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Erschienen am 09.11.2009 00:00
Die Enterbten der NPD sind enttäuscht
Von Joachim Dankbar
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Die Enterbten der NPD sind enttäuscht
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Wunsiedel - Folgt man den Äußerungen seiner Gesinnungsgenossen, dann hat sich Jürgen Rieger keinen guten Abgang verschafft. Seitdem immer deutlicher wird, dass der am 29. Oktober verstorbene, stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende sein Millionenerbe allein der Familie hinterlassen hat, macht sich in den einschlägigen Internet-Diskussionsforen der braunen Szene die Enttäuschung breit. Offen wird unter anderem über den Sinn des für den 14. November in Wunsiedel geplanten "Rieger-Gedächtnis-Marsches" in Wunsiedel diskutiert. Wenn Rieger die Rechten so im Stich gelassen habe, so ein Diskussionsteilnehmer, dann mache es doch keinen Sinn "sich in Wunsiedel den A. abzufrieren".

Wie der Norddeutsche Rundfunk in seinem Programm "NDR-Info" in der vergangenen Woche berichtet hat, ist bislang auch unklar, wie es mit den Immobilien Riegers weitergehen wird, da er testamentarisch keinen Bevollmächtigten für seine Londoner Firma eingesetzt habe.

Rechter Treff versiegelt

Auch hier gibt es Anzeichen, dass Riegers Familie, der keinerlei Nähe zur rechten Szene nachgesagt wird, einen Schlussstrich ziehen will. Im thüringischen Pößneck hat die Stadtverwaltung am vergangenen Freitag das von Rechtsextremen benutzte Schützenhaus gesperrt. Wie der Pößnecker Bürgermeister Michael Modde dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) bestätigte, sei das Haus im Rahmen einer Eigentumssicherung für die Erben Riegers versiegelt worden. Rieger hatte es schon 2003 über seine Londoner "Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation" gekauft.

Aber für die NPD könnte es noch viel schlimmer kommen, wenn Riegers Familie gewährte Darlehen zurückfordert. Allein für den Landtagswahlkampf der rechtsextremen NPD in Mecklenburg-Vorpommern soll der wohlhabende Anwalt rund 270 000 Euro zur Verfügung gestellt haben. Weitere Darlehen sollen die Landesverbände in Hamburg und Niedersachsen sowie der Bundesverband der NPD erhalten haben. Nun zittert man in der braunen Szene, wann die Kinder Riegers "mit dem Pfänden beginnen." Unter Rechtsextremen macht sich die Ernüchterung breit, dass "einer wie Rieger, der solch hohe nationale Ideale propagiert, dann noch nicht mal in der Lage ist, seine eigene Brut halbwegs auf Linie zu bringen, das ist schon mehr als traurig."

Die NPD trifft das Ableben ihres größten Finanziers im ungünstigsten Moment. Wie Spiegel Online am Wochenende meldete, steht die Partei vor einem neuen Spendenskandal. Das nordrhein-westfälische LKA hat der Bundestagsverwaltung demnach vor kurzen den Abschlussbericht ihrer Ermittlungen gegen den langjährigen NDP-Schatzmeister Erwin Kemna (Foto) vorgelegt. Demnach hat die NDP jahrelang eigene Einnahmen zu hoch angesetzt, um an höhere Zuschüsse des Staates zu kommen. Auf die NPD könnte eine Strafzahlung in Höhe von 1,7 Millionen Euro zukommen. Schon 2006 war die NPD nach gleichartigen Vergehen im Landesverband Thüringen mit einer Geldstrafe von 870 000 Euro belegt worden. Und dann fehlen auch noch die 700 000 Euro, die der inzwischen verurteilte Bundesschatzmeister Erwin Kemna selbst aus der Parteikasse abgezweigt hatte, um sie in sein eigenes, marodes Küchenstudio fließen zu lassen.

Angesichts solcher Vorkommnisse haben sogar manche Rechtsextreme Verständnis für Riegers Testament.

 
 

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