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Bayreuth - Das Oberteil im Raubtierdruck mit schwarzem Spitzeneinsatz steht ihr gut. Wie eine Bischöfin wirkt sie damit nicht. Dr. Dorothea Greiner, die erste Frau an der Spitze des Kirchenkreises Bayreuth, entspricht nicht den gängigen Klischees - und erreicht dadurch auch Menschen, die mit der Kirche nicht viel am Hut haben. Vor genau einem Jahr, am 1. April, ist die frühere Personalreferentin der Evangelischen Landeskirche in Bayern von München als Regionalbischöfin nach Oberfranken gewechselt. Sie wollte, wie sie damals sagte, "die geistliche Dimension wieder unmittelbarer leben". Das, betont sie heute, sei "ganz und gar gelungen".
Das Gespräch über ihr erstes Jahr in Oberfranken unterbricht die 51-Jährige immer wieder durch herzliches Lachen. Die vergangenen zwölf Monate nennt sie "eine volle und reiche, für mich sehr glückliche Zeit". Ihre Stimme klingt warm und weich. Man nimmt ihr ab, dass es keine Floskel ist, wenn sie sagt: "Ich fühle mich hier zu Hause."
Gegen Frauenhandel
Dabei gibt es in der Region auch Zustände, die unter die Haut gehen - den Frauenhandel zum Beispiel. "Das Thema ist mir durch die nahe Grenze zu Tschechien vor die Füße gelegt", erklärt Dorothea Greiner, "und hat mich am meisten betroffen gemacht." Als Vertreterin der evangelischen Kirche sitzt sie mit Opfer-Hilfsorganisationen wie Karo, Jadwiga und dem Weißen Ring an einem Runden Tisch gegen den Frauenhandel.
Dass sie als Regionalbischöfin soviel direkten Kontakt zu den Menschen hat, mag sie an diesem Amt besonders: Allein im vergangenen Jahr hat Greiner mit 25 Gemeinden gesprochen, die einen neuen Pfarrer brauchen. "Stellenbesetzungsbesprechungen" nennt sich das im Amtsdeutsch. Bei Greiner hört sich das so an: "Ich möchte wissen, was die Menschen in den Gemeinden bewegt, was sie sich wünschen, oder wo es Konflikte gibt." Meist seien das sehr fröhliche Gespräche, sagt die Regionalbischöfin und sie sei "sehr dankbar für das Vertrauen und die Offenheit", die man ihr da entgegenbringe. Dennoch bereitet ihr die Besetzung der freien Stellen im Kirchenkreis manchmal Sorgen. In Arzberg etwa oder in Konradsreuth (Kreis Hof) würden dringend Pfarrer gesucht. "Die Menschen dort brauchen jemanden, der gerne dahin geht." Die Gemeinde in Langenau bei Ludwigsstadt (Kreis Kronach) habe ihr sogar versichert: "Wir nehmen auch gerne einen älteren Pfarrer, Hauptsache, er will zu uns kommen."
Stellenkürzungen
Auf der anderen Seite leiden viele evangelische Gemeinden derzeit unter Stellenkürzungen: "Deutlich über zehn Prozent" der Pfarrstellen werden laut Greiner beispielsweise in den Dekanatsbezirken Hof, Wunsiedel, Münchberg oder Selb wegfallen. Wichtigster Grund dafür sei der demographische Wandel, von dem Oberfranken überproportional betroffen ist. "Die evangelischen Gemeinden im Kirchenkreis schrumpfen." Ein Ergebnis dieses Schrumpfungsprozesses war im ersten Dienstjahr der Regionalbischöfin die Begleitung der Fusion der beiden Dekanatsbezirke Ludwigsstadt und Kronach. In Ludwigsstadt lebten zuletzt nur noch rund 5200 Protestanten. "Beim Festakt zur Fusion", erinnert sich Dorothea Greiner, "gab es durchaus auch ambivalente Gefühle."
Solche Augenblicke können auch beim Sport kommen. Die bewegungsfreudige Bischöfin ist nämlich der Meinung, "dass der liebe Gott uns unseren Körper nicht gegeben hat, damit wir ihn verwahrlosen lassen". Als Ausgleich zum Amt ist sie deshalb bis zu zweimal in der Woche in einem Bayreuther Fitness-Studios anzutreffen, auf den Radwegen im Fichtelgebirge - oder mit ihrem Mann in der Tanzstunde.
Vortrag in Hof:
Dorothea Greiner ist auch Buchautorin. Ihre Doktorarbeit schrieb sie zum Thema „Segen und Segnen“. Außerdem ist sie Herausgeberin des Bandes „Wenn die Seele zu atmen beginnt – Geistliche Begleitung in Evangelischer Perspektive.“ Zu diesem Thema wird die Regionalbischöfin auf Einladung des Freundeskreises Hof der Evangelischen Akademie Tutzing und des Evangelischen Bildungswerkes Hof-Naila am 14. April (19.30 Uhr) in der Hofer Dreieinigkeitskirche sprechen.



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