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Erschienen am 11.03.2010 00:00
"Hofer Altar" bleibt in München
Streit | Minister Heubisch lehnt es ab, aus Franken stammende Kunstwerke zurück zu bringen. Viele Stücke seien nicht geraubt, sondern legal erworben worden.
Von Jürgen Umlauft
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Eines der Kunstwerke, um die es bei dem Streit geht, ist der Hofer Altar, der sich seit 1811 in der Alten Pinakothek in München befindet. Es handelt sich um Gemälde des Nürnbergers Hans Pleydenwurff aus dem Leben Jesu für die Hofer Michaeliskirche, nach neuerer Forschung war an dem Werk auch der Maler Michael Wolgemut beteiligt. Foto: Archiv
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München - Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) sieht kaum Möglichkeiten, in München ausgestellte oder lagernde Kunstwerke aus Franken dauerhaft an ihre Ursprungsorte zurückzuführen. In einem umfassenden Bericht an den Kulturausschuss des Landtags erklärt Heubisch, dagegen sprächen rechtliche, konservatorische, aber auch kulturpolitische Gründe. Die Staatssammlungen wie auch das Haus Wittelsbach als Eigentümer vieler Kunstschätze seien aber bereit, Ausleihwünsche aus Franken nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Heubisch betonte, dass mehrere Hundert aus Franken stammende Kunstwerke längst wieder in Franken ausgestellt seien, zum Beispiel in der Zweiggalerie Neues Schloss in Bayreuth.

Mehrere Schenkungen

Scharf wandte sich Heubisch gegen den Vorwurf, es handle sich bei den noch immer in der Landeshauptstadt verbliebenen Kulturgütern um "Beutekunst". Schließlich sei der Großteil der vom Fränkischen Bund in einer Petition aufgeführten Gegenstände aus Franken nicht im Zuge der Säkularisation vor gut 200 Jahren "geraubt", sondern zumeist bereits lange vorher legal erworben worden. Viele Kunstkäufe könnten noch heute nachgewiesen werden. In anderen Fällen handle es sich um Schenkungen. Der "Hofer Altar" sei zum Beispiel ein Geschenk der Hofer Bürgerschaft an König Max I. Joseph gewesen. Andere Kunstwerke stammten zwar von fränkischen Künstlern, seien aber nie an ihren Ursprungsorten ausgestellt werden gewesen.

Bei tatsächlich von Franken nach München verbrachtem "Säkularisationsgut" verwies Heubisch auf die Besitzverhältnisse. So gehörten der Bamberger Domschatz oder das Würzburger Herzogsschwert gemäß einem Gesetz aus dem Jahr 1923 der Wittelsbacher Landesstiftung, die darüber das alleinige Verfügungsrecht habe. Heubisch machte allerdings auch keinen Hehl daraus, dass er bei diesen Kulturgütern von ínternationalem Rang den Verbleib in der Münchner Residenz befürworte. Deren Präsentation in der Landeshauptstadt habe für den Freistaat "identitätsstiftende Funktion". Rückgabeforderungen bezeichnete er vor diesem Hintergrund als "ahistorisch".

Identitätsstiftend

Der Bayreuther SPD-Abgeordnete Christoph Rabenstein nannte den Bericht Heubischs eine "Provokation für alle Franken". Aus allen Zeilen triefe "altbaierische Überheblichkeit". Wie Hohn wirke es, wenn die für Franken wirklich identitätsstiftenden Kunstwerke wie der Domschatz oder das Herzogsschwert für nicht rückgabefähig erklärt würden, nachrangige Gegenstände wie der aufgeführte "Guckkasten Schäferspiel" aber schon. "Den brauchen wir nun wirklich nicht", zürnte Rabenstein.

Der frühere Kunstminister Thomas Goppel (CSU) warf Rabenstein Populismus vor. "Mit der Rückführung der Kunstschätze erreichen Sie vielleicht die Befriedung des eigenen Gemüts, aber nicht die bessere Anschauuung der Kulturgüter", so Goppel.

Legal in München

Der mittelfränkische CSU-Abgeordnete Karl Freller rückte nach dem Bericht von seinen früher geäußerten Rückgabeforderungen ab. Es sei ein "Problem", von "Beutekunst" zu reden, wenn sich der Großteil der Kulturgüter legal in München befinde. Als mit dem fränkischen Selbstbewusstsein vereinbar erklärte Freller, dass in den wichtigsten und am besten besuchten Ausstellungen Münchens fränkisches Kulturgut vertreten sei. Andererseits gebe es in Münchner Depots sicher noch Gegenstände, deren Wert dort nicht richtig gewürdigt werde. "Dafür haben wir in Franken noch weiße Wände", sagte Freller. Guter Wille auf beiden Seiten sei in der Sache wichtig.

Sepp Dürr (Grüne) warf dem Kunstminister "bürokratisches und zentralistisches Denken" vor. In dem Bericht sei kein Wille erkennbar, dem Wunsch der Bürger entgegenzukommen. "Was für die Franken identitätsstiftend ist, sollten die Franken schon selbst entscheiden dürfen", so Dürr. Er forderte, das Verhältnis des Zentralstaates zu seinen Regionen neu zu diskutieren. Die Parole, alles Fränkische nach Franken, sei dabei aber auch nicht der richtige Weg.

 
 

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