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In diesen Tagen werden - Wirtschaftskrise hin, Kurzarbeit her - wieder LED-Fernseher, iPods, Brillantringe und Spielkonsolen unter vielen Weihnachtsbäumen in Deutschland liegen. Und das ist gut so. Menschen beschenken sich, sind glücklich, dem Partner, den Kindern, zum Fest der Liebe eine Freude machen zu können. All diejenigen, die hier beschrieben worden sind, sollten allerdings nicht vergessen, dass es selbst im reichen Deutschland jede Menge Mitbürger gibt, denen es schlechter geht, viel schlechter sogar. Auch sie feiern Weihnachten, aber anders. Ihre Geschenke sind kleiner, sind oft nur ein Symbol der Liebe und der Freundschaft. Weniger wert aber sind sie nicht.
Was wir sehen, falls wir sehen wollen, ist beschämend für unsere Gesellschaft. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter. Und das hat Folgen, die sich nicht nur an Weihnachtsgeschenken fest machen lassen. Schlimmer ist die Kluft, die sich innerhalb der Gesellschaft auftut. Probleme, die es schon immer gegeben hat, potenzieren sich. Neid auf der einen, Überheblichkeit auf der anderen Seite schaukeln sich hoch. Toleranz steht nur noch auf dem Papier, und das Gebot vom "leben und leben lassen" verkommt zum bloßen, inhaltslosen Gerede.
Doch schlimmer noch: Millionen von Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern sowie ein ganzes Heer von Geringverdienern werden die ohnehin strapazierte Rentenversicherung in nicht allzu ferner Zukunft zum Implodieren bringen. Dann wird sich vieles von dem rächen, von dem wir glauben, es uns jetzt noch leisten zu können. Die soziale Spaltung dieses Landes, von manchem gewünscht, von anderen einfach so hingenommen, hat brisante Folgen. Unsere Kinder und Enkel werden die Suppe auslöffeln müssen, die wir ihnen jetzt einbrocken.
Die globale Wirtschaftskrise hat die Welt und damit auch Deutschland an den Rand des Abgrunds gebracht. Allein die Gier nach immer mehr Mammon hat ganze Staaten ruiniert, die private Altersvorsorge von Zigtausenden ausradiert, hat Hunderttausende von Arbeitsplätzen vernichtet und genauso viel Existenzen zerstört. Der "Erfolg": Die Armen in diesem Land wurden und werden immer ärmer, die Reichen hingegen immer reicher. Doch hüten wir uns. Der Volksmund weiß es: Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. . .
Wollen wir es wirklich hinnehmen, dass alte Menschen im Wintermantel in ihren Wänden sitzen, weil sie sich die Heizkosten nicht leisten können? Dürfen wir es zulassen, dass allein erziehende Mütter am 25. des Monats kein Geld mehr haben, um ihren Kindern ein warmes Essen zu geben? Kann es angehen, dass Kleinkinder in Hausschuhen in den Hort gebracht werden, weil kein Geld für Stiefel da ist? An diesen Fragen kommen wir alle nicht vorbei. Vor allem aber nicht ein Staat, dessen Repräsentanten oft genug gar nicht wissen, wie es "da unten" aussieht. Mit Milliarden werden Banken gestützt, Milliarden in zweifelhafte Rüstungsprojekte gesteckt - doch ungerührt sieht man zu, wie sich Lebensqualität und Chancen derer vermindern, die im Schatten des Shareholder-Value-Wahns in einer geldgeilen Gesellschaft stehen.
Solche Gegenüberstellungen mögen zugespitzt erscheinen. Dem vielleicht nicht schmecken, der am reichlich gedeckten Tisch sitzt und das Glück (vielleicht sogar des Tüchtigen) hat, die Welt stets von oben sehen zu dürfen. Gerade in diesen Tagen, wenn die Glocken klingen und die Kassen klingeln, sollten wir wenigstens kurz darüber nachdenken, was der Mann, dessen Geburt wir Ende Dezember feiern, alles so gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen, zum Beispiel. War dieser Jesus etwa ein Revoluzzer, ein Klassenkämpfer gar?


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