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Hof/Bad Alexandersbad - "Die evangelische Landeskirche wird auch künftig alles dafür tun, dass in den Pfarrhäusern der ländlichen Regionen die Lichter nicht ausgehen." Dies versicherte der Hofer Dekan Günter Saalfrank am Freitag bei einer Pressekonferenz. Anlass war der Abschluss eines mehrjährigen Projektes, mit dem die Landeskirche speziell in den Dekanaten Nordostbayerns versuchte, den mit dem Verlust von Arbeitsplätzen und Bevölkerung verbundenen Strukturwandel zu bewältigen.
Vor allem das Absinken der Einwohnerzahl trifft auch die Kirche ins Mark. Die Anzahl der Planstellen für Pfarrer hängt direkt von der Bevölkerungszahl ab. Wie Dekan Saalfrank zu verstehen gab, ist deshalb auch in Zukunft mit einem Abbau von Theologenstelen zu rechnen. Bislang sei die Region sogar noch über die ihr eigentlich zustehenden Stellen hinaus versorgt. Dieser Trend mache es erforderlich, mit den verschiedensten Mitteln das Gemeindeleben zu erhalten.
Wege dorthin zu finden war in den vergangenen vier Jahren die Aufgabe von Pfarrer Wolfram Lehmann, dem Inhaber der Projektstelle. In seiner Bilanz unterstrich Lehmann, dass die Herausforderungen der Zukunft durchaus zu bewältigen seien, wenn die Kirche das Kirchturmdenken aufgebe. Als positive Beispiele nannte er die evangelischen Gemeinden des Hofer Stadtteils Moschendorf und in Döhlau sowie von Köditz und der Hofer Kreuzkirchen-Gemeinde, die sich seit geraumer Zeit jeweils einen Pfarrer teilen.
Über den Kirchturm hinaus
Die vier Gemeinden zeigten, dass auch Kooperationen von ländlich und städtisch geprägten Gemeinden durchaus möglich und fruchtbar seien. Voraussetzung sei nur, dass von der Gemeinde über die Kirchenvorsteher bis zu den Pfarrern alle Beteiligten konstruktiv aufeinander zugingen.
Die Realität zeige, dass dann auch neue Kontakte und
neues Leben entstünden.
Zudem war Wolfram Lehmann in den letzten vier Jahren mit der Geschäftsführung des Netzwerkes "Gemeinsam für die Region" beauftragt. Beheimatet ist dieses Netzwerk im Evangelischen Bildungszentrum in Bad Alexandersbad. Wie Joachim Twisselmann, der stellvertretende Leiter des Bildungszentrums, deutlich machte, ist dieses Netzwerk ein Teil der langjährigen Bemühungen für eine bessere Selbstwahrnehmung und ein höheres Selbstbewusstsein in der Region zwischen Hof und Weiden.
So habe man sich in verschiedensten Veranstaltungen bemüht, die hohe Lebensqualität der Region für Familien und Senioren deutlich zu machen. Ein weiterer Schwerpunkt, so Twisselmann, sei der Einsatz für regionale Wirtschaftskreisläufe. Besonders die Erzeugung von Energie aus alternativen Quellen sei geeignet, Mittel in der Region zu halten.
Wolfram Lehmann freute sich, dass es binnen kurzer Zeit gelungen sei, Interesse und Aufmerksamkeit dort zu finden, wo die Kirche eher selten als Ansprechpartner empfunden werde. Der Netzwerk habe gute Verbindungen in Politik, Industrie und Handwerk aufgebaut.
Selbstkritisch merkte Wolfram Lehmann an, dass es jedoch nicht gelungen sei, die Vorbehalte vieler Pfarrer und auch Gemeinden gegenüber dem Netzwerk aufzulösen. Sicherlich sei dies auch eine Folge des Kampfs um die Besetzung jeder Pfarrstelle, in dem nicht jeder Beteiligte Verständnis für Pfarrer auf Geschäftsführer-Stellen finde.
Als Pfarrer wird Wolfram Lehmann der Region auch erhalten bleiben. Er ist Inhaber einer halben Pfarrstelle der Hofer Sankt-Lorenz-Gemeinde. Zudem ist er innerhalb des Kirchenkreises Bayreuth mit dem Aufbau eines Arbeitskreises zum Thema "Fundraising" beauftragt. Hierbei geht es um neue Wege, die Gemeinden beschreiten können, um ihr Spendenaufkommen zu erhöhen. In Bayreuth wird sich Lehmann um die Zukunft der evangelischen Hochschule für Kirchenmusik kümmern, deren Überleben maßgeblich von dem Funktionieren einer Stiftung abhängt.
"Brauchen keine Klagemauer"
Der Hofer Dekan Günter Saalfrank machte deutlich, dass für die evangelische Kirche der Einsatz für die Region ein dauerhaftes Thema bleiben werde. Er kündigte an, sich mit seinen Amtskollegen in absehbarer Zeit bei der Landeskirche um die Einrichtung einer weiteren Projektstelle zu bemühen. Thema soll die Förderung der Stärken Nordostbayerns sein. Saalfrank wörtlich: "Es reicht, wenn es eine Klagemauer in Jerusalem gibt; in der Region brauchen wir keine zweite."



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