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Erschienen am 24.12.2009 00:00
LEITARTIKEL
Reiche und Arme
Neid und Überheblichkeit schaukeln sich hoch;Toleranz steht nur noch auf dem Papier.
Werner Mergner zur deutschen Wirklichkeit
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Von Werner Mergner
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In diesen Tagen werden - Wirtschaftskrise hin, Kurzarbeit her - wieder LED-Fernseher, iPods, Brillantringe und Spielkonsolen unter vielen Weihnachtsbäumen in Deutschland liegen. Und das ist gut so. Menschen beschenken sich, sind glücklich, dem Partner, den Kindern, zum Fest der Liebe eine Freude machen zu können. All diejenigen, die hier beschrieben worden sind, sollten allerdings nicht vergessen, dass es selbst im reichen Deutschland jede Menge Mitbürger gibt, denen es schlechter geht, viel schlechter sogar. Auch sie feiern Weihnachten, aber anders. Ihre Geschenke sind kleiner, sind oft nur ein Symbol der Liebe und der Freundschaft. Weniger wert aber sind sie nicht.

Was wir sehen, falls wir sehen wollen, ist beschämend für unsere Gesellschaft. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter. Und das hat Folgen, die sich nicht nur an Weihnachtsgeschenken fest machen lassen. Schlimmer ist die Kluft, die sich innerhalb der Gesellschaft auftut. Probleme, die es schon immer gegeben hat, potenzieren sich. Neid auf der einen, Überheblichkeit auf der anderen Seite schaukeln sich hoch. Toleranz steht nur noch auf dem Papier, und das Gebot vom "leben und leben lassen" verkommt zum bloßen, inhaltslosen Gerede.

Doch schlimmer noch: Millionen von Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern sowie ein ganzes Heer von Geringverdienern werden die ohnehin strapazierte Rentenversicherung in nicht allzu ferner Zukunft zum Implodieren bringen. Dann wird sich vieles von dem rächen, von dem wir glauben, es uns jetzt noch leisten zu können. Die soziale Spaltung dieses Landes, von manchem gewünscht, von anderen einfach so hingenommen, hat brisante Folgen. Unsere Kinder und Enkel werden die Suppe auslöffeln müssen, die wir ihnen jetzt einbrocken.

Die globale Wirtschaftskrise hat die Welt und damit auch Deutschland an den Rand des Abgrunds gebracht. Allein die Gier nach immer mehr Mammon hat ganze Staaten ruiniert, die private Altersvorsorge von Zigtausenden ausradiert, hat Hunderttausende von Arbeitsplätzen vernichtet und genauso viel Existenzen zerstört. Der "Erfolg": Die Armen in diesem Land wurden und werden immer ärmer, die Reichen hingegen immer reicher. Doch hüten wir uns. Der Volksmund weiß es: Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. . .

Wollen wir es wirklich hinnehmen, dass alte Menschen im Wintermantel in ihren Wänden sitzen, weil sie sich die Heizkosten nicht leisten können? Dürfen wir es zulassen, dass allein erziehende Mütter am 25. des Monats kein Geld mehr haben, um ihren Kindern ein warmes Essen zu geben? Kann es angehen, dass Kleinkinder in Hausschuhen in den Hort gebracht werden, weil kein Geld für Stiefel da ist? An diesen Fragen kommen wir alle nicht vorbei. Vor allem aber nicht ein Staat, dessen Repräsentanten oft genug gar nicht wissen, wie es "da unten" aussieht. Mit Milliarden werden Banken gestützt, Milliarden in zweifelhafte Rüstungsprojekte gesteckt - doch ungerührt sieht man zu, wie sich Lebensqualität und Chancen derer vermindern, die im Schatten des Shareholder-Value-Wahns in einer geldgeilen Gesellschaft stehen.

Solche Gegenüberstellungen mögen zugespitzt erscheinen. Dem vielleicht nicht schmecken, der am reichlich gedeckten Tisch sitzt und das Glück (vielleicht sogar des Tüchtigen) hat, die Welt stets von oben sehen zu dürfen. Gerade in diesen Tagen, wenn die Glocken klingen und die Kassen klingeln, sollten wir wenigstens kurz darüber nachdenken, was der Mann, dessen Geburt wir Ende Dezember feiern, alles so gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen, zum Beispiel. War dieser Jesus etwa ein Revoluzzer, ein Klassenkämpfer gar?

 
 

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Kommentare zum Artikel

  • von Exselber am 24.12.2009 10:13
    Ein
    schöner Leitartikel!
    Nur schade, dass keiner die Wahrheit lesen will!

  • von blumerle am 24.12.2009 22:46
    Super Leitartikel!
    Das ist die Realität,aber die oberen schweben auf Wolke7 und wollen davon nichts hören.

  • von rentner am 25.12.2009 09:26
    Kommentar
    Die damaligen Oberen und Reichen hatten sicherlich auch Angst daß man ihnen was wegenehmen würde und haben sich deshalb so verhalten. Und dies hat sich nicht verändert sie werden ihren Reichtum weiter zu vermehren suchen.

  • von sandokan am 27.12.2009 13:38
    keine 1000 Zeichen
    So ein schwieriges und sensibles Thema in solch einem Forum zu diskutieren, würde den Rahmen bei weitem sprengen.

    Ich denke aber, der Leitartikel von Herrn Mergner sollte zum nachdenken anregen. Denn eine Lösung gibt es nicht.

    Leider gibt der Artikel aber Öl ins Feuer derer, die ohnehin schon gebranntmarkt sind von der misserablen Politik der letzten Jahrzehnte. Und damit meine ich die vier Parteien rot, schwarz, gelb und grün.

    Es dürfen sich in einer Zeit, in dem die aufstrebenden Staaten des mittleren und fernen Osten sowie Südamerikas an wirtschaftlichen Einfluss gewinnen, sich die Fronten der politischen Gegner nicht verhärten.

    Gemeinsamkeit nach außen ist jetzt gefragt. Und jede Form von Geltungssucht, die ein politisches Ergebnis verhindert, muss weichen.

  • von Bergziege am 27.12.2009 23:34
    Wirtschaftskrise
    Sind wir nicht auch ein wenig schuld?Alle wollen immer billiger einkaufen.Lieber Masse statt Klasse.Also Ramsch aus Asien und die Umwelt geht dabei den Bach runter.Wir brauchen es eigentlich nicht wirklich,aber es war ja billig.Die private Altersvorsorge ist auch nur gut für Banken und Versicherungen, nicht für Kunden.Und das die Autoindustrie in Deutschland eine Überproduktion hat weiß jeder, nur nicht die Unternehmen.
    Die schielen alle auf den Markt in Asien.Frag mich nur, wo die Millionen Autos dann fahren sollen.
    Hoch leben Statistiken und Prognosen.
    Gefrustete
    Bergziege

 

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