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Münchberg

Rumänienhilfe rollt zum 26. Mal

Am Samstag startet der letzte Transport mit Gütern aus dem Lager in Weißdorf. Aber dann geht es nahtlos weiter. Das Engagement der Helfer ist ungebrochen.



In Alpe Julia, dem ehemaligen Karlsburg, betreibt die Diakonie eines der wohl schönsten und modernsten Altenpflegeheime Rumäniens.
In Alpe Julia, dem ehemaligen Karlsburg, betreibt die Diakonie eines der wohl schönsten und modernsten Altenpflegeheime Rumäniens.   » zu den Bildern

Sparneck/Weißdorf/Hof - In wenigen Tagen wird das alte Schulhaus in Weißdorf abgerissen. Es hat in den letzten 26 Jahren als Sammelstelle für die Rumänienhilfe Sparneck gedient. Die Initiatoren, die Familie Prechtel aus Sparneck und der Hofer Ludwig Szathmary, werden sich am Samstag mit einem weiteren Hilfstransport aus Weißdorf auf die Reise nach Alpe Julia, ehemals Karlsburg in Siebenbürgen, begeben. "Es geht dann aber nahtlos weiter", freut sich Armin Prechtel, "wir haben in Sparneck einen neuen Lagerraum gefunden, der uns von privater Hand kostenlos zur Verfügung gestellt wird."

Spenden

Sachspenden können nach vorheriger Vereinbarung abgegeben werden bei der Familie Prechtel in Sparneck (Telefonnummer 09251/80102) oder in Hof bei Ludwig Szathmary (0170/7676636). Geldspenden bitte überweisen auf das Konto der Rumänienhilfe bei der Sparkasse Hochfranken. IBAN: DE77780500003438643870.

 

Die Helfer haben alle Hände voll zu tun. Kartons müssen gepackt und Lieferlisten mit den Gütern erstellt werden, die sehnlichst in Alpe Julia erwartet werden. Die Hilfe kommt dort den Ärmsten der Armen zugute. Obwohl Rumänien fast schon ein Jahrzehnt der EU angehört, hat sich an der humanitären Lage noch nicht viel geändert. "Körperlich und geistig behinderte Menschen bekommen immer noch keine staatliche Hilfe", klagt Armin Prechtel.

Um diesen Menschen zu helfen, hat das evangelische Pfarrersehepaar Gerhard und Irmgard Wagner in Alba Julia einen Diakonieverein gegründet und Kontakte zu Hilfswilligen in Österreich, der Schweiz und in Deutschland aufgebaut. Armin Prechtel fuhr mit seinen Eltern - Fritz Prechtel, dem damaligen Sparnecker Bürgermeister, und seiner Mutter Elke - nach Rumänien, sie knüpften dort Kontakt zu den Wagners, die sich um behinderte Menschen kümmert. Für die Prechtels ein Ansporn, diese Einrichtung zu unterstützen. Noch im selben Jahr gründete die Sparnecker Familie die Rumänienhilfe und sammelte Hilfsgüter. Unterstützt wird sie von der Familie Ludwig Szathmary aus Hof und von Karl-Heinz Schreiner aus Weißdorf.

Morgen wird der 26. Lkw mit wieder etwa 20 Tonnen Hilfsgütern auf den Weg nach Alba Julia geschickt. Mit der Unterstützung aus Oberfranken ist es im Laufe von nunmehr fast drei Jahrzehnten dem Diakonieverein in Alba Julia gelungen, Häuser zu erwerben, mit Unterstützung von Handwerkskolonnen zu Kinderheimen umzubauen und einzurichten sowie Betreuer für die vorwiegend geistig behinderten Kinder einzustellen. Durch das Engagement des Ehepaars, der Unterstützer in den westlichen Ländern und der Helfer vor Ort konnte der Verein weitere Aufgaben übernehmen.

