Bayreuth - Die Israelitische Kultusgemeinde in Bayreuth hat auf dem Dachboden ihrer Synagoge einen bedeutenden Genisa-Fund gemacht. Dabei handelt es sich unter anderem um religiöse Schriften und Kultgegenstände, deren Ursprung bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückreicht. Die in hebräischer und deutscher Sprache verfassten Dokumente sind offenbar seit zweieinhalb Jahrhunderten nicht mehr von Menschenhand berührt worden und haben selbst die Schändung der Synagoge durch die Nationalsozialisten unbehelligt überstanden.
Bei der Regierung von Oberfranken spricht man von einer kleinen Sensation, der Vorsitzende der Kultusgemeinde, Felix Gothart, bezeichnet die Dokumente als großen historischen Fund. Grund dafür ist, dass die Schriftstücke und Ritualgegenstände am Originalort in einer aktiven Synagoge aufgefunden wurden. Darüber hinaus ist eines der bereits entzifferten Dokumente auf das Jahr 1762 datiert, ungefähr das Jahr der Gründung der Bayreuther Synagoge durch den damaligen Markgrafen Friedrich. Schriftstücke und religiöse Gegenstände, die nicht mehr benötigt wurden, seien früher häufig auf Dachböden abgelegt worden, erläutert Gothart. Hintergrund war, dass religiöse Dinge nicht einfach entsorgt oder gewaltsam zerstört werden sollten, sondern häufig regelrecht "bestattet" wurden. Deshalb habe man ähnliche Funde auch bereits auf Friedhöfen machen können.
Aufgearbeitet wird der Schatz nun vom Jüdischen Kulturmuseum Veitshöchheim, das in der Vergangenheit bereits mehrere derartige Funde analysiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Bereits 1986 sei bei der Renovierung der dortigen Synagoge eine ähnliche Entdeckung gemacht worden, erläutert Martina Edelmann vom Museum Veitshöchheim. Viele hebräische Bücher und Stofffetzen, die heute im dortigen Museum gezeigt werden, seien damals gerade noch aus Abfallcontainern gerettet worden.
Die Entdeckung, die Felix Gothart Anfang Dezember bei einer notwendig gewordenen Freilegung von Dachbalken zusammen mit zwei Dachdeckern gemacht hatte, kommt für die jüdische Gemeinde in Bayreuth gerade rechtzeitig zu ihrem 250. Geburtstag im kommenden Jahr. Auf die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Elisabeth Singer und Beate Weinhold vom Kulturmuseum in Veitshöchheim wartet jetzt viel Arbeit. Bislang sieht der Fund nämlich relativ unspektakulär aus und gleicht eher einem staubigen Haufen. "Wir erwarten uns Schriftgut aus über 150 Jahren, das über die besondere Struktur einer städtischen Gemeinde Aussagen verspricht", so Bezirksheimatpfleger Günter Dippold.
Museumsleiterin Edelmann weiß, dass bei Genisa-Funden immer wieder auch profane Dinge auftauchen, etwa Rechnungen, Quittungen, Schreibübungen in hebräischer Sprache bis hin zu Einkaufszetteln, die sich in die religiöse Literatur verirrt haben, aber großen Aufschluss über das alltägliche Leben der damaligen Zeit geben.


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