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Ressort Interview
Erschienen am 10.11.2007 00:00
„Ich habe Narben davongetragen“
Eineinhalb Jahre nach „Germany’s Next Topmodel“: Wie Jennifer Wanderer heute darüber denkt
Von Julia Harke
Wirsberg – Noch heute werfen Menschen auf der Straße ihr neidische Blicke zu. Manche rufen Beleidigungen aus. Menschen, die sie nicht persönlich kennen. Das kann Jennifer Wanderer nicht verstehen. Die Wirsbergerin hat vor eineinhalb Jahren bei „Germany’s Next Topmodel“, einer Model-Casting-Show auf ProSieben, mitgemacht. Sie war sehr erfolgreich, als Dritte ist sie aus der Sendung gegangen. Wir sprachen mit ihr über die Zeit „danach“.
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Model Jennifer Wanderer: „Ich habe Narben davongetragen“
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Jennifer, was ist in der Zeit nach „Topmodel“ passiert?

Eine Menge! Ich habe Modelverträge bekommen. Meine Mutteragentur ist MD-Management in Hamburg. Die kümmern sich vor allem um mich. Sie unterstützen auch, dass ich gerade in der K13 bin und im Frühjahr mein Abi mache. Aber ich bin auch in Andalusien, Paris, Hamburg oder auch Berlin unterwegs.

Wann hast du dann mit dem Modeln angefangen?

Mit 13 habe ich mein Taschengeld mit Aufträgen aufgebessert. Die Sendung „Topmodel“ war einfach Schicksal. Es war eine spontane Entscheidung, dort mitzumachen.

Haben dich deine Eltern dabei unterstützt?

Die engsten Freunde und meine Eltern. Alle anderen sind sowieso egal. Die Reaktionen der Bekannten und Mitschüler waren entweder positiv oder das Thema wurde gar nicht angesprochen. Meine Schwester, die jünger ist, als ich, wurde in der Schule oft deswegen beleidigt. Mich selbst verspotteten Leute oft in Kulmbach auf der Straße. Ich konnte nie verstehen warum ein Mensch, der mich nicht kennt, böse Sachen zu mir sagt. Das hat sich inzwischen gelegt. In Großstädten, wie Hamburg oder Berlin werde ich oft angesprochen.

Aber wie war die Sendung selbst für dich?

Ich habe viele Narben davon getragen. Aber das hat mich alles stärker gemacht, die Zeit heilt alle Wunden, wie man so schön sagt.

Was war denn schlimm für dich?

Ich bin doch damals erst 16 gewesen. Ich wusste ungefähr, worauf ich mich einlasse, aber ich habe nicht gewusst, dass das Modelgeschäft so hart ist. Es war sehr stressig, viele Termine, Jobs, immer wieder vor die Kamera, alles sehr kurzfristig. Ich konnte in dieses Geschäft nicht hineinwachsen, wir wurden von Null auf 100 gepuscht.

Bereust du diesen Schritt?

Nein, das tue ich nicht. Ich bin stolz darauf, dass ich in der Sendung mitgemacht habe. Aber noch stolzer bin ich auf das Jahr danach. Ich bin bei der Sendung in einen Strudel hineigeraten, aus dem ich hätte nicht herauskommen können. Ich war jung und noch nicht gefestigt. Ich bin ja auch gar nicht der Typ, der im Mittelpunkt stehen will, ich will auch gar nicht berühmt sein.

Siehst du mittlerweile alles entspannter?

Ja, ich habe bei der Sendung viele Erfahrungen gemacht, bin erwachsener und selbstständiger geworden. Ich habe den Einstieg ins Modelgeschäft geschafft und bin heute ziemlich viel unterwegs.

Wie ist das für dich, so viel unterwegs zu sein?

Es ist sehr anstrengend manchmal. Zum Beispiel finden oft Shootings unter Extrembedingungen, bei Wind, im Sand, unter großer Hitze oder Kälte statt. Das macht mir aber auch Spaß.

Wie sieht denn so ein Shooting aus?

Man muss ziemlich früh aufstehen, dann wird man stundenlang geschminkt. Nach ein paar Fotos werde ich dann wieder abgeschminkt und neu gestylt. Wenn dann noch Haarverlängerungen ins Spiel kommen, nervt das ein bisschen. Einmal musste ich zum Beispiel einen schwarzen Pelzmantel anziehen, eine sehr enge Taille hat man mir geschnürt, damit es mystisch aussieht. Und Luftballons hatte ich in der Hand. Aber so etwas ist schwierig zu erklären, man muss dazu wissen, was sich der Fotograf dabei denkt und sich die fertigen Fotos ansehen. Ich werde meist als ein Editorial-Mädchen gebucht. Commercial ist eigentlich nicht so meins.

Die beiden Begriffe musst du bitte erklären.

Bei den „Editorial-Shootings“ steht der künstlerische Aspekt im Vordergrund. Dabei werden die Mädchen oft krass zusammengerichtet. Solche Fotos werden in Modemagazinen veröffentlicht – zum Beispiel in der „Vogue“. Hier bekommt man nicht viel Geld, aber viel Ansehen und Prestige. Für solche Shootings werde ich oft gebucht. Oft für düstere Geschichten.

Und was ist mit den „Commercials“?

Diese Fotos sind meistens für die Werbung gedacht, und eigentlich nicht meins. Mit diesen Shootings kann man aber viel Geld verdienen. Zum Beispiel als Werbung für Shampoo. Aber für Kataloge stehe ich auch modell. Aber ich komme als Model in Spanien besser an.

Warum?

Weil in Deutschland das blonde Strahle-Mädchen ankommt. Ich werde viel in Spanien gebucht, weil spanische Frauen sich besser mit mir identifizieren können, weil ich einen dunkleren Teint und dunkle Haare habe. Auf Produkte, die mit blonden Frauen beworben werden, springen sie nicht an.

Gibt es auch Sachen, die Du nicht anziehen würdest?

Ich habe schon meine eigene Linie, wenn ein sehr komisches Angebot kommt, nehme ich es nicht an. Aber wenn der Job sehr gut bezahlt ist, ziehe ich auch mal eine Hose an, die mir nicht gefällt. Manchmal kann ich das im Vorfeld zum Shooting mit dem Fotografen absprechen.

Wie hast du eigentlich entdeckt, dass du das Zeug zum Model hast?

Ich habe mich nicht eines Tages vor den Spiegel gestellt und gedacht: „Wow, bin ich schön!“ Es war ein langer Prozess: Als ich 13 war, war ich schon 1,77 Meter groß. Ich habe dann oft und früh genug von Freunden und Verwandten gehört, dass ich hübsch bin und Model werden sollte.

Willst du auch in Zukunft modeln?

Nach dem Abi, das ich im Frühjahr mache, werde ich erstmal weitermachen. Es ist zwar ziemlich anstrengend, aber es ist auch eine schöne, angenehme und kreative Arbeit. Vielleicht werde ich auch Modemanagement studieren. Ich will Einkäuferin für irgendeine Firma werden. Ich will aber auf jeden Fall im Modegeschäft bleiben. Es kann aber sein, dass ich das ganze Modegeschäft in drei Jahren oberflächlich finde, dann mache ich etwas anderes.

 
 

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