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Erschienen am 16.04.2010 00:00
Nach oben drang nichts durch
Missbrauch | Die Landeskirche betont, sie sei in den 80er-Jahren über Vorwürfe gegen den oberfränkischen Geistlichen nicht informiert gewesen.
Von Hannes Keltsch
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Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner
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Sparneck - Wer hat was wann gewusst? Diese Frage ist gestern in der Affäre um den kürzlich suspendierten Sparnecker Pfarrer aufgetaucht. Die evangelische Landeskirche stellte deshalb auf Anfrage der Frankenpost klar: Sie sei seinerzeit, in den Achtzigerjahren, über die Missbrauchsvorwürfe nicht informiert worden. Justiziar Florian Bayer sagte aber auch: "In der damaligen Kirchengemeinde des Pfarrers war mehr bekannt. Aber es ist nichts an die Landeskirche durchgedrungen."

Hintergrund: Der heute 54-jährige Geistliche hat, wie berichtet, zugegeben, während seiner Tätigkeit in seiner ersten Pfarrstelle eine Konfirmandin sexuell missbraucht zu haben. Er habe ein intimes Verhältnis zu dem Mädchen gehabt. Die Tat ist über 23 Jahre her. Sie trug sich in einer Kirchengemeinde in Oberfranken zu (nicht in Sparneck).

Stellungnahme per E-Mail

Der Münchberger Dekan Erwin Lechner und Oberfrankens Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner haben den Pfarrer Anfang dieser Woche vom Amt suspendiert. Der Dekan war durch ein anonymes Schreiben auf den Missbrauch aufmerksam geworden.

Gestern reagierte der Sparnecker Kirchenvorstand mit einer Stellungnahme per E-Mail an die Frankenpost: Er fordert darin vehement den Verbleib das beliebten Pfarrers im Sparnecker Kirchendienst. Und er weist darauf hin, dass "die Kirche seinerzeit auf das damalige Fehlverhalten des Pfarrers bereits reagiert" habe: Der Geistliche war in den Achtzigerjahren von seiner ersten Pfarrstelle weg versetzt worden, nämlich nach Bamberg. 1987 kam er auf eigenen Wunsch als Pfarrer in die Kirchengemeinde Sparneck.

Unausgesprochen steckte hinter der Anmerkung des Kirchenvorstands der Verdacht, die evangelische Kirche wolle den Pfarrer nun, nach über 23 Jahren, offenbar zum zweiten Mal zur Rechenschaft ziehen.

Dass dem nicht so sei, unterstrich gestern gegenüber der Frankenpost die oberfränkische Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner. Denn seinerzeit habe es weder ein Disziplinarverfahren gegeben, noch sei die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden. Die Angelegenheit sei "nicht ordentlich aufgearbeitet" worden. Die Regionalbischöfin wörtlich: "Das hätte man damals machen müssen." Jetzt bleibe kein anderer Schritt, als den Pfarrer vom Dienst zu suspendieren, die Aufarbeitung des Falls müsse nachgeholt werden.

Die Kirche in Sparneck Bild vergrößern
In Sparneck sorgt die Suspendierung des Pfarrers für riesigen Wirbel. Seit gestern hängen im Ort Plakate, die dazu auffordern, für den Geistlichen zu kämpfen. Foto: Engel
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Die Landeskirche hat dies nach Darstellung von Justiziar Florian Bayer aber nicht zu verschulden. "Sie wusste damals nichts von der Dimension des Falls." Wie die jetzigen Recherchen ergeben hätten, befinde sich in den "maßgeblichen Personalakten" keinerlei Hinweis auf einen sexuellen Missbrauch. Nach Aussage der damaligen Vorgesetzten, die heute im Ruhestand seien, habe der Pfarrer damals selbst darum gebeten, ihn in eine andere Gemeinde zu versetzen - wegen einer Ehekrise, die "mit dem Umfeld der Gemeinde zu tun hatte. Die Landeskirche wusste nur von Eheproblemen des Pfarrers."

Dorothea Greiner zeigte sich gestern tief betroffen von dem Fall. "Es tut mir leid. Wir müssen uns entschuldigen. Wir bitten die Menschen um weiteres Vertrauen in die kirchliche Arbeit", sagte sie. Sie sei "sehr traurig - in mehrfacher Hinsicht".

Denn es herrsche in der Beurteilung ein riesiges Spannungsfeld. Das Geschehene sei schlimm für die betroffene Frau, die damals ein Mädchen im Alter von 13 oder 14 Jahren war. "Es handelte sich um eine Schutzbefohlene, das muss man deutlich machen!" Gleichzeitig, sagte die Regionalbischöfin, empfinde sie auch Mitgefühl für die Familie des Pfarrers - und für die Kirchengemeinde: "Ich kann mir vorstellen, dass die Menschen in Sparneck zutiefst betroffen sind."

Sie schätze den Pfarrer sehr, unterstrich Dorothea Greiner. Er habe in Sparneck "hervorragende Arbeit geleistet, ohne jedes Vorkommnis".

Dies unterstreicht auch der Kirchenvorstand. "Der Sparnecker Pfarrer soll bleiben", ist die Stellungnahme überschrieben, mit der sich der Vorstand gestern an die Frankenpost wandte. Die Gemeinde sei bestürzt und fassungslos, die Suspendierung sei nicht nur ein Schock für die Familie des Pfarrers, sondern für den ganzen Ort. Der Pfarrer sei ein sehr geschätzter Geistlicher, heißt es. "Er lebt für und mit der Kirche." Benötigte Hilfe schlage er nie ab. "Jetzt braucht er Hilfe, und seine Gemeinde ist nun am Zug, für ihn zu kämpfen."

Der Pfarrer habe einen Fehler gemacht und eines der Gebote Gottes gebrochen. "Darf man ihn deshalb jetzt verstoßen und verachten? Die Bibel spricht auch von Vergebung und davon: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." Das Beschuldigungsschreiben sei die "feige Handlung einer anonymen Person".

In Sparneck hat ein Bürger Plakate aufgehängt, auf denen die Sparnecker ebenfalls aufgefordert werden, für den Pfarrer zu kämpfen.

Entscheidung am Montag

Am Montag wird nach Auskunft von Justiziar Bayer der Landeskirchenrat entscheiden, ob ein disziplinarisches Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Dieses würde von einer Disziplinarkammer geführt, der staatliche Richter angehören.

Parallel dazu hat die Staatsanwaltschaft aufgrund der Berichterstattung in der Frankenpost und auf Ersuchen der Landeskirche Ermittlungen aufgenommen. Unter strafrechtlichen Gesichtspunkten ist der Fall nach Einschätzung von Florian Bayer "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verjährt".

 
 

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Kommentare zum Artikel

  • von Madlene am 16.04.2010 12:35
    "Ganze Gemeinde"
    vielleicht sollte man mit dieser "Aussage" etwas vorsicht sein, denn ich glaube nicht das die GANZE Gemeinde das so sieht, und den Pfarrer behalten will, es muss auch einmal die "andere"Seite dargestellt und repektiert werden, wie kann man immer nur lesen die ganze Gemeinde will ect. das stimmt doch gar nicht. Und es ist doch egal ob es jemand anonym gemacht hat oder nicht, es ist dadurch "endlich" mal was dagegen gemacht worden, dank dem Anonymen.

  • von saale1 am 17.04.2010 08:31
    Zu " Ganze Gemeinde "
    Ich unterstütze die Welzel Seite und würde die "Andere" Seite gerne hören und respektieren aber es gibt sich niemand zu erkennen.
    Charakterfeste Personen hätten ja einen Antrag auf Amtsenthebung stellen können. Aber Anonyme Schmierereien sind unterste Schublade.
    Außer Zerstörungen von Sypmathiebezeugungen für Pfarrer Welzel war von der " Anderen " Seite noch nichts nichts zu hören.
    Für Judastum habe ich keinerlei Verständniss.

  • von Madlene am 18.04.2010 20:29
    Die Anderen
    Gute Idee muss ich sagen, können wir sicherlich noch nach holen-danke!!!!
    In so einem Ort wie Sparneck, wo alles verschworen ist, kann man sich nicht "outen"!!!!!

  • von mario765 am 16.04.2010 20:43
    Die Guten sind immer der Anfang vom Ende
    Man sollte vielleicht einmal darüber nachdenken, WARUM diese Person anonym schrieb. Kennt sie das Opfer? Weiß sie, was das für ein 13- oder 14jähriges Mädchen bedeutet? Und was es bedeutet, über 20 Jahre zu schweigen, während die Täter für ihre Nächstenliebe gefeiert werden und weil sie sowieso alle gegen sich hat und weil nicht sein kann, was nicht sein darf?

    Die Frau ist jetzt Mitte Dreißig. Hat man mal gefragt, wie sie diese vielen Jahre erlebt hat? Wie IST ihre heutige persönliche Situation – wie wäre sie, wenn das nicht passiert wäre?

    Wie war das mit den Kindern und dem Mühlstein?

    Aber da ist nur bedauerndes Schulterzucken – und Übergehen zur Tagesordnung …

  • von Madlene am 18.04.2010 21:03
    Die guten sind immer der Anfang vom Ende
    Das ist genau der Punkt,außerdem geht es hier nicht um den "Anonymen", man will damit doch nur vom eigentlichen ablenken, ständig das gerade von "feige"
    "charakterlosen" ect.
    Mir tut das Mädchen von Damals wirklich leid.

  • von unbekannt am 18.04.2010 00:24
    Nach "oben" drang nichts durch..
    ..!
    Kennen wie das nicht schon lange auch aus anderen Zusammenhängen?

 

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