Münchberg – Mit deutlicher Kritik an der fristlosen Kündigung zweier Chefärzte nach einem dramatischen Operationsfehler an der Hochfranken-Klinik Münchberg wenden sich drei regionale Ärztevereinigungen an Klinik-Chef Norbert Goßler und den Hofer Landrat Bernd Hering. Wie berichtet, war am 29. Februar einer 78-jährigen Rentnerin, die am Bein operiert werden sollte, ein künstlicher Darmausgang gelegt worden. Das Verwechslungsopfer muss mit dem künstlichen Ausgang leben, da er nicht mehr operativ rückgängig zu machen ist.

Nach der OP-Verwechslung an der Hochfranken-Klinik Münchberg reagieren Ärzte der Region mit scharfer Kritik an der Verwaltung des Krankenhauses
Bild: Ronald Dietel
Nach der Verwechslung wurde den zwei an der Fehloperation beteiligten Chefärzten der Abteilungen Chirurgie und Anästhesie sowie drei weiteren Mitarbeitern fristlos gekündigt. Besonders die Kündigung des Chirurgie-Chefs scheint vielen niedergelassenen Ärzten in der Region ein Dorn im Auge zu sein. In dem offenen Brief vom Montag an Goßler und Landrat Hering – er ist Verwaltungsratsvorsitzender der Kliniken – hagelt es scharfe Kritik. In dem von den Vorsitzenden des Praxisnetzes Hochfranken, des Hofer Praxisnetzes und des Ärztekreises Münchberg-Helmbrechts unterzeichneten Schreiben heißt es wörtlich: „Einen langjährig zuverlässigen Kollegen, der jederzeit um das Wohl des Patienten bemüht war, fristlos zu kündigen, ist eine in unseren Augen völlig überzogene, ja sogar verächtliche Maßnahme.“
Die Mediziner schreiben eingangs, dass ihr Mitgefühl insbesondere der Patientin gilt; „der durch eine ärztliche Maßnahme ein erheblicher Schaden entstanden ist“. Eine umfassende Aufklärung des Sachverhalts und ein offener Umgang damit sei dringend angezeigt.
„Ein überhasteter Schritt“
Weiter aber heißt es: „Was uns im Rahmen der Vorgänge jedoch ebenfalls zutiefst betroffen macht, ist eine Vorverurteilung der betroffenen Ärzte durch die Leitung der Kliniken Hochfranken.“ Da die Mediziner nicht nur von einem ärztlichen Fehler, sondern auch von einem Organisationsversagen ausgehen, schreiben sie: „In Anbetracht dieses Umstandes muss man natürlich, wenn man hier konsequent handeln will, auch im organisatorischen Bereich Konsequenzen ziehen und sowohl Sie, Herr Goßler als Verwaltungsleiter als auch Sie, Herr Hering als veranwortlicher Landrat müssten ihre Posten zur Verfügung stellen. Wir denken aber, dass dies genauso wie die Entlassung der ärztlichen Kollegen ein überhasteter und unüberlegter Schritt vor Abschluss eines regulären Untersuchungsverfahrens wäre.“ Der Schlusssatz im Mediziner-Brief: „Wir bitten Sie daher, trotz der Tragik und Tragweite der Vorkommnisse, die Entscheidung der fristlosen Kündigung der ärztlichen Kollegen sowie weiterer Mitarbeiter vor Abschluss der Ermittlungen zu überdenken und zurückzunehmen.“
Landrat Hering und Verwaltungs-Chef Goßler hatten den Brief – der unserer Zeitung im Wortlaut vorliegt – am Montag noch nicht erhalten. Hering erklärte, als er mit dem Inhalt konfrontiert wurde, dass er dazu keine Stellung nehmen werde, da es sich um ein schwebendes Verfahren handle. Klinik-Chef Goßler bestätigte dies und sagte: „In Sachen Kündigung haben jetzt die Anwälte das Wort.“ Der Hofer Staatsanwalts-Chef Gerhard Schmitt erklärte auf Anfrage, dass die Ermittlungen im Fall „Fehloperation“ noch laufen.

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