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Ressort Interview
Erschienen am 19.09.2008 00:00
DEINE LAKAIEN
„Neues Album für den Seelenfrieden“
Seit über 20 Jahren bewegt sich Alexander Veljanov mit seiner Band „Deine Lakaien“ erfolgreich durch die deutsche und europäische Musikszene; dabei gelingt ihm mühelos der Brückenschlag zwischen Dark Wave und Avantgarde.

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Alexander Veljanov: In der Ferne die deutsche Sprache entdeckt.
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Alexander, Anfang November erscheint dein drittes Soloalbum „Porta Macedonia“. Wie konntest du dir nur den Luxus leisten, vier Jahre lang an einem Album zu arbeiten?

Indem mir niemand etwas sagen konnte. Ich habe völlig autark arbeiten können, ohne Plattenfirma im Nacken – völlig independent (lacht). Außerdem habe ich mir diese Zeit auch einfach nehmen wollen, nicht nur das Geldverdienen ist wichtig, sondern auch, es auszugeben. Und dann war ich ja auch noch sehr viel mit meiner Hauptband „Deine Lakaien“ unterwegs.

„Porta Macedonia“ – handelt von Mazedonien oder von Alexander Veljanov?

Es handelt davon, wie ich die Dinge sehe. Ich sehe mich als Mittler zwischen dem, der vor, und dem, der hinter der Tür steht.

Wie schaut es auf der anderen Seite der Tür aus?

Mazedonien ist für viele Menschen ein Begriff aus Märchen und Sagen. Für viele aber auch ein Synonym für die politische Grausamkeit des 20. Jahrhunderts. Ich hatte keine Wahl, weil ich sowohl mit deutschen als auch mit mazedonischen Wurzeln geboren wurde – und ich betrachte das als ein Geschenk. Als Künstler fühle ich mich verpflichtet, dem gerecht zu werden und die lange vernachlässigte Hälfte in den Vordergrund zu bringen.

Du machst seit über 20 Jahren Musik und hast dieses Thema nie nennenswert thematisiert, wieso jetzt?

Ich mache das eigentlich nicht an diesem Album fest. Im Vergleich zu meiner Kindheit und Jugend hatte ich als Erwachsener immer weniger Kontakt nach Mazedonien. Studium und Beruf – ich war viel beschäftigt. Durch den schrecklichen Krieg in den 1990er Jahren ist dann eine Barriere entstanden, sowohl politisch als auch emotional. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass man sich nicht länger belügen kann. Ich habe als Kind in beiden Kulturen gelebt und wollte das Defizit der vergangenen Jahre aufholen.

Gab es einen bestimmten Anlass dafür?

Meinen Seelenfrieden. Ich habe einiges aufgeholt und meine zweite Heimat wieder entdeckt.

Und das Album?

Das Album stand überhaupt nicht im Vordergrund. Irgendwann habe ich in Mazedonien begonnen, zusammen mit Freunden künstlerisch zu arbeiten. Sehr künstlerisch und sehr produktiv. So ist das Album entstanden, als eine Folge der Ereignisse.

Erkennt man dabei, was man versäumt hat?

Man versäumt immer etwas. All die verpassten Chancen im Leben! Aber es ist nie zu spät. Und es ist schön, wenn man sich tatsächlich an mehreren Orten beheimatet fühlt. Dort, wo Freunde sind, ist man zu Hause.

Dein größter Gewinn der Selbstreflektion?

Innere Stabilität und Seelenfrieden. Auch das Album ist ein Gewinn für mich. Das ist mir wirklich sehr wichtig; und neue künstlerische Partner gefunden zu haben.

Nämlich wen?

Goran Trajkovski. Er ist so alt wie ich und sehr berühmt in Mazedonien. International ist er mit dem Soundtrack zu „Before the rain“ aufgefallen. Jetzt ist er Theater-Musiker.

Das ist auf dem Album ja nicht zu überhören.

Ja, Goran ist der Bühnenmusik von Bertolt Brecht und Kurt Weill sehr zugetan.

Andere Songs empfinde ich als sehr chillig, fast psychedelisch. „Dirt“ zum Beispiel; der Song hört sich an wie irgendetwas zwischen „The Doors“ und „Dead can dance“.

„Dirt“ ist fast schon ein Epos. Das Lied dauert an die zehn Minuten und hat einen sehr ernsten Text, der vom Krieg handelt, andererseits aber einen sehr elegischen Anfang. „The Doors“ und „Dead can dance“ … das hat schon einmal jemand gesagt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass alle, die am Album mitgearbeitet haben, tatsächlich große Fans von Jim Morrison sind. Lisa Gerrard und „Dead can Dance“ haben immer mit ethnischen Farben, Stimme und Wohlklang gespielt, und dass dich der Song an diese großartige Band erinnert, finde ich wirklich sehr schön.

Gibt es weitere Bands, die euch bei „Porta Macedonia“ beeinflusst haben?

„Massive Attack“, „Radiohead“ … Musik, die sich nicht um Formate schert.

Du singst auf dem Album überraschend viele Songs in deutscher Sprache. Hast du in der Ferne zurück gefunden?

Das kann man sagen. Ich habe in der Ferne die deutsche Sprache für mich entdeckt. Bis dahin war ich wirklich der gefestigten Meinung, meine Stimme würde nicht mit Deutsch korrespondieren.

Schafft Distanz also Nähe?

Nachdem mich Goran dazu angefeuert hatte, ein deutsches Lied zu singen, habe ich Blut geleckt. Einige Songs hatte ich in bis zu drei Sprachen getextet, daher ist das Album auch so bunt und vielfältig geworden. Und ein wenig eigenwillig.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, „Porta Macedonia“ ist nicht irgendeins deiner vielen Projekte, sondern „ganz Veljanov“

Wahrscheinlich „sehr viel Veljanov“. Ich habe viele Jahre daran gearbeitet, nicht als Last, sondern als Bereicherung und mein fast verloren gegangenes zweites Leben wieder belebt und bereichert. Dabei habe ich gespürt, man ist Teil eines Ganzen. Nicht nur privat, sondern auch in der Arbeit. Wenn man sich gegenseitig befeuert und inspiriert … und im Nachhinein weiß man gar nicht mehr, wie die Songs entstanden sind. Das ist schon ein kleines Wunder.

Das Interview führt Daniela Mühlbauer.

CD-TIPP

Alexander Veljanov, „Porta Macedonia“, Album-Release 7. November 2008. Premium Records/Soulfood, Single-Release 24. Oktober 2008 Premium Records/Soulfood.

 
 

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