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Fichtelgebirge

Ist Demokratie bald Schnee von gestern?

Laut einer aktuellen Studie zweifelt rund ein Drittel aller Befragten an der Wahrung der Demokratie. Doch wie ist es in der Region um die Zukunft der Volksherrschaft bestellt?



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Wunsiedel - Seit Gründung der Bundesrepublik gilt Deutschland wieder als Demokratie. Mit Blick auf diese lange Zeitspanne und ein politisch stabiles Europa scheint die Herrschaft des Volkes hierzulande beständig. Doch jetzt spaltet eine Studie des Kinderhilfswerks die Nation. Von generellen Vorurteilen Erwachsener gegenüber der Nachfolge-Generation, von politischer Gleichgültigkeit bis hin zum an Bedeutung gewinnenden rechtspopulistischen Einfluss ist die Rede. Sind die Zweifel an der Demokratie-Kompetenz der Jugend berechtigt? Stimmen aus der Region geben Entwarnung.

"Unter jungen Leuten aus der Region ist es gut um die Demokratie bestellt, wobei Fragen über ,die Jugend' immer schwierig sind. Man kann da nicht alle über einen Kamm scheren." Das sagt Dieter Wunderlich, Kreisjugendpfleger im Landkreis Wunsiedel. "Der Kreisjugendring verzeichnet über 220 Jugendgruppen, diese Zahl spricht für sich." Die Jugendleiter hielten gruppenintern durchweg zu demokratischen Entscheidungen an. "Bei der Programmplanung werden beispielsweise die Argumente aller Mitglieder gewichtet, es erfolgt ein gemeinschaftlicher Austausch ohne Hierarchien." Jugendzentren vermittelten damit neben der Vereinsarbeit auch demokratische Werte. Zu den Zweifeln meint Wunderlich: "Ein gewisses Misstrauen gegenüber der Jugend ist schon immer da gewesen. Aber von einer Null-Bock-Generation kann nicht die Rede sein, wenn man berücksichtigt, wie viele regionale Aktionen von Jugendlichen initiiert werden." Die Sorge um die Demokratie sei nicht pauschalisierbar. "Im Endeffekt spiegelt die Jugend die Gesellschaft wider."

Ähnlich positiv schätzt das auch Barbara Schönauer ein, kirchliche Jugendreferentin der katholischen Jugend Tirschenreuth: "Die Angst um die Demokratie ist vor allem in Hinblick auf die deutsche Geschichte berechtigt. Wie gravierend die Folgen von politischer Passivität sein können, ist jedem bekannt." Dennoch habe sie großes Vertrauen in unsere Jugend. "Gerade im Rahmen meiner Arbeit begegne ich vielen engagierten jungen Leuten. Auf diese gilt es zu bauen." Zudem seien den Jugendlichen demokratische Werte heute definitiv wichtig. "In welchem Maße sie aber dafür eintreten, ist die Entscheidung jedes Einzelnen." Zu den Vorwürfen sagt sie: "Viel mehr als den Jugendlichen Misstrauen entgegenzubringen, sollten wir Erwachsene schon heute versuchen, für unsere demokratischen Werte einzutreten, und sie den Demokratie-Erhaltern von morgen vorleben."

"Ich denke nicht, dass Jugendliche ein gestörtes Verhältnis zur Demokratie haben." Das macht die stellvertretende Schulleiterin des Luisenburg-Gymnasiums Wunsiedel, Gabriele Neumüller-Wölfl, vor allem an ihren eigenen Schülern fest. Es seien bestimmte politische Äußerungen, engagiertes Handeln sowie enormes Interesse an sozialen Themen, was sie so positiv denken lässt. "Zudem sind die Schüler sehr darauf bedacht, sich einzubringen und mitzureden." Gelegenheit dazu biete ihnen beispielsweise das schuleigene Forum, ein demokratisches Gremium, das sich aus Schülern, Eltern und Lehrern zusammensetzt. Überdies gilt das Gymnasium als "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". "Wichtig ist, dass nicht nur das Schild an der Türe prangt, sondern das Motto auch gelebt wird", sagt Neumüller-Wölfl weiter.

Auch Oliver Brandt, Schulleiter der Fichtelgebirgsrealschule Marktredwitz, blickt optimistisch auf die Demokratie-Erhaltung: "Nachdem unsere Jugend sieht, dass in einigen Ländern die demokratischen Grundwerte mit Füßen getreten werden, denke ich schon, dass hier ein Prozess des Nachdenkens stattfindet und erkannt wird, wie wichtig diese Werte sind."

Gründe für die Skepsis an der Demokratie-Erhaltung sind laut Stefanie Unglaub, Diakonin bei der evangelischen Jugend Marktredwitz, radikale Strömungen sowie die Befürchtung, dass Jugendliche dort leicht hineingerieten. Aber auch sie gibt Entwarnung: "Die evangelische Jugend ist demokratisch strukturiert, und dem Nachwuchs ist das auch wichtig. Ebenso wie die Möglichkeit, aktiv mitzuwirken."

Michaela Schmidt ist Jugendbetreuerin bei der Feuerwehr Selb. Auch sie erlebt ihre Schützlinge solidarisch, verantwortungsbewusst und kooperativ. Zu den Anschuldigungen meint sie: "Oft wird die Jugend zu Unrecht in ein schlechtes Licht gerückt."

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Katharina Melzner
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Veröffentlicht am:
17. 02. 2017
00:00 Uhr

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Katharina Melzner

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Veröffentlicht am:
17. 02. 2017
00:00 Uhr



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