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Hof – Das Gymnasium öffnet sich der Arbeitswelt, sein Lehrplan orientiert sich künftig stärker denn je an der Praxis: Im Schuljahr 2009/2010 wird in der Oberstufe der bayerischen Gymnasien – in den Klassen 11 und 12 – das Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung (P-Seminar) eingeführt, das die Schülerinnen und Schüler umfassend auf Studium und Beruf vorbereiten soll.
Kernpunkt des im Lehrplan verankerten P-Seminars ist die Pflicht der Schule, sich für eine praxisbezogene Projektarbeit von etwa einem Jahr einen externen Partner zu suchen: ein Unternehmen, einen Wirtschaftsverband, eine kirchliche, soziale oder kommunale Einrichtung. Wir sprachen mit der Unternehmerin Dr. Dorothee Strunz, die zusammen mit Schulrat Reiner Frank den Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Hof führt, über die Chancen, die sich den Unternehmen und der Region durch das Projekt bieten.
War dieser Schritt der Gymnasien in Richtung Berufswirklichkeit überfällig?
Dr. Strunz: Auf jeden Fall. Die Anforderungen in der Arbeitswelt werden immer komplexer. Wer den richtigen Berufsweg einschlagen will, braucht Orientierung, fundiertes Wissen und vielfältige Kompetenzen. Das Seminarkonzept greift zentrale Forderungen der Arbeitswelt und der Hochschulen auf, wonach die Berufswahl- und Berufsweltkompetenz der bayerischen Schülerinnen und Schüler gestärkt werden muss.
Gibt es diesbezüglich auffällige Defizite beziehungsweise Korrekturbedarf?
Es ist absolut unbefriedigend, dass offenbar über 90 Prozent der Abiturienten nicht wissen, welche Ausbildung sie anstreben sollen.
Sie haben als Geschäftsführerin eines Industrieunternehmens (Lamilux) Erfahrung mit Bewerbern und Berufsanfängern aller Bildungsebenen. An welchen Fähigkeiten in puncto Praxisbezug und Kompetenz mangelt’s am meisten?
Ich habe mich schon häufig gefragt, warum den Gymnasiasten nicht auch Tastaturschreiben beigebracht wird – für die optimale Nutzung des wichtigsten Kommunikationsmediums heutzutage, PC beziehungsweise Laptop wäre das von außerordentlichem Wert. Ein verbesserter Praxisbezug würde unseren Schülern auch die überragende Bedeutung sehr guter Fremdsprachenkenntnisse vermitteln. Ganz abgesehen davon zeigt der Blick in die globalisierte Arbeitswelt, dass für viele attraktive Arbeitsplätze die Konkurrenz nicht nebenan auf der Schulbank sitzt, sondern in Osteuropa, Indien und Asien.
Auf welche Werte oder Fähigkeiten kommt’s noch an in der Berufswelt von heute?
Unsere Schüler glänzen mit sehr fundiertem Sach- und Fachwissen. Woran es aber häufig fehlt, ist das Präsentations- und Darstellungvermögen – und zwar sowohl hinsichtlich Sachthemen als auch der eigenen Person. Außerdem ist den jungen Leuten mitunter nicht klar, wie wichtig Schlüsseltugenden wie Höflichkeit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Disziplin sind – um einige wichtige zu nennen.
Die Gymnasien haben den Auftrag erhalten, sich im Zuge des P-Seminars zu „vernetzen“ und Partner zu suchen. In welche Richtung können die Lehrer sich da wenden?
In Frage kommen alle Unternehmen der Region, Hochschulen, Bibliotheken, Behörden oder Vereine zum Beispiel.
Wie kommen Schule und Partner zusammen?
Die Zusammenarbeit mit Unternehmen und Einrichtungen der Region muss mit möglichen Inhalten vorbereitet und auf eine Kommunikationsplattform gestellt werden. Dafür bietet sich das Online-Portal www.sprungbrett-bayern.de des Bayerischen Bildungswerkes an.
Eine Art Kontaktbörse?
Richtig. „Sprungbrett“ fördert die Zusammenarbeit von Unternehmen, Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern und bietet zum Beispiel jungen Menschen die Möglichkeit, sich über Berufe und Praktikumsplätze zu informieren. Unternehmen wiederum haben die Möglichkeit, geeignete Nachwuchskräfte zu finden, eigene Angebote und Projektideen einzustellen oder auf Projektangebote von Schulen einzugehen.
Wie könnte so eine Projektidee aussehen?
Das Gymnasium Naila zum Beispiel plant eine „Werbekampagne für die Region Hochfranken“. Dabei sollen die Schüler unter anderem einen Flyer entwerfen und verschiedene Aktionen planen. Dabei hoffen sie auf Unterstützung von Unternehmen, die an dem Thema interessiert sind.
Die Angebote aus unserer Region sind auf der „Sprungbrett Bayern“-Seite noch sehr dünn gesät. . .
Das genau ist der Punkt: Wir müssen das Konzept jetzt von Hochfranken aus mit Leben erfüllen und es als großartige Chance für unsere Region sehen. Unsere Arbeitswelt hier bietet unendlich viele und attraktive Möglichkeiten, und dieses Bewusstsein müssen wir bei unseren Schülern nachhaltig wecken und fördern. Wir laden die Unternehmer der Region und die Verantwortlichen aller in Frage kommenden Institutionen zu der Auftakt-Veranstaltung am 20. November im Schiller-Gymnasium in Hof ein. Dort werden führende Damen und Herren des Bildungswerkes der Bayerischen Wirtschaft und des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung über die Aktionen und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Schulen und Berufswelt informieren.
Inwieweit dient das alles unserer Heimatregion Hochfranken?
Das, was sich hier anbahnt, sehe ich als eine ganz wichtige Maßnahme im Kampf gegen die Abwanderung junger Menschen und Fachkräfte an: als Imagewerbung für unsere Heimat und als eine Stärkung des Wirtschaftsstandortes Hochfranken!


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