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Fichtelgebirge

Lerchenberg lässt es noch mal krachen

Der Intendant will sich mit einer fulminanten letzten Spielzeit verabschieden. Trotz aller Vorfreude will er sich eine kleine Spitze doch nicht verkneifen.



Voller Tatendrang geht Intendant Michael Lechenberg (Mitte) in seine letzte Saison mit seinem Ensemble und den Regisseuren. Foto: Florian Miedl
Voller Tatendrang geht Intendant Michael Lechenberg (Mitte) in seine letzte Saison mit seinem Ensemble und den Regisseuren. Foto: Florian Miedl  

Wunsiedel - Ob dies ein Menetekel ist? Noch bevor die letzte Luisenburg-Pressekonferenz in der Amtszeit des Intendanten Michael Lerchenberg beginnt, schiebt der Regisseur des Stücks "Der Theatermacher", Carl Philip von Maldeghem, seinem Chef ein Büchlein über den Tisch. "Städtebeschimpfungen" heißt der Band, in dem sich Thomas Bernhard über alle möglichen Orte auslässt. "Wunsiedel ist nicht dabei", beruhigt Lerchenberg den neben ihm sitzenden Bürgermeister Karl-Willi Beck. Viele Menschen in der Region glauben, nach der Luisenburg-Spielzeit könnte ein Anhang über Wunsiedel in dem Buch dazukommen. Munter wird spekuliert, Lerchenberg könnte die Luisenburg-Fassung des Thomas-Bernhard-Stücks "der Theatermacher" auf die Festspielstadt ummünzen. Klar, ließe es sich einrichten, Wunsiedel der Lächerlichkeit preis zu geben. Aber diese Vorlage wird Lerchenberg aller Voraussicht nach nicht verwandeln. "Wie auch, das Stück spielt in Utzbach, einem 200-Seelen-Dorf. Wunsiedel hat mehr als 9000 Einwohner." Woraufhin Beck zu bedenken gibt, dass dann vielleicht Sinatengrün (in dem Ortsteil wohnt er) passen würde.

Melanie Huml und Christian Wulff kommen

Nein, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kommt am Freitag nicht zum Staatsempfang zur offiziellen Saisoneröffnung der Luisenburg-Festspiele. Er habe sich auf die Einladung weder beim Landratsamt noch bei der Stadt gemeldet. "Aber das ist vielleicht auch verständlich, immerhin ist er neu im Amt und kann sich wahrscheinlich vor Einladungen nicht retten", sagte Bürgermeister Karl-Willi Beck auf Nachfrage der Frankenpost . Am Freitag wird die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml der ranghöchste politische Gast sein. Zumindest ein ehemaliger Bundespräsident wird aber die Luisenburg besuchen. Dem Vernehmen nach kommen Christian Wulff und Ehefrau Bettina im August privat nach Wunsiedel und sehen sich auch ein Stück an.

 

Nein, das Stück sei viel höher, als dass er sich damit an den Niederungen lokaler Politik abarbeiten würde, sagt Lerchenberg. Damit spielt er auf die denkwürdige Pressekonferenz vor einem knappen Jahr an, als er im Groll verkündete, seinen Vertrag vorzeitig zu beenden. Ein Grund, den er damals nannte, waren die Nadelstiche aus dem Stadtrat vonseiten der Rechnungsprüfer. Außerdem war Lechenberg seinerzeit verstimmt über die zu geringe Wertschätzung, die ihm angeblich im Fichtelgebirge entgegengebracht wird.

Dass zumindest Letzteres nicht stimmt, hat der Intendant an Fronleichnam beim Theaterfest erlebt. Tosender Applaus, begeisterte Gesichter. Mehr kann sich ein Theatermann kaum wünschen.

Vielleicht deshalb war der Luisenburg-Chef gestern bei seiner letzten offiziellen Pressekonferenz zur Saisoneröffnung bestens gelaunt. Mit dazu beigetragen haben sicherlich mehrere Ensemble-Mitglieder, die passend in ihren Kostümen anwesend waren. Und ja, die Saison lässt viel erwarten. Einen Vorgeschmack gibt Heidi, das von Eva Toffol für die Luisenburg geschriebene und von Eva-Maria Lerchenberg-Thöny inszenierte Familienmusical. Maria Kempken zeigt "das Heidi" als ein grundgutes Kind, das zwar tough, aber nie böse ist, "eine beinahe idealtypische Figur, und daher sicher im Rang der Weltliteratur", wie Michael Lerchenberg sagte. Einen Rekord hat das Familienstück schon mal eingefahren. Satte sechs Minuten haben die Kinder am Ende des Stückes applaudiert.

Ein Luisenburg-Evergreen ist die Pfingstorgel, die in der 127. Saison zum fünften Mal gespielt wird und mit der am Freitag die Saison offiziell beginnt. "Es wird spannend, mit 60 Leuten auf der Bühne", sagt Regisseurin Evi Kammermeier. Wie Lerchenberg und andere Theatergrößen empfindet auch sie die Luisenburg als einen Kraftplatz. "Der Ort gibt einem eine spezielle Energie, mit der man auch komplexe Szenen meistern kann." Und ein riesiges Ensemble mit den unterschiedlichsten Typen zu einer Einheit fügen. So entsteht ein sozialkritisches Volksstück in bester Luisenburg-Lerchenberg-Tradition. "Ja, es geht auch um die Solidarität der Armen", erklärt der Intendant. Die 2017er-Pfingstorgel besticht zudem mit Schauspielern, die zugleich Musiker sind, "und die aus ihren Instrumenten richtige Töne entlocken können". Einer der Musiker ist Norbert Neugirg, der Kommandant der Altneihauser Feierwehrkapell'n. Der gerne mal vorwitzige Oberpfälzer bedankte sich ganz artig bei Lerchenberg und Steffi Kammermeier, dass er mitspielen darf. Allerdings, und das ist eben Neugirg, hat er ein paar deftige Gstanzln in das Stück geschmuggelt.

Auch Glamour gab und gibt es in Lerchenbergs Ära. Dafür steht heuer der Name Sophie Berner, "die derzeit wohl angesagteste Musical-Darstellerin Deutschlands", wie Cats-Regisseur Hardy Rudolz sagte. Sie spielt die Grizabella in der Wiederaufführung, die doch so anders sein wird als Cats im Jahr 2016.

Bleibt das Rätsel um den "Theatermacher". Während Lerchenberg versichert, in dem Stück keine Seitenhiebe auf Wunsiedel geplant zu haben, bleibt Bürgermeister Beck skeptisch. "Warten wir es mal ab."

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
20. 06. 2017
00:00 Uhr

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Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
20. 06. 2017
00:00 Uhr



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