Hof - Nein, ein Lebensmittelhändler ist die Diakonie Hochfranken nicht. Und doch wirbt sie für neue Läden nach Tante-Emma-Art. Irgendwie. Aber nicht nur. Die Diakonie möchte Leben in Orte bringen, Löcher in der Versorgung stopfen, die seit Langem ein Dorn im Auge der Anwohner sind. Die Vision: Dörfer und Gemeinden sollen wieder Zentren bekommen. Dienstleistungszentren.
"Lebensmittelpunkte" sollen es - das sagt schon der Name - werden. Mittelpunkte für die Gemeinden, bei denen die Nahversorgung in vielen Bereichen Lücken hat. Lebensmittel-Märkte könnten dort entstehen. Aber nicht immer. Und vor allem nicht nur. Verzahnung ist das Schlagwort: Dienstleister wie etwa ein Friseur, dazu Versorger, Ansprechpartner und kulturelle Angebote sollen die Gemeinden bereichern. Ja, beleben.
Lebens-Mittelpunkte, das versichert Diakonie-Geschäftsführerin Maria Mangei, sollen zugleich Menschen mit Behinderung in den Arbeitsprozess bringen. Außerhalb von Behindertenwerkstätten sollen sie Arbeitsplätze finden, die sozialversicherungspflichtige Gehälter garantieren. Das Service-orientierte Dienstleistungsangebot ist offen für Anregungen der Kunden - viele Bürgermeister haben sich schon an die Diakonie gewandt. Sie sind, das freut die Planer, vom Konzept überzeugt.
Dieses ist längst auf den Weg gebracht. Bayernweit könnten "Lebensmittelpunkte" Furore machen. "Eigentlich hat es verdient, ein deutschlandweites Vorzeigeprojekt zu werden", sagt Professor Jörg Maier. Er hat die Idee der Diakonie mit Zahlenwerk untermauert, hat Standortanalysen durchgeführt und war bei der Standortfindung im Landkreis Hof dabei.
Standorte ausgewählt
Beim ersten Regionalforum wurden die ersten Standorte ausgewählt, ein zweites Forum soll bald folgen. Konradsreuth, Lichtenberg, Stammbach, Feilitzsch und Döhlau sind die Startgemeinden.
"Die Diakonie hat zwei grundlegende Motive", sagt Maria Mangei. "Zum einen die Möglichkeit und Notwendigkeit des Schaffens von Arbeitsplätzen. Zum anderen können und wollen wir einen Beitrag zur Verbesserung regionaler Strukturen schaffen."
Neu bei dem Konzept ist, dass diakonisches Handeln eng mit kirchengemeindlichem Handeln verzahnt sein wird. Hier finden auch Gemeinden Kontakt zu Nicht-Kirchgängern. "Wir wollen alles besser bündeln, als das bisher der Fall war." Dazu kommt privatwirtschaftliches Handeln.
"Ganz wichtig ist, dass die Bürger sich diese Lebensmittelpunkte wünschen", bekräftigt die Diakonie-Geschäftsführerin. Will heißen: Egal ob vom Bürgermeister oder durch Einzelpersonen, die Diakonie will sich der Unterstützung vor Ort ganz sicher sein. Keine Gemeinde bekomme etwas aufs Auge gedrückt, was nicht nötig sei. "Wir stülpen nichts über und bringen auch keine fertige Geschenkpackung", sagt Mangei. Vielmehr gehe es darum, von Ort zu Ort die unterschiedlichsten Bedürfnisse aufzugreifen. Gemeinsam.
Wieder einen Markt mit Lebensmitteln im eigenen Ort zu haben, steht bei vielen Gemeinden ganz oben an. "Aber es gibt auch Wünsche von Vereinen, Geschäften und Initiativen. Wir haben ein buntes Feld vorgefunden", berichtet Maria Mangei. "Und täglich führen wir neue Kooperationsgespräche mit vielen Akteuren der verschiedensten Orte." Wir: Das sind auch Geschäftsführer-Kollege Martin Abt sowie Stellvertreter Matthias Wagner und Jürgen Schöberlein, die "Lebensmittelpunkte" leiten werden.
Das neue Projekt der Diakonie ist ein Querschnitt-Thema. Verschiedene gesellschaftliche Bereiche sind involviert, bei verschiedenen Ministerien sprechen die Verantwortlichen vor. So etwas wie die Lebensmittelpunkte gibt es noch nirgends. Und deshalb bedarf es de
s "Fördermixes". Ohne Fördergelder läuft nichts, ist kein wirtschaftlicher Betrieb möglich. Sieben bis acht "Fördertöpfe" wollen und müssen die Hofer anzapfen.
Gespräche in den Ministerien sind bereits geführt. "Die Signale sind sehr positiv", freut sich Mangei.
Professor Maier betont: "Noch rollen nicht die Bagger an, noch sind wir lernende Institutionen." Der "Prozess des Miteinanders" laufe hervorragend. "Die Diakonie zündet eine Begeisterung auch in Gemeinden an, die schon ein bisschen resignieren", lobt der Wirtschaftsgeograph.
Leerstände nutzen
So blicken die Verantwortlichen auf die Leerstände in den Gemeinden. "Wir werden auf den Leerstand in den Orten zurückgreifen", verspricht Maria Mangei und erklärt: "Außerdem brauchen wir das Know-how vor Ort, sonst können wir das alles nicht stemmen."
Am 12. Mai treffen sich die Planer zum zweiten Regionalforum. Dort soll es weitere, abschließende Diskussionen geben. Für Professor Maier steht indes heute schon fest: Wenn der Startschuss erst einmal gefallen ist, "dann wird ein Impuls von der Region Hof ausgehen, der eine große Breitenwirkung hat".


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