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Bamberg - Setzen sich Schüler, die in der Schule gute Leistungen hatten, auch im Berufsleben durch? Wie wichtig ist der Einfluss des Elternhauses auf die Bildungschancen eines Kindes? Wie sinnvoll sind Fortbildungskurse für Arbeitnehmer? Um diese Fragen beantworten zu können, verfolgen die Wissenschaftler im Rahmen des Nationalen Bildungspanels die Entwicklung eines Menschen über mehrere Jahre hinweg. Aus diesem Grund stehen nicht nur Schüler im Mittelpunkt der Studie. Auch Kleinkinder, Studenten und Berufstätige werden regelmäßig befragt und getestet, wie der Leiter der Untersuchung, Professor Hans-Peter Blossfeld (Foto), erklärt.
Dabei verfolgt das Nationale Bildungspanel einen anderen Ansatz als vorhandene Studien. Die PISA-Studie etwa erfasst laut Blossfeld lediglich den momentanen Leistungsstand eines Schülers. Über vorherige oder nachfolgende Entwicklungen ließen sich keine verlässlichen Aussagen treffen. "Vielleicht hatte der Schüler besondere Vorteile im Kindergarten oder in der Grundschule", mutmaßt Blossfeld. Auch könne man nicht nachvollziehen, ob die Schüler, die bei der PISA-Studie gut abgeschnitten haben, sich später auch im Berufsleben durchsetzen, schränkt der Bildungsforscher die Aussagekraft dieser Ergebnisse ein.
Nicht so bei dem Bamberger Projekt: Dieses begleitet die Entwicklung der Menschen über längere Zeiträume vom Kindergarten bis ins hohe Alter. "Nur so kann man feststellen, wie die Erfahrungen, die in der Kindheit, in der Schule oder im Berufsleben erworben werden, zusammenhängen und durch welche Entscheidungen Erfolge oder Misserfolge entstehen", erklärt Blossfeld.
Die Wissenschaftler erhoffen sich auch Erkenntnisse darüber, welche in der Schule vermittelten Qualifikationen für das Berufsleben nützlich sind und welche nicht. Auch könnten dann Rückschlüsse auf die Auswirkungen von Bildungsentscheidungen wie etwa die Wahl der Schulform getroffen werden. Blossfeld geht sogar noch einen Schritt weiter: Vielleicht könne man dann feststellen, ob es einen Zusammenhang zwischen Bildung und Gesundheit oder zwischen Bildung und Lebenszufriedenheit gibt.
Der offizielle Startschuss für das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt fiel zwar bereits im vergangenen Jahr, aber eine Untersuchung in diesem Ausmaß erfordert einiges an Vorarbeit. "Wir hatten eine Vorbereitungszeit von drei Jahren", erzählt Blossfeld. Bis Herbst 2010 führt das Bamberger Forscherteam noch einige Pilotstudien und Tests durch. Im Oktober oder November werde dann die erste große Erhebung stattfinden, kündigt der Leiter des Projekts an.
Allerdings rechnen die Wissenschaftler erst in einigen Jahren mit aussagekräftigen Resultaten. Denn erst nach einem längeren Zeitraum verfüge man über eine breite Datenbasis, auf deren Grundlage vernünftige Analysen durchgeführt werden könnten. Diese Erkenntnisse könnten dann beispielsweise durch Schulreformen umgesetzt werden. Leider würden momentan noch viele Reformen im Bildungsbereich "ohne jegliche wissenschaftliche Begleitung" durchgeführt. Man wisse daher in vielen Fällen nicht, ob die Maßnahmen tatsächlich erfolgreich gewesen seien, kritisiert der Soziologe.
Um den Zuschlag für das 80-Millionen-Euro-Projekt zu erhalten, mussten die Bamberger Forscher "einige dicke Anträge" einreichen und wurden von verschiedenen internationalen Gutachtergremien bewertet. Professor Blossfeld sieht in dem Nationalen Bildungspanel auch eine große Chance für die Region: "Bamberg kann sich als Bildungsforschungszentrum in Deutschland und Europa profilieren" und damit eine einzigartige Stellung einnehmen. Zugleich sei das Bildungspanel "eine Jobmaschine für hochqualifizierte Wissenschaftler in Bamberg".
Die Fördermittel für das Projekt sind zunächst für fünf Jahre bewilligt. Blossfeld rechnet jedoch mit einer Verlängerung über diesen Zeitraum hinaus. Denn: "In ein paar Jahren haben wir eine Datenbasis, die es so in Europa noch nicht gibt. Das heißt, wir werden in diesem Bereich europaweit führend sein."
Info
Ein Panel ist ein gleichbleibender Kreis von Personen, der über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder zu einem bestimmten Thema befragt und getestet wird. Durch Panels können Veränderungen und deren Ursachen abgebildet werden.



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