München - Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hat der bayerischen FDP vorgeworfen, keines ihrer im Landtagswahlkampf 2008 formulierten bildungspolitischen Ziele erreicht zu haben. "Schulpolitisch haben wir immer noch eine CSU-Alleinregierung", sagte Wenzel in München. Selbst die auf Betreiben der Liberalen als Modellprojekt durchgesetzten Kooperationsschulen hätten sich als "Rohrkrepierer" erwiesen. Von 13 Pilotschulen seien nur noch neun übrig. Eine pädagogische Fortentwicklung finde dort nicht statt, die Durchlässigkeit zwischen Haupt- und Realschule sei nicht besser geworden, so Wenzel.
"Holterdipolter" eingeführt
Zum Scheitern verurteilt ist laut Wenzel auch die Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) forcierte Weiterentwicklung der Haupt- zur Mittelschule. "Das wird nicht nachhaltig funktionieren", sagte der BLLV-Präsident voraus. Er könne keinen Qualitätsunterschied zur bisherigen Hauptschule ausmachen, weil der angebotene Mittlere Abschluss dem der Realschule nicht gleichwertig sei. Zudem drohe dem "holterdipolter" eingeführten Schultyp mangels ausreichender Vorbereitung das Schicksal des G 8. Sieben Monate vor dem offiziellen Startschuss gebe es weder eine gesetzliche Grundlage noch Ausführungsbestimmungen oder eine gesicherte Finanzausstattung. Die Schulleitungen seien mit dem Umstellungsprozess überfordert und müssten entlastet werden. Ungeklärt sei auch das Problem der Schülerbeförderung zwischen den Standorten einer Mittelschule. Wenzel sprach sich als Alternative erneut für eine längere gemeinsame Schulzeit der Kinder und eine regionale, auf die örtlichen Bedürfnisse zugeschnittene Schulentwicklung aus.
Ein "neunjähriger Strang"
Bei den unter einem hohen Leistungs- und Notendruck leidenden Gymnasien sprach sich Wenzel gegen eine generelle Abkehr vom G 8 aus. Dringend nötig seien aber pädagogische Fortentwicklungen, um der Vermittlung von reinem Faktenwissen entgegenzuwirken. "Das heutige Gymnasium ist keine Bildungseinrichtung mehr, sondern zu einer Paukanstalt verkommen", sagte Wenzel. Parallel zum G 8 plädierte Wenzel für die Einführung eines neunjährigen Schulstrangs als "vollwertige Alternative" mit abschließendem Abitur für "Schüler, die etwas mehr Zeit brauchen". Einzelheiten dazu will der BLLV-Präsident in wenigen Wochen vorstellen.
Mit Blick auf die sich zuspitzende Lage der öffentlichen Haushalte warnte Wenzel vor Kürzungen im Bildungssystem. Die Finanzlage des Freistaats dürfe nicht dazu führen, "dass hochwertige Bildung nur die bekommen, deren Eltern sich eine Privatschule leisten können". jum

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