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Der Milchhof hat tatkräftige Freunde

Viel Arbeit steckt schon in dem historischen Gebäude in Hohenberg. Damit es auch äußerlich wieder zu einem Schmuckstück wird, rücken Fachfirmen an.



Entkernungsarbeiten im Obergeschoss des Milchhofs: Die Mitglieder des Fördervereins legten die ausgemauerten Mansardenflächen frei. Foto: pr.
Entkernungsarbeiten im Obergeschoss des Milchhofs: Die Mitglieder des Fördervereins legten die ausgemauerten Mansardenflächen frei. Foto: pr.  

Hohenberg - Alle Vorarbeiten sind erledigt, sobald es die Witterung zulässt beginnen die umfangreichen Sanierungsarbeiten am Hohenberger Milchhof. Wie Dr. Gerhard Wilhelm, stellvertretender Vorsitzender des "Förderkreises zum Erhalt historischer Baudenkmäler in Hohenberg und Umgebung" bei der Jahreshauptversammlung sagte, wurden die ersten Arbeiten bereits ausgeschrieben.

Vor vier Jahren hatte sich der Verein gegründet, um den Milchhof, eines der ältesten Gebäude in Hohenberg, zu erhalten. Mittlerweile zählt der Verein 97 Mitglieder. Ein Teil davon unterstützt den Verein nicht nur finanziell, sondern langt auch kräftig mit zu. "Jeder bringt das ein, was er meint, leisten zu können", lobte Landrat Dr. Karl Döhler. Wenn auch von außen nur wenig Veränderungen zu erkennen sind, so habe sich doch im Innern vieles getan, sagte Wilhelm. Das Gebäude wurde mehr oder weniger komplett entkernt, drei Kamine Ziegel für Ziegel abgetragen, die Mansardenbalken freigelegt und Bodenbretter entfernt. Von allen Verkleidungen befreit wurde im Obergeschoss das Fachwerk, "sodass man jetzt von einer Hausecke zur anderen sehen kann", wie der stellvertretende Vorsitzende bei der Versammlung im "Ratsstüberl" erklärte. Im Erdgeschoss versetzten die Helfer die zugemauerten Fensterlaibungen wieder in ihren Originalzustand und im Stall entfernten sie die steinernen Bodenplatten. Insgesamt sind laut Gerhard Wilhelm rund 60 Kubikmeter Bauschutt angefallen. Der alte Türsims, der nur noch von Fotos bekannt war, tauchte bei den Aufräumarbeiten im Garten auf. Jetzt solle auch die alte Eingangstür restauriert werden und sie bekomme, wie es einst war, auch wieder ein Oberlicht.

"Wir haben rund 900 Arbeitsstunden geleistet", sagte Wilhelm. Das entspreche etwa einer Eigenleistung von 28 000 Euro. "Und damit ist auch der Hauptteil dessen, was wir leisten können, erledigt." Die Mitglieder des Förderkreises könnten nun beim Gerüstaufbau helfen, das Dach abtragen und eventuell Schlitze für die Heizung schlagen. Ab sofort seien Fachleute gefragt. In diesem Zusammenhang bedankte sich Gerhard Wilhelm bei den Unterstützern. Der Verein erfahre sehr viel Zuspruch, sei es von der Stadt, den Firmen, anderen Vereinen wie dem Lions Club "Selb an der Porzellanstraße", der 1000 Euro gespendet hatte. "Auch außerhalb Hohenberg verfolgen viele Menschen, was mit dem Milchhof passiert", freute sich Wilhelm.

Zu einem gedanklichen Rundgang durch den Milchhof lud Architekt Volkmar Braun ein. Die Straßenansicht des Gebäudes werde sich kaum ändern. Der Hauptzugang werde an die Giebelseite im Westen verlegt. Der historische Teil des Gebäudeinneren bleibe vom Charakter her unverändert. Sichtbar solle das Fachwerk im Obergeschoss bleiben.

Wie Karl Lippert, der Vorsitzende des Förderkreises, erläuterte, sind fast alle Förderanträge gestellt. Bislang habe der Verein Bewilligungen über rund 440 000 Euro. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf rund 1,1 Million Euro. Noch fehle der endgültige Bescheid des Entschädigungsfonds, dafür allerdings habe der Verein die Erlaubnis zum vorzeitigen Baubeginn bekommen. Mit der Ausschreibung der Arbeiten hatten die Verantwortlichen bis Anfang Februar gewartet. "Damit haben wir es uns erspart, die Baustelle winterfest machen zu müssen", erklärte Karl Lippert. "Außerdem erhoffen wir uns jetzt bessere Preise." Da die Förderungen erst nach Ende der Sanierungsarbeiten ausbezahlt würden, müsse der Verein nun noch bei einer Bank einen Kredit beantragen.

Karl Lippert blickte kurz auf die gesellschaftlichen Aktivitäten zurück. Unter anderem hatte sich der Verein am Weihnachtsmarkt beteiligt und ein Sommerfest gefeiert, was sich auch im Kassenbericht von Jürgen Hoffmann niederschlug. Als Hohenberger Bürgermeister könne er nur stolz auf den Verein sein, sagte Hoffmann. "Das gibt Kraft, wenn die Bürger anpacken", sagte auch Landrat Karl Döhler. Bei Gesamtkosten von mehr als einer Million Euro dürfe der Vorstand schon mal nervös werden, sagte der Landrat und berichtete von einem gemeinsamen Fördergespräch bei der Regierung von Oberfranken. "Aber mit dem Herzblut, das ihr an den Tag legt, werdet ihr das Ding schon schaukeln."

Haus mit Geschichte

Erbaut wurde der Milchhof in der Hirtengasse etwa 1650. Rund 100 Jahre später richtete Florimundus Elbinger das Gebäude neu her. Es wurde dann als Forsthaus genutzt. Milchhof heißt des Gebäude erst seit den 1940er-Jahren. Da wurde im Haus Milch gegen Lebensmittelmarken ausgegeben. In das Obergeschoss des sanierten Milchhofs soll das Stadtarchiv einziehen. Außerdem ist Raum für einen "Lernort Heimat", der sich mit Natur, Kultur und Wirtschaft beschäftigt. Weiterhin soll eine Ausstellung über die "Grenzstadt Hohenberg" eingerichtet werden.


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Gerd Pöhlmann

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Veröffentlicht am:
12. 02. 2017
17:54 Uhr

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