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Wer wissen möchte, worum es wirklich geht, der könnte sich, beispielsweise, mit Andreas Krieger unterhalten. Der als Heidi Krieger, vollgepumpt mit Hormonen, für die DDR 1986 Europameisterin im Kugelstoßen wurde. Oder mit Birgit Boese, mit zehn als Olympiasiegerin eingeplant, mit vierzehn ausgemustert, mit 47 eine Frau, die täglich Morphium schluckt, weil sie sonst die körperlichen Schmerzen nicht aushalten kann. Dann wäre da Henner Misersky, 1985 als Ski-Langlauftrainer entlassen, weil er sich weigerte, seine Tochter Antje Oral-Turinabol schlucken zu lassen, das DDR-Standard-Dopingpräparat.
Selbstverständlich hat nun, wieder einmal, niemand mit ihnen geredet. Nicht der DOSB-Chef, nicht der DLV-Vorsitzende, nicht der Bundesinnenminister. Stattdessen haben sie eine Kürzest-Erklärung von fünf Trainern gelobt, die - nach kleinen zwanzig Jahren Bedenkzeit - zugeben, "im Einzelfall" am "Einsatz unterstützender pharmazeutischer Substanzen beteiligt" gewesen zu sein, weil ihnen sonst "berufliche Nachteile gedroht" hätten.
Schon die Sprache - juristisch so hingetrickst, dass Zivilklagen gegen die Täter aussichtslos sind - ist die nächste Verletzung. Als wäre diese Verachtung noch nicht genug, kommt der Ex-Ober-Olympionike West Walter Tröger daher und schwadroniert von "Reue", die beim Doping "absurd" sei. Tröger meint damit, dass er sie für absolut unnötig hält.
Das ist falsch und zynisch. Aber, immerhin, ehrlich. Sonst wird fein weitergelogen. Die fünf Trainer wollen, auch dieses Mal, ihre Jobs behalten. Das alte System forderte Doping, dieses nun tiefe Betroffenheit; bittesehr, sie liefern. Funktionäre und Politiker wollen saubere Westen, nicht sauberen Sport, und außerdem Medaillen; da fragen sie lieber nicht so genau nach, wer sie erzeugt und wie. Das Publikum will Spektakel; warum soll es sich für die alten Geschichten interessieren?
Weil die neuen nicht anders sind. Einst waren Anabolika nicht nachzuweisen, heute Blut- und Gendoping. Weil auch in der alten Bundesrepublik geschluckt wurde. Weil die scheinheiligen Bachs und Schäubles immer nur tun, was sie nicht mehr vermeiden können. Und also muss man sie zwingen. Sonst geht es dem Sport wie seinen Opfern.


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