So finanziert die Diakonie Gemeindeschwestern für pflegebedürftige alte Menschen, damit diese möglichst lange zu Hause bleiben können. Auch eine Sozialstation mit sechs Sozialarbeitern wurde eingerichtet. Sie verteilt Kleiderspenden und versorgt die Menschen mit Medikamenten, organisiert Transportmöglichkeiten zum Krankenhaus und wieder nach Hause, unterstützt bei ambulanter Krankenpflege, vermittelt Gehhilfen und Rollstühle, übernimmt Behördengänge und Einkäufe und fährt Essen aus. Auch eine Tagesstätte für behinderte Kinder gibt es, sie beherbergt Therapieräume und Werkstätten. In denen werden neben den Bewohnern der Kinderheime auch Kinder gefördert und beschäftigt, die in ihren Familien gepflegt werden und sonst keine pädagogische Betreuung erhalten würden. In einer betriebseigenen Küche werden täglich 160 Essen zubereitet, für den eigenen Bedarf und gegen Bezahlung in einem angeschlossenen Speisesaal.

Inzwischen ist aus dem Diakonieverein ein großer Arbeitgeber mit mehr als 80 Mitarbeitern geworden. Allerdings hat er immer wieder mit Personalmangel zu kämpfen. Wie Armin Prechtel erzählt, hat Pfarrer Wagner geklagt: "Wir bilden die Pflegekräfte gut aus, und dann verlassen sie uns und suchen sich in anderen EU-Ländern eine Arbeit, wo sie mehr Geld verdienen." Allerdings bringe der Pfarrer für die scheidenden Mitarbeiter auch Verständnis auf, erzählt Prechtel.

Dass der rumänische Verein das alles leisten kann, ist auch an den Spenden aus Sparneck, aus Hof und aus ganz Oberfranken zu verdanken. Dazu gehören auch Sach- und Geldspenden von Firmen. Beim Sammeln von solchen Spenden ist Ludwig Szathmary in seinem Element. Durch seine gute Verbindung zum Brautmodenhersteller Kleemeier in Hof, zur Hofer Filiale der Sparda-Bank Ostbayern und zu anderen Firmen können wieder Lebensmittel und medizinische Spenden auf die Reise gehen. "Allein die Sparda-Bank hat wieder tausend Euro gespendet", freut sich Szathmary. Durch seine offene Art, auf die Menschen zuzugehen und sie von der Notwendigkeit der Hilfe zu überzeugen, bekommt er bei seinen Bitten um Spenden nur selten einen Korb.

Hauptsächlich kommt die Hilfe aber von Privatleuten. Die Familie Prechtel sortiert die gespendeten Sachen und verpackt sie in Kartons. "Die Waren kommen in Rumänien in den Second-Hand-Verkauf der Diakonie", berichtet Prechtel, der selbst mit Szathmary schon oft dort war. Die Armut werde immer größer. "Rentner müssten von 120 Euro leben", erregt sich Szathmary, "und die Lebensmittel sind in den Läden fast so teuer wie bei uns. Daher müssen sie an der Kleidung sparen."

Mit dem im Second-Hand-Verkauf eingenommenen Geld werden die zahlreichen Einrichtungen der Diakonie Alba Julia finanziert. Schon aus diesem Grund sollten die gespendeten Altkleider noch in einem tragbaren Zustand und sauber sein. "Die Kleider und Stoffe werden den dortigen Mitarbeitern förmlich aus der Hand gerissen", weiß Armin Prechtel, der im Beruf Polizist ist.

Neben Kleidungsstücken sammeln die Helfer aus Sparneck und Hof weitere Textilien, medizinischen Bedarf, Gehhilfen, Fahrräder, Lebensmittel und auch Geld, das unter anderem für die Finanzierung des Transports benötigt wird.

"Wir arbeiten zu hundert Prozent ehrenamtlich", betont der Sparnecker. "In all den 26 Jahren, seit die Rumänienhilfe existiert, haben wir unsere Kosten beispielsweise für Übernachtung und Verpflegung während der Transporte privat beglichen. Nur die Treibstoffkosten und die Autobahngebühren werden mit den Spendengeldern bezahlt."

Früher fuhren die Helfer mit Kleinkraftwagen und Anhänger nach Rumänien; seit wenigen Jahren