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Erschienen am 08.04.2008 00:00
Ärzte-Kritik an Kündigung
Operationsfehler | Offener Brief von Medizinern aus der Region
Von Harald Jäckel

Hochfranken-Klinik Münchberg Bild vergrößern
Nach der OP-Verwechslung an der Hochfranken-Klinik Münchberg reagieren Ärzte der Region mit scharfer Kritik an der Verwaltung des Krankenhauses
Bild: Ronald Dietel
Münchberg – Mit deutlicher Kritik an der fristlosen Kündigung zweier Chefärzte nach einem dramatischen Operationsfehler an der Hochfranken-Klinik Münchberg wenden sich drei regionale Ärztevereinigungen an Klinik-Chef Norbert Goßler und den Hofer Landrat Bernd Hering. Wie berichtet, war am 29. Februar einer 78-jährigen Rentnerin, die am Bein operiert werden sollte, ein künstlicher Darmausgang gelegt worden. Das Verwechslungsopfer muss mit dem künstlichen Ausgang leben, da er nicht mehr operativ rückgängig zu machen ist.

Nach der Verwechslung wurde den zwei an der Fehloperation beteiligten Chefärzten der Abteilungen Chirurgie und Anästhesie sowie drei weiteren Mitarbeitern fristlos gekündigt. Besonders die Kündigung des Chirurgie-Chefs scheint vielen niedergelassenen Ärzten in der Region ein Dorn im Auge zu sein. In dem offenen Brief vom Montag an Goßler und Landrat Hering – er ist Verwaltungsratsvorsitzender der Kliniken – hagelt es scharfe Kritik. In dem von den Vorsitzenden des Praxisnetzes Hochfranken, des Hofer Praxisnetzes und des Ärztekreises Münchberg-Helmbrechts unterzeichneten Schreiben heißt es wörtlich: „Einen langjährig zuverlässigen Kollegen, der jederzeit um das Wohl des Patienten bemüht war, fristlos zu kündigen, ist eine in unseren Augen völlig überzogene, ja sogar verächtliche Maßnahme.“

Die Mediziner schreiben eingangs, dass ihr Mitgefühl insbesondere der Patientin gilt; „der durch eine ärztliche Maßnahme ein erheblicher Schaden entstanden ist“. Eine umfassende Aufklärung des Sachverhalts und ein offener Umgang damit sei dringend angezeigt.

„Ein überhasteter Schritt“

Weiter aber heißt es: „Was uns im Rahmen der Vorgänge jedoch ebenfalls zutiefst betroffen macht, ist eine Vorverurteilung der betroffenen Ärzte durch die Leitung der Kliniken Hochfranken.“ Da die Mediziner nicht nur von einem ärztlichen Fehler, sondern auch von einem Organisationsversagen ausgehen, schreiben sie: „In Anbetracht dieses Umstandes muss man natürlich, wenn man hier konsequent handeln will, auch im organisatorischen Bereich Konsequenzen ziehen und sowohl Sie, Herr Goßler als Verwaltungsleiter als auch Sie, Herr Hering als veranwortlicher Landrat müssten ihre Posten zur Verfügung stellen. Wir denken aber, dass dies genauso wie die Entlassung der ärztlichen Kollegen ein überhasteter und unüberlegter Schritt vor Abschluss eines regulären Untersuchungsverfahrens wäre.“ Der Schlusssatz im Mediziner-Brief: „Wir bitten Sie daher, trotz der Tragik und Tragweite der Vorkommnisse, die Entscheidung der fristlosen Kündigung der ärztlichen Kollegen sowie weiterer Mitarbeiter vor Abschluss der Ermittlungen zu überdenken und zurückzunehmen.“

Landrat Hering und Verwaltungs-Chef Goßler hatten den Brief – der unserer Zeitung im Wortlaut vorliegt – am Montag noch nicht erhalten. Hering erklärte, als er mit dem Inhalt konfrontiert wurde, dass er dazu keine Stellung nehmen werde, da es sich um ein schwebendes Verfahren handle. Klinik-Chef Goßler bestätigte dies und sagte: „In Sachen Kündigung haben jetzt die Anwälte das Wort.“ Der Hofer Staatsanwalts-Chef Gerhard Schmitt erklärte auf Anfrage, dass die Ermittlungen im Fall „Fehloperation“ noch laufen.

