im Hause Zapf in dieser Nacht noch mehrmals. „Um zwanzig nach fünf bin ich dann aufgestanden, weil es mir gereicht hat“, sagt die Arzbergerin.
Auch für Sabine Klaubert in Arzberg-Bergnersreuth ist es eine unruhige Nacht. Zunächst meint sie, die ungewöhnlichen Geräusche hätten ihren Ursprung unter dem Bett. „Aber dann habe ich mir gedacht, dass das ein Erdbeben ist, genauso wie vor einigen Jahren. Da bekommt man es schon mit der Angst zu tun.“
Bereits Anfang der Woche hatten die sogenannten Schwarmbeben eingesetzt. Die Serie der Erschütterungen, die ihr Zentrum in zehn Kilometer Tiefe unter dem westböhmischen Nový Kostel (Neukirchen) nahe Františkovy Lázne (Franzensbad) hat, begann am Montag, allerdings wurden die Beben zunächst nur von den hochempfindlichen Messinstrumenten der Wissenschaftler registriert. Seit Mittwoch wurden vereinzelt leichte Erschütterungen von der Bevölkerung wahrgenommen.
Am Freitag kurz nach Mitternacht kündigte sich dann der bisherige Höhepunkt der Erdbebenserie durch ein dunkles Grollen im Untergrund an. Auch Wolfgang Neidhardt aus Selb dachte zunächst an einen großen Laster, der draußen vorbeirumpelt. Sekundenlang hörte er das Grummeln aus dem Erdinnern. „Dann fing der Untergrund an zu vibrieren. Es fühlte sich an, als würde eine Welle unter mir durchrollen.“
Ein paar hundert Meter weiter erlebte Tamara Pohl am Selber Vorwerk das Beben: „Erst dieses Grollen, dann hat alles vibriert und dann kam ein Schlag und das ganze Haus hat einen kleinen Hüpfer gemacht.“ Die Bücher auf ihrem Nachttisch kippten durch den Stoß um und eine von Tamara Pohls Mäuschen im Käfig wurde von der Kletterleiter gerüttelt. Das Tier blieb unverletzt, wie – nach allen uns bisher vorliegenden Meldungen – auch die anderen Lebewesen der Region.
Der „Hüpfer“ war der stärkste Erdstoß von Hunderten in dieser Nacht. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) gab seine Stärke am Morgen mit 3,7 auf der Richterskala an. Zum Vergleich: Das verheerende Erdbeben, das im April 1806 San Francisco zerstörte, erreichte die Stärke 7,8. Obwohl die Beben vom Freitag in Hochfranken von den Seismologen als „sehr leicht“ bis „leicht“ eingestuft werden, wurde bei ihren stärksten Erdstößen dennoch jeweils die Energie einer kleinen Atombombe freigesetzt.
„Beben dieser Stärke sind weiträumig zu spüren, mit Schäden an Gebäuden muss bei dieser Entfernung zum Epizentrum aber nicht gerechnet werden“, gibt Dr. Erwin Geiss Entwarnung. Der Erdbeben-Spezialist beim LfU hält eine Reihe kleinerer Erschütterungen in den nächsten Tagen und Wochen noch für möglich. Schließlich hätten die stärksten bisher aufgezeichneten Schwärme aus den Jahren 1908 und 1985 mehrere Monate gedauert. „Wir nehmen aber an, dass kein stärkeres Beben mehr kommt.“ Definitive Prognosen wagt der Geophysiker aus München aber nicht: „Momentan kann man nicht sagen, wie es weitergeht. Es kann auch schon zu Ende sein.“ Dr. Geiss: „Wir sind selbst gespannt, was die nächsten Tage bringen.“
Das Phänomen der Schwarmbeben im Eger-Graben interessiert Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete. So forschen unter anderem Geochemiker und Geophysiker aus Deutschland und Tschechien in enger Zusammenarbeit. Das Gebiet ist gespickt mit Erdbeben-Beobachtungsstationen.



Drucken
Speichern
Versenden












