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Erschienen am 25.05.2010 00:00
MIT VIELEN BILDERN
Judy Bailey macht aus Liedern eine Predigt
Außergewöhnliche Stimmung | Zahlreiche Menschen leben mitten in der Natur ihren Glauben. Eine Sängerin aus der Karibik begeistert die Massen und vermittelt pure Lebensfreude.
Von Andrea Herdegen

Judy Bailey Bild vergrößern
Vermittelt ihren Glauben durch Lieder: Judy Bailey.
Bild: Andrea Herdegen

Bobengrün - Drüben auf dem Hügel glänzt das Metallkreuz erhaben in der Abendsonne. Sein Leuchten scheint herüber auf das Gelände über dem Froschbachtal. Hier ist die Stimmung ausgelassen: Junge und jung gebliebene Menschen tanzen und springen zu heißen Gitarrenriffs, klatschen rhythmisch in die Hände und singen aus voller Kehle: "God is not dead, yeah, yeah! Jesus is alive!" Es herrscht überschäumende Lebensfreude, entfacht von einer Sängerin aus der Karibik und ihrer Band: Judy Bailey begeistert bei der 65. CVJM-Pfingsttagung in Bobengrün mit ihren temperamentvollen Songs, die das gelebte Christentum atmen.

Schon bei der Festversammlung mitten im Wald hat die Sängerin aus Barbados am Nachmittag gezeigt, dass ein anrührendes Lied eine Predigt ersetzen kann. "Wenn die Zeiten hart sind, muss man sich klarmachen, dass man von Gott geliebt wird, dass man wertvoll ist." "You are loved, you are precious", singt die 42-Jährige, begleitet von einem Chor aus 10 000 Stimmen. Erneut hat das dreitägige Treffen, das diesmal unter dem Motto "Hören, was Jesus sagt" stand, zahlreiche Christen aus ganz Süddeutschland, aus Sachsen und Thüringen angelockt. Sogar Teilnehmer aus dem hohen Norden, aus England, der Schweiz und aus Kanada sind gekommen. Die Tagung wird immer beliebter: Insgesamt rund 16 000 Besucher sind es an diesem sonnigen Pfingstwochenende, worüber sich Organisator Werner Baderschneider besonders freut. 

Bobengrün-Veteranen Bild vergrößern
Bobengrün-Veteranen: Hans Götschel aus Bayreuth (links) und Pfarrer i. R. Gerhard Hägel.
Bild: Andrea Herdegen
Auf den Zeltplätzen für Familien und Jugendliche übernachten 2000 Menschen, die damit ganz nah am Geschehen sind. Mit süßen Pfingstwecken zum Morgenkaffee, mit kräftiger Gulaschsuppe als Mittagessen und herzhaften Wurstbroten am Abend werden sie bestens versorgt: 200 ehrenamtliche Helfer sind erneut für das Treffen im Einsatz. "Es gibt für mich an Pfingsten keinen schöneren Platz als hier", begrüßt Georg Sommermann am Sonntagnachmittag die riesige Menschenmenge. Sie hat sich auf dem Gelände verteilt, sitzt auf Felsen und Baumstümpfen, hat es sich auf Klappstühlen gemütlich gemacht oder aalt sich auf Decken in der Sonne. Die Bobengrüner Tagung komme langsam ins Rentenalter, meint der Redner verschmitzt: "Aber sie ist jung geblieben." Als er nach Menschen fragt, die bei allen 65 Treffen dabei waren, gehen in den vorderen Reihen mehrere Hände nach oben.

Dr. Dorothea Greiner Bild vergrößern
Musikalisch: Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner.
Bild: Andrea Herdegen
Pfarrer i. R. Gerhard Hägel hat die von seinem Vater begründeten Tagungen alle mitgemacht und mitgeprägt. Von den Anfängen im kleinen Blockhaus, das heute gerade einmal für die Technik ausreicht, erzählt der 81-Jährige gern. "Immer stand Jesus Christus im Mittelpunkt, er ist der Schirmherr der Tagung", betont Hägel. Hans Götschel aus Bayreuth kommt seit 1948 regelmäßig zum Treffen. Früher begleitete der 77-Jährige eine CVJM-Gruppe mit dem Fahrrad. Einmal geriet er mit dem Rad in den Graben und überschlug sich. "Ich bin verletzt liegen geblieben. Meine Lieben haben sich neben mich gestellt und für mich gebetet. Das war mein schönstes Erlebnis in Bobengrün", erzählt er - und freut sich noch heute, dass er damals trotzdem noch zur Tagung konnte.

"Es ist ungeheuerlich, dass es so etwas in unserer schlaffen und glaubensarmen Zeit gibt", würdigt Hauptredner Winrich Scheffbuch das Treffen. "In Bobengrün wird nicht geschwatzt, sondern zugehört, was Jesus sagt." Sein Kollege Wolfgang Heide weißt auf die Lebensfreude hin, die jeder Mensch spüre, der Jesus in sein Leben aufgenommen hat. Witzig ist die Geschichte, die Jugendevangelist "Gofi Müller" aus seinem Leben erzählt: "Jesus wollte etwas von mir, aber ich wollte nicht." Damals habe er erfahren, dass Gott nur das Beste für den Menschen anstrebe.

Im Posaunenchor spielt diesmal Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner mit. Für das Abschlussgebet und den Segen legt sie ihr Instrument kurz beiseite und lobt: "Was hier geschieht, ist eine Glaubensvermittlung, der ich mich von Herzen verbunden weiß."

  

BILDERGALERIE
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