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Erschienen am 02.01.2009 00:00
Ihr Weg soll Schülern Mut machen
Vorbildfunktion | Die 19-jährige Hoferin Hale Yavas möchte Jugendlichen aus der Region Lust auf Weiterbildung machen. Ihre Initiative stößt bei bundesweiten Stipendien-Programmen auf offene Ohren.
Von Rainer Schmidt
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Hale Yavas plant ein Bildungs- und Motivationsprojekt für junge Hofer. Foto: -rai
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Hof
– Schuld ist eigentlich ihre Schwester. Jahrelang ist es die Realschülerin, die Lob und Aufmerksamkeit der stolzen Eltern kassiert, während die heute 19-jährige Hale Yavas meist nur die zweite Geige spielt. Klar, im Gegensatz zu ihrer Schwester ist sie ja „nur“ auf der Hauptschule, ihre Zukunftsperspektiven schätzt sie als eher gering ein. Das sehen auch die Eltern so – und lassen es ihre Tochter spüren. „Manchmal war das schon etwas heftig. Immer war sie die Gute“, erzählt Hale heute von ihrer Schwester. Aber auf der anderen Seite stachelt gerade diese Situation auch den Ehrgeiz der jungen Hoferin an: Hale macht ihren Quali, wechselt an die Wirtschaftschule und nimmt schließlich ein Studium an der Fachoberschule auf – die 19-Jährige geht ihren Weg.

Nun möchte sie andere junge Hofer überzeugen, ihr darauf zu folgen. „Jeder kann es schaffen“, ist sie überzeugt – einen kleinen Anstoß vorausgesetzt. „Schüler helfen Schülern“, nennt sie ihre Initiative, mit der sie auch Einzelkindern ohne strahlender Konkurrentin im eigenen Haus die Stärke geben will, sich eben nicht aufzugeben – egal, welche Schule sie nun besuchen.

Mehr als nur Hausaufgabenhilfe

Ältere Schüler sollen den Jüngeren helfen, sollen „Lernrückstände abbauen“ und sollen vor allem Vorbild sein, stellt sich Hale ihr Projekt vor. „Ich will mehr machen als eine Hausaufgabenbetreuung, sondern die Schüler in lockerer Runde motivieren, weiterzumachen.“ Einmal pro Woche könnte sich die Gruppe in den Räumen der evangelischen Jugendsozialarbeit (EJSA) im Hofer Bahnhofsviertel treffen – und auch Schüler, die Kontakt mit Hales Initiative suchen, könnten dort einfach klingeln.

Ohnehin findet Hale bei der EJSA und bei Sozialarbeiterin Hülya Wunderlich, die sich für die Belange der Migranten in Hof einsetzt, viel Unterstützung. Und mit ihrer Idee rennt die 19-Jährige dort offene Türen ein – denn ohnehin ist die Einrichtung auf der Suche nach engagierten jungen Hofern, die sie als Kandidaten für die „Civil Academy“, ein bundesweites Qualifizierungsprogramm, melden könnte.

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Mit Erfolg: Auch die auswählenden Juroren sind begeistert von der Initiative der 19-Jährigen: Als eine von nur 24 Teilnehmern aus ganz Deutschland wird Hale zu dem dreistufigen Kurs- und Förderprogramm eingeladen. Zunächst zögert die junge Hoferin: „Fast alle waren älter als ich – überwiegend Studenten“, erzählt sie. Aber sie freundet sich schnell an und findet auch viele neue Anregungen: „Das war eine ganz tolle Erfahrung.“

Die Kurse der „Civil Academy“ drehen sich vor allem um die Frage, wie aus den guten Ideen der jungen Leute erfolgreiche Projekte werden können. „Es ging darum, wie wir unsere Initiative präsentieren können und wo man finanzielle Unterstützung für die Umsetzung findet“, erzählt Hale. Und immer wieder diskutieren die Teilnehmer, geben sich Tipps und nehmen auch die junge Hoferin ganz selbstverständlich in ihrer Mitte auf.

Vom Austausch profitiert

Und genau wie Hale vom Kontakt mit ihren Kollegen bei der „Civil Academy“ profitiert, so sollen auch die Hofer Schüler, die sich bei ihrem Projekt treffen, gegenseitig stärken. „Als ich beschlossen habe, auf die Wirtschaftsschule zu wechseln, hat mit mein Lehrer gesagt, dass ich das niemals schaffen würde. Da wusste ich, dass ich das jetzt erst recht sein muss.“ Mit ihrem Beispiel will sie nun anderen Mut machen. Und oft reiche schon ein neuer Blickwinkel, um sich wieder zu motivieren.

„An der Hauptschule waren alle wie ich“, erinnert sich die 19-Jährige. Konkrete Ziele oder gar eine sichere Zukunft habe keiner vor Augen gehabt. „An der Wirtschaftsschule wollten plötzlich alle gute Noten schreiben“, erzählt sie, „und das hat mich dann auch gepackt.“ Auch als sie schließlich die Mittlere Reife in der Tasche und eine Ausbildungsstelle in Aussicht hat, entschließt sie sich lieber zum Studium.

Wenn sie heute zurückblickt, ist sie mit sich zufrieden. „Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich das alles so hinkriege“, sagt Hale. „Jetzt weiß ich, jeder kann es schaffen.“ Und ihre Eltern sind inzwischen auch stolz auf ihre beiden Töchter – auch wenn Hales Schwester keine Akademikerlaufbahn eingeschlagen hat, sondern nach der Realschule direkt ins Berufsleben gestartet ist.

 
 
 
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