München – Bayern will mehr Bildungsgerechtigkeit für Kinder mit Migrationshintergrund erreichen. Ein von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) einberufener Runder Tisch soll dazu eine Reihe von Maßnahmen erarbeiten. Nach den ersten Beratungen dieses Expertengremiums sagte Spaenle am Dienstag in München, den Kindern mit Migrationshintergrund müsse vor allem der Weg zu höheren Schulabschlüssen geebnet werden. Denn Bildung sei der entscheidende Faktor für sozialen Aufstieg und für Teilhabe am gesellschaftlichen Wohlstand. „Runde Tische ersetzen keine Lehrer“, kritisierte dagegen die Landtags-SPD.
Potzenzial nicht ausgeschöpft
Bei der PISA-Studie habe Bayern insgesamt zwar gut abgeschnitten, zugleich habe die Studie aber Handlungsbedarf bei der schulischen Integration von Migrantenkindern gezeigt, sagte Spaenle. Einen höheren Schulabschluss als den der Hauptschule würden 70 Prozent der deutschen Kinder erreichen, bei Kindern mit Migrationshintergrund seien dies aber nur 10 Prozent. „Das ist unbefriedigend“, betonte Spaenle. Denn damit werde das vorhandene Begabungspotenzial nicht ausgeschöpft. „Wir wollen den Kindern mit Migrationshintergrund mitten in unserer Gesellschaft eine Heimat geben.“
Taten, nicht Reden
Nach Ansicht des Bildungsexperten der SPD-Landtagsfraktion, Hans-Ulrich Pfaffmann, sind in der gegenwärtigen Lage Taten und keine Runden Tische erforderlich. Man brauche zusätzliche Lehrer, damit die Integration in den Klassen gelingen kann. Statt neuen Diskussionsrunden brauche man zudem Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen, die sich um die betroffenen Schüler kümmern können. „Man hat den Eindruck, die CSU will Zeit schinden, um nicht investieren zu müssen – so lange, bis die Schülerzahl deutlich zurückgegangen ist“, sagte Pfaffmann nach Angaben seiner Fraktion. „Die FDP macht sich bei dieser zynischen Strategie zum Erfüllungsgehilfen.“
Nach Angaben des Ministeriums besuchen derzeit rund 162 000 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund die allgemeinbildenden Schulen in Bayern – damit sind alle Schulen außer den Berufsschulen gemeint. Unter Menschen mit Migrationshintergrund versteht man Einwanderer aus dem Ausland und deren Nachkommen. Die Fachbegriffe Migrant und Migration seien übliche Ausdrucksweise geworden, weil die Formulierung „ausländische Mitbürger“ inzwischen nicht mehr passe, erläuterte Minister Spaenle. Denn viele Einwanderer aus dem Ausland hätten inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Der große Startnachteil für Schüler mit Migrationshintergrund sei, dass sie die deutsche Sprache als erste Fremdsprache erlernen müssten, sagte Spaenle. Deshalb spiele die Sprachförderung eine zentrale Rolle beim Bemühen für eine bessere schulische Integration dieser Kinder.
An dem Runden Tisch sitzen Vertreter verschiedener Generalkonsulate, der Islamischen Religionsgemeinschaft, der kommunalen Spitzenverbände und der Schulverwaltung. Mehrere Arbeitsgruppen sollen in den kommenden Monaten konkrete Maßnahmen für eine bessere Integration junger Migranten entwickeln. Wichtige Elemente sollen dabei auch die Vermittlung von Werten und die Erziehung zur Demokratie sein. dpa


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