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Erschienen am 09.02.2010 00:00
Ärger über Kormorane
Kritik | Oberfränkische Teichwirte fühlen sich von dem Vogel akut in ihrer Existenz bedroht. Weiteres Ungemach naht.
Von Stephan Herbert Fuchs
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Teichbesitzer sind auf den Kormoran nicht gut zu sprechen. Foto: Archiv
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Himmelkron - Der Kormoran bedroht zahlreiche oberfränkische Teichwirte in ihrer Existenz. Dies ist die Hauptaussage bei der Jahresversammlung der Teichgenossenschaft Oberfranken in Himmelkron. "Viele Teichwirte gehen bankrott und können nicht mehr vom Ertrag ihrer Fische leben", sagte Karl-Peter Schwegel, Haupterwerbsteichwirt aus Wüstenstein (Landkreis Forchheim). Schwegel sprach von Verlustraten von mittlerweile bis zu fast 90 Prozent. Es dürfe auf keinen Fall so weitergehen, sonst werde es in 20 Jahren keine Teichwirtschaft mehr geben.

An sich sei der Kormoran kein böses Tier, sagte Vorsitzender Dr. Peter Thoma aus Thiersheim. Niemand wolle den Vogel ausrotten, das Problem seien vielmehr die überzogenen Schutzmaßnahmen, die den Teichwirten das Leben schwer machten. Allerdings hat die Regierung von Oberfranken mittlerweile erlaubt, dass am Main und seinen Nebenflüssen Kormorane abgeschossen werden dürfen. Die Regierung habe damit die existentiellen Sorgen der Teichwirte erkannt, so Dr. Robert Klupp von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken. Das Problem müsse dennoch weiter auf der Tagesordnung bleiben.

Grund dafür ist, dass den Teichwirten weiteres Ungemach von Seiten des Naturschutzes droht. Vorsitzender Thoma sprach von Problemen mit Reihern, Bibern oder Fischottern, die ebenso wie der Kormoran Teichanlagen zerstören oder komplett leer fressen könnten. "Der Fischotter als an und für sich putziges Tierchen gefährdet uns massiv" sagte Dr. Bernhard Feneis vom Fischgesundheitsdienst. Erste Otter seien bereits im Landkreis Wunsiedel gesichtet worden. Schutzmaßnahmen in Form von Netzen oder Zäunen erteilte Feneis eine klare Absage: "Erst werden die Teiche wegen des Kormorans überspannt, dann sollen sie wegen des Fischotters eingezäunt werden. Wollen wir diese Fischgefängnisse in der Natur wirklich?"

Thoma und Feneis riefen deshalb dazu auf, den Menschen begreiflich zu machen, dass auch unter der Wasseroberfläche schützenswertes Leben in breiter Vielfalt existiert und dass die Teichwirtschaft damit einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt beiträgt. "Wir schaffen Lebensräume für Fische über Amphibien bis hin zum Eisvogel und schützen den gesamten Lebensraum Wasser", sagte Dr. Feneis.

Erste Auswirkungen der vielfältigen Bedrohungen musste die Teichgenossenschaft Oberfranken bereits im (geringfügigen) Rückgang ihrer Mitgliederzahlen auf mittlerweile knapp unter 900 hinnehmen. Viele davon sind Landwirte im Nebenerwerb, nur etwa 40 erzielen durch die Teichwirtschaft einen wesentlichen Teil ihres Einkommens. Die Zahl der reinen Teichwirte, bezifferte der stellvertretende Vorsitzende Manfred Popp aus Bindlach auf gut zehn.

Als Hauptaufgabe der Teichgenossenschaft bezeichnete es Vorsitzender Thoma, den Absatz von heimischen Fischen durch gezielte Marketing-Maßnahmen voranzutreiben. Die Teichgenossenschaft will dies auch im laufenden Jahr wieder durch eine Reihe von Maßnahmen, wie etwa der Zertifizierung von Gaststätten mit dem Prädikat "Oberfranken-Fisch krönt den Tisch", erreichen.

 
 

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