![]() |
|
|
|
||
Sparneck - Wer hat was wann gewusst? Diese Frage ist gestern in der Affäre um den kürzlich suspendierten Sparnecker Pfarrer aufgetaucht. Die evangelische Landeskirche stellte deshalb auf Anfrage der Frankenpost klar: Sie sei seinerzeit, in den Achtzigerjahren, über die Missbrauchsvorwürfe nicht informiert worden. Justiziar Florian Bayer sagte aber auch: "In der damaligen Kirchengemeinde des Pfarrers war mehr bekannt. Aber es ist nichts an die Landeskirche durchgedrungen."
Hintergrund: Der heute 54-jährige Geistliche hat, wie berichtet, zugegeben, während seiner Tätigkeit in seiner ersten Pfarrstelle eine Konfirmandin sexuell missbraucht zu haben. Er habe ein intimes Verhältnis zu dem Mädchen gehabt. Die Tat ist über 23 Jahre her. Sie trug sich in einer Kirchengemeinde in Oberfranken zu (nicht in Sparneck).
Stellungnahme per E-Mail
Der Münchberger Dekan Erwin Lechner und Oberfrankens Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner haben den Pfarrer Anfang dieser Woche vom Amt suspendiert. Der Dekan war durch ein anonymes Schreiben auf den Missbrauch aufmerksam geworden.
Gestern reagierte der Sparnecker Kirchenvorstand mit einer Stellungnahme per E-Mail an die Frankenpost: Er fordert darin vehement den Verbleib das beliebten Pfarrers im Sparnecker Kirchendienst. Und er weist darauf hin, dass "die Kirche seinerzeit auf das damalige Fehlverhalten des Pfarrers bereits reagiert" habe: Der Geistliche war in den Achtzigerjahren von seiner ersten Pfarrstelle weg versetzt worden, nämlich nach Bamberg. 1987 kam er auf eigenen Wunsch als Pfarrer in die Kirchengemeinde Sparneck.
Unausgesprochen steckte hinter der Anmerkung des Kirchenvorstands der Verdacht, die evangelische Kirche wolle den Pfarrer nun, nach über 23 Jahren, offenbar zum zweiten Mal zur Rechenschaft ziehen.
Dass dem nicht so sei, unterstrich gestern gegenüber der Frankenpost die oberfränkische Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner. Denn seinerzeit habe es weder ein Disziplinarverfahren gegeben, noch sei die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden. Die Angelegenheit sei "nicht ordentlich aufgearbeitet" worden. Die Regionalbischöfin wörtlich: "Das hätte man damals machen müssen." Jetzt bleibe kein anderer Schritt, als den Pfarrer vom Dienst zu suspendieren, die Aufarbeitung des Falls müsse nachgeholt werden.
![]() |
|
|
|
||
Die Landeskirche hat dies nach Darstellung von Justiziar Florian Bayer aber nicht zu verschulden. "Sie wusste damals nichts von der Dimension des Falls." Wie die jetzigen Recherchen ergeben hätten, befinde sich in den "maßgeblichen Personalakten" keinerlei Hinweis auf einen sexuellen Missbrauch. Nach Aussage der damaligen Vorgesetzten, die heute im Ruhestand seien, habe der Pfarrer damals selbst darum gebeten, ihn in eine andere Gemeinde zu versetzen - wegen einer Ehekrise, die "mit dem Umfeld der Gemeinde zu tun hatte. Die Landeskirche wusste nur von Eheproblemen des Pfarrers."
Dorothea Greiner zeigte sich gestern tief betroffen von dem Fall. "Es tut mir leid. Wir müssen uns entschuldigen. Wir bitten die Menschen um weiteres Vertrauen in die kirchliche Arbeit", sagte sie. Sie sei "sehr traurig - in mehrfacher Hinsicht".
Denn es herrsche in der Beurteilung ein riesiges Spannungsfeld. Das Geschehene sei schlimm für die betroffene Frau, die damals ein Mädchen im Alter von 13 oder 14 Jahren war. "Es handelte sich um eine Schutzbefohlene, das muss man deutlich machen!" Gleichzeitig, sagte die Regionalbischöfin, empfinde sie auch Mitgefühl für die Familie des Pfarrers - und für die Kirchengemeinde: "Ich kann mir vorstellen, dass die Menschen in Sparneck zutiefst betroffen sind."
Sie schätze den Pfarrer sehr, unterstrich Dorothea Greiner. Er habe in Sparneck "hervorragende Arbeit geleistet, ohne jedes Vorkommnis".
Dies unterstreicht auch der Kirchenvorstand. "Der Sparnecker Pfarrer soll bleiben", ist die Stellungnahme überschrieben, mit der sich der Vorstand gestern an die Frankenpost wandte. Die Gemeinde sei bestürzt und fassungslos, die Suspendierung sei nicht nur ein Schock für die Familie des Pfarrers, sondern für den ganzen Ort. Der Pfarrer sei ein sehr geschätzter Geistlicher, heißt es. "Er lebt für und mit der Kirche." Benötigte Hilfe schlage er nie ab. "Jetzt braucht er Hilfe, und seine Gemeinde ist nun am Zug, für ihn zu kämpfen."
Der Pfarrer habe einen Fehler gemacht und eines der Gebote Gottes gebrochen. "Darf man ihn deshalb jetzt verstoßen und verachten? Die Bibel spricht auch von Vergebung und davon: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." Das Beschuldigungsschreiben sei die "feige Handlung einer anonymen Person".
In Sparneck hat ein Bürger Plakate aufgehängt, auf denen die Sparnecker ebenfalls aufgefordert werden, für den Pfarrer zu kämpfen.
Entscheidung am Montag
Am Montag wird nach Auskunft von Justiziar Bayer der Landeskirchenrat entscheiden, ob ein disziplinarisches Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Dieses würde von einer Disziplinarkammer geführt, der staatliche Richter angehören.
Parallel dazu hat die Staatsanwaltschaft aufgrund der Berichterstattung in der Frankenpost und auf Ersuchen der Landeskirche Ermittlungen aufgenommen. Unter strafrechtlichen Gesichtspunkten ist der Fall nach Einschätzung von Florian Bayer "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verjährt".



Drucken
Speichern
Versenden














