Hof - Liebevoll wiegt er das schwere schwarze Buch in den Händen. Der Wälzer trägt den sinnigen Titel "Fraktur mon Amour" und führt dem Leser auf über 700 grafisch meisterlich gestalteten Seiten vor Augen, was die vielbeschworene Schwarze Kunst ausmacht. Mit Blick auf die rund 750 Frakturschriften, die in dem Band farbenfroh präsentiert werden, sagt Peter Schiller mit schelmischem Unterton: "Das hat mehr Erotik als manche Frau."
Handwerkliches Können
Schiller hält in der Kunst des Druckens die Qualität hoch und setzt auf Individualität ebenso wie auf handwerkliches Können. "Die Welt des Laser- und des Tintenstrahldrucks nervt mich", gesteht der 56 Jahre alte Inhaber einer kleinen, aber feinen Druckerei in Hof. "Durch die moderne Technik ist eine Billigmentalität aufgekommen. Jeder kann heute bunte Bildchen machen, aber mit Qualität hat das Ganze oft nichts zu tun", weiß Schiller aus Erfahrung. Und schmunzelnd fügt er hinzu, mit Blick auf einen turbulent gestalteten Billig-Flyer, auf dem man - dunkle Schrift auf dunklem Raster - so gut wie nichts lesen kann: "Jeder PC-Besitzer kann heutzutage dank der Computer-Technik ,Mediengestalter' werden und mit der Maschine grafische Spielereien vollführen. Wenn's aber ums Umsetzen geht, um die Handwerkskunst des Druckens, dann tappen die meisten im Dunkeln."
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Schiller bedauert, dass in der Druckbranche ein dramatischer Preisverfall herrscht - wegen besagter Billigmentalität und wegen des Trends hin zu Internet-Angeboten und Massenproduktion. Doch dem Billig-Trend will er sich nicht anschließen mit seinem Drei-Mann-Betrieb. "Wir besetzen eine Nische und arbeiten für Kunden, die Wert auf Qualität legen", sagt der Firmenchef. Die Palette der schillerschen Produkte reicht von der Visitenkarte über Aufkleber, Briefbögen und Broschüren bis hin zu Plakaten, Kalendern und Urkunden. Bei dieser Gelegenheit spricht der Druck-Experte ein Manko an, das dem Laien gar nicht bewusst ist: "Die Visitenkarten, die wir in Deutschland mit uns herumtragen, sind im Grunde genommen richtig langweilig - einfach und phantasielos gestaltet", sagt Peter Schiller. "In Amerika und Japan ist man auf diesem Gebiet wesentlich anspruchsvoller."
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Das "Wunderwerkzeug"
Mit diesem "Wunderwerkzeug", wie Schiller es nennt, entstehen Gravuren auf Bierkrügen, Zinndeckeln oder Schieferherzen, Karten mit gestanzten Buchstaben, Letterndruck und Konturschnitten, kleine Kunstwerke aus Furnierholz - und eben jene Namenskärtchen, die internationales Flair in die Visitenkarten-Diaspora Deutschland bringen.
Bei solchen Produkten "mit Stil", die sich durch besonderes Papier und geprägte Buchstaben auszeichnen, kommt Schillers Leidenschaft als "Schriftennarr" zum Tragen. "Wir haben die Rechte an einigen geschützten Schriften erworben", sagt der Hofer Handwerkskünstler stolz, "die unwiderstehlich schön sind, die eine Seele und Charakter haben."




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