 
 

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Kommentare zum Artikel

  • von wastl am 09.04.2008 11:28
    Mit Dreck beworfen
    Was tu ich wenn ich Dreck am Stecken habe? Dann zeig ich auf andere "die waren es" und sorg dafür dass die gleich so mies dastehen dass die sich gar nicht mehr wehren können.
    Jedes Kindergarten-Kind kennt die Methode wenn es ein Spielzeug kaputt gemacht.
    Hier handelt es sich nicht um Spielzeug sondern um einen Menschen.

    Ich selbst lag unter dem Messer der beiden Ärzte muss zusehen wie 2 hervorragende Mediziner mit Dreck beworfen werden.

    Man sollte hier mal im Detail prüfen wer hier diese absolute Diffamierung losgetreten hat und sollte schauen was derjenige für einen Nutzen davon hatte.
    Von sich und seinen Fehlern abzulenken?

    Ich kann nur eins sagen: Volles Vertrauen zu den beiden Ärzten keinerlei Vertrauen in so eine miese Krankenhausverwaltung.

  • von babsie79 am 09.04.2008 12:52
    Kritik/Vorwürfe/zu schnelles Handeln Artikel vom 08.04.2008
    Ich finde es richtig das die Verantwortlichen entlassen wurden und ich finde auch Schmerzensgeld und Verurteilung ist ja wohl das mindeste. Die Patienten hat den Schaden und MUSS damit leben !!! Ärtze verfügen mit Abstand über den meisten Verdienst und man DARF sich in solchen Fällen einfach KEINERLEI Fehler erlauben. So etwas DARF nicht passieren, das muss eben genauer kontrolliert werden welcher Patient vor mir liegt und was zu machen ist. "Der Patient ist ja ab diesem Zeitpunkt den Ärtzten ausgeliefert"!
    Ich bin selbst Münchberger und ich werde wenn ich jemals operiert werden muss, mich wenn ich kann mit Händen und Füßen wehren um nicht ins Münchberger Krankenhaus zu kommen !!! Ich kenne bereits im gleichen Haus einen Fall bei dem auch versucht wurde der "Dreck" unter den Tisch zu kehren!

  • von unbekannt am 09.04.2008 18:59
    Ich glaub es einfach nicht .....
    Wissen Sie - wastl - überhaupt, was Sie da geschrieben haben ? Entsetzen macht sich breit ! Die ältere Dame hat einen künstlichen Darmausgang erhalten, gibt es noch etwas schlimmeres ? Nun reden Sie von Diffamierung, ich glaub es einfach nicht, da fehlen mir die Worte. Seien Sie doch mal anwesend, wenn bei dieser Frau der künstliche Darmausgang gereinigt wird, es bleibt zu vermuten, das Ihnen dann die Tränen kommen werden !
    Hoffentlich fehlen dem Staatsanwalt nicht die Worte für diese schändliche Tat. Das ist doch nun wirklich nicht mit einer Geschwindigkeitsübertretung zu vergleichen. Die ältere Dame und deren Familie tun mir unendlich leid, mein tiefstes Bedauern gehört ihnen.

    amiigo

  • von buddah am 09.04.2008 23:18
    Der Sohn der alten Dame äussert sich:
    http://vertrauensbekundung.blogspot.com/2008/03/am-mnchberger-klinikum-kam-eine.html?showComment=1207740540000#c2314273379806402566

