Hof - So viel Engagement ist selten: Wenn die Teilnehmer des Arbeitslosen-Kurses "Alt und Jung in Schwung" von ihrer "Übungsfirma Autohaus" erzählen, liegt Begeisterung in der Luft. 27 Leute - unter 25 oder über 50 Jahre alt - arbeiten gemeinsam daran, ein altes Auto wieder auf Vordermann zu bringen und es am Ende des achtmonatigen Pilotprojektes im Raum Hof meistbietend zu versteigern. Der Erlös soll behinderten Kindern in der Region zugutekommen.
Dabei ist Eigeninitiative gefragt. Und die hat sich "nach viel anfänglichem Frust in einer unglaublichen Dynamik entwickelt", betont Kursleiter Günter Piffl. Die Begeisterung für das Projekt hält die Teilnehmer inzwischen sogar nach Feierabend auf Trab: Im Januar haben sie in Eigeninitiative den Verein "Hand in Hand - Wir helfen Kindern regional e.V." gegründet und eine Homepage dazu gestaltet (www.handinhandhof.de). Dort stellen sich die einzelnen Mitglieder mit Angaben ihrer Tätigkeitsschwerpunkte kurz vor, um potenziellen Arbeitgebern einen ersten Eindruck zu vermitteln. Denn Hauptziel des Kurses bleibt selbstverständlich, wieder Arbeit zu finden.
Außerdem ist auf der Vereins-Homepage inzwischen Werbung von Firmen zu finden, die das Projekt als Sponsoren unterstützen. Im Gegenzug erhalten die Anzeigen kostenlos. Denn fehlende Ersatzteile für den VW Golf, Baujahr 1988, müssen die Teilnehmer selbst organisieren.
Noch ist nicht alles unter Dach und Fach: Eine Lackiererei wird noch gesucht, ebenso Sponsoren, die weitere Autoteile oder Sachpreise für die Tombola auf dem großen Kinder-Abschlussfest zur Verfügung stellen. Das soll am 17. April auf dem ehemaligen M&M-Gelände in Hof steigen. Für diesen Tag sucht das "Autohaus-Team" auch einen professionellen Versteigerer. Prominente Unterstützer haben die Projektteilnehmer bereits gewonnen: Schirmherren des Abschlussfestes sind der Hofer Landrat Bernd Hering und Oberbürgermeister Harald Fichtner, die nach Aussagen der Projektteilnehmer "von der Einzigartigkeit der Idee begeistert" sind.
Skepsis am Anfang
"Anfangs hat mich der Name ,Alt und Jung in Schwung' in Rage gebracht", berichtet Teilnehmerin Roswitha Schönicke. "Ich dachte, wir sollen von den Jungen in Schwung gebracht werden." Inzwischen arbeitet die 57-Jährige aus Schwarzenbach am Wald mit viel Freude in der Marketing-Abteilung des Übungs-Autohauses. Sie organisiert den Flohmarkt für das Abschlussfest. "Es ist toll zu sehen, wie viele Fähigkeiten in den Einzelnen stecken und wie sich hier alle einbringen", betont Werner Strobel aus Oberkotzau, der 25 Jahre im Ein- und Verkauf gearbeitet hat.
"Obwohl viele über 50 sind", sagt die 20-jährige Cagla Sotiriou aus Rehau und löst damit ein Grinsen auf einigen Gesichtern aus, "spielt das Alter hier eigentlich keine Rolle." Sie sei froh, dass sie von den Älteren Tipps für Bewerbungen und Vorstellungsgespräche bekomme. "Wir können unsere Lebenserfahrung weitergeben", erklärt Bodo Schirner aus Selbitz, der in der Gastronomie gearbeitet hat und seinen Beruf als Konditormeister aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann. "Dafür sind die Jungen fit in technischen Sachen und helfen uns", bemerkt der 54-Jährige. Schirner ist gleichzeitig erster Vorstand des Vereins "Hand in Hand". In dem Verein sieht er - wie seine Mitstreiter - "eine Chance, auf uns aufmerksam zu machen". Schon jetzt gebe es erste Bekundungen von Arbeitgebern, ergänzt zweiter Vereinsvorstand Martin Nennich aus Naila, "Leute aus dem Kurs zu übernehmen, sobald wieder Personal gebraucht wird."
Objekt für Oldtimer-Fans
Währenddessen schleifen und schmirgeln die gewerblichen Teilnehmer von "Alt und Jung in Schwung" in der Werkstatt an der Karosserie des 22 Jahre alten Versteigerungsobjekts. "Der Golf II wird komplett neu verzinkt", erklärt Ausbilder Michael Horn. "Wir wollen den Originalzustand wieder herstellen." Der Kfz-Meister will so auch Oldtimer-Fans für das Fahrzeug interessieren. In der Werkstatt sind die Teilnehmer mit Freude bei der Sache: "Es macht Spaß, in diesem Team zu arbeiten", sagt der 52-Jährige Fred Hedbabny, der zuletzt als Beifahrer bei einer Brauerei gejobbt hat. Seine 23-jährige Teamkollegin Yasmin Weber stimmt ihm zu. Die gelernte Hauswirtschafterin hat ein Faible für handwerkliche Tätigkeiten und kann sie hier ausprobieren - allerdings nicht ohne Vorbereitung. Denn sowohl im gewerblichen Bereich als auch im kaufmännischen gilt es zuvor, Theorie zu pauken. "Die wird dann in der Praxis angewandt", betonen die Ausbilder Michael Horn und Günter Piffl.
Beide sind übrigens bei den Kursteilnehmern hochgeschätzt: "Wenn wir nicht solche Dozenten hätten", sagt einer, "wäre der Kurs nicht so gelaufen." Günter Piffl nimmt das Kompliment mit einem fast unmerklichen Lächeln zur Kenntnis. Er hält sich im Gespräch zurück, lässt die Teilnehmer selbst reden. "Gegenseitiges Vertrauen und Kommunikation auf Augenhöhe" sind ihm wichtig, sagt er später, als er sein Prinzip vom "Fordern, Fördern und auch mal Laufen lassen" erläutert. "Denn dadurch", sagt der 52-Jährige, "können sich gute Vorschläge und Kreativität erst entwickeln."


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