  • von wastl am 10.04.2008 22:14
    Re: Ich glaub es nicht.... (Teil 1)
    Ich sag nicht dass es nicht schlimm ist, ganz im Gegenteil.
    Es gibt ein Risko bei jeder OP. Das hier was massiv schief lief ist auch klar.
    Die Vorgehensweise der Klinikleitung ist jedoch das was mich stutzig macht. Man hat ganz schnell 2 Sündenböcke gefunden und diese einfach an die Luft gesetzt.
    Nach dem Motto: Wir als Klinik können da nix für, das waren die beiden.
    Und das glaube ich zeigt ganz deutlich wo die Versäumnisse liegen.

    (Teil 2 siehe nächstes Posting)

  • von wastl am 10.04.2008 22:14
    Re: Ich glaub es nicht.... (Teil 2)
    Und wenn ich den Beschreibungen des Sohns der betreffenden Dame folge dann war das Bett richtig beschriftet, es lagen die richtigen Akten bei usw.
    Für jedes noch so simples Industrieprodukt ist heute ISO 9000 quasi unabdingbar mit entsprechender Dokumentation und natürlich auch mit Mechanismen um Fehler zu verhindern.
    Die Frage ist... welche Mechanismen gab es an der Klinik, warum haben diese versagt?
    Und warum waren dann diese Mechanismen nicht abgesichert?
    Das sind Fragen die sich die Klinikleitung gefallen lassen muss und dort sitzen meiner Meinung nach die entsprechenden Verantwortlichen.

    Ganz klar: Wenn ich wieder mal unters Messer muss. Ob das Krankenhaus Münchberg oder Ulan-Ude ist, das ist mir wurscht, solange der durchführende Arzt der hier von Münchberg an die Luft gesetzte ist, weiss ich mich in besten Händen.

  • von schubi am 11.04.2008 17:08
    Dass Arbeitnehmer fuer grobe Fahrlaessigkeit...
    ...aufkommen muessen ist doch woanders auch ganz normal? Warum also in diesem krassen und glasklaren Fall in dem ein Mensch beschaedigt wurde, eine Ausnahme machen? Keiner spricht Dr. Fadelt seine Fertigkeiten ab. Aber auch ein Spitzen-Chirurg muss fuer seine Fehler gradestehen. Ich finde, man sollte diese Schlammschlacht auf Kindergartenniveau ganz schnell beenden. Das Krankenhaus ist nunmal keine Fabrik und ein Arzt ist kein Fliessbandschrauber, der uebrigens fuer wesentliche geringere Schaeden den Hut nehmen muesste. Die Konsequenzen wurden gezogen, nun lasst die Beteiligten wenigstens so lang in Ruhe, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind.

  • von alex.hm am 14.04.2008 16:34
    Re: Dass Arbeitnehmer fuer grobe Fahrlaessigkeit...




    Zitat von schubi

    Das Krankenhaus ist nunmal keine Fabrik und ein Arzt ist kein Fliessbandschrauber, der uebrigens fuer wesentliche geringere Schaeden den Hut nehmen muesste.



    Huch, Schubi, in welchem Jahr lebst Du denn? Grad gestern war wieder ein Bericht im TV über einen HNO Arzt aus HH glaub ich, haste mal gesehn, was die bezahlt bekommen? Zeitgleich gings auch um eine Notaufnahme.

    Solang der Mensch für Krankenhäuser eine Zahl ist, die von den Kassen "genehmigt" wird, kann man doch nicht Sorgfalt der Krankenhäuser in Form von umfangreicher Betreuung erwarten. Was da passiert ist, ist ohne Frage schlimm. Nur ist doch die Frage, wäre bei weniger "Druck" der Fehler auch passiert? Wäre der Fehler auch passiert, wenn ein Kranker auch noch als Mensch und nicht als Zahl, die von der Kasse ans Krankenhaus fliesst, gesehen würde?

    An alle anderen:

    Und das ein Fehler passiert, jeder macht Fehler, beim einen isses halt ein künstlicher Darmausgang, der andere ist tot, wenn sich einer mal die Kanne gibt und betrunken Auto fährt.. Was is nun schlimmer?

    Ärzte wenn Fehler machen werden sie angeprangert, den Otto Normalverbraucher wenn jemanden tot fährt, weil besoffen, nimmt man das am Rande nur wahr.

    --
    alex.hm

  • von paritosh am 14.04.2008 12:57
    Fehler können geschehen, aber DAS ist kriminell!
    Natürlich können bei einer OP Fehler geschehen(und es passieren auch zuviele vermeidbare Fehler), aber wenn ein Bein-OP notwendig ist und es wird dann ein künstlicher Darmausgang gelegt, ist das kein Kunstfehler , sondern kriminell.
    Totale Unfähigkeit, dessinteresse am Patienten, einfach unwürdig!
    Ich schäme mich für unseren Berufstand!!!!

  • von lisa.panten am 14.04.2008 15:43
    Aus der Ferne betrachtet...
    Zunächst schmunzelnd habe ich von dem Vorfall aus Münchberg in der "taz" gelesen unter der Rubrik "Gurke des Tages". Allerdings finde ich die Sache an sich keinesfalls amüsant und daher die Suspendierung für gerechtfertigt.Hier wurde mächtig geschlampert!Wiedermal?!Ich frage mich nur, liegts am Personalmangel oder nicht mangelndes ausgebildetes Personal??? Sollte sich nicht das Niveau mit dem Namen heben (vormals Kreiskrankenhaus jetzt Klinikum Müncherg oder so ähnlich). Ich denke das es sinnvoller ist das KH Münchberg einfach bei einem lokalen Krankenhaus für Erstversorgung/Notfälle zu belassen und die Speziellen Dinge auch Spezialisten zu überlassen. Dafür gibt es doch Fachkliniken.
    Was ich paritosh noch sagen wollte, Du brauchst dich nicht für Deinen Berufstand schämen, Ärzte sind auch nur Menschen und ich glaube jeder ist froh, wenn bei einem Notfall ein Arzt in greifbarer Nähe ist und da spielt es wahrlich für den "leidenden" keine Rolle aus welcher Fachrichtung er kommt.
    lkp

  • von paritosh am 14.04.2008 16:25
    Arzt in der Nähe ????
    Klar, wenn der Arzt aber bei einem Herzstillstand das Bein versorgt ist der Kranke/Verletzte sicherlich nicht froh(außer wastel, der entschuldigt dies als unvermeidlicher Kunstfehler ?!!)
    Kann aber passieren, wenn der Arzt 20/30 Stunden Dienst hatte, ein paar Pillen genommen hat um wieder fit zu sein, z.B. bei einem großen Unfallgeschehen helfen zu können.
    Also liebe Patienten schaut euch den Arzt genau an(wenn möglich) der euch behandeln will; er könnte bei einem Beinbruch die Gallenblase entfernen.......oder einen künstlichen Darmausgang legen!

  • von unbekannt am 14.04.2008 19:45
    amiigo sieht das ähnlich wie paritosh ......
    Ja paritosh, meine Meinung deckt sich absolut mit Deiner. Aber, die Gallenblase loszuwerden scheint eher lustig, gegen den künstlichen Darmausgang ! Dafür gibt es keine akzeptable Erklärung, weder Überarbeitung noch karge Entlohnung. Dieses dann noch mit einem " besoffenen " in Verbindung zu bringen, treibt mir Tränen ins Gesicht. Herr Staatsanwalt, übernehmen Sie, denn ich sehe in diesem unglaublichen Vorgang mindestens eine schwere Körperverletzung !

    amiigo

  • von paritosh am 15.04.2008 09:37
    Besoffen oder auch Pillen, Morphin.......
    ... alles ist Möglich!!!

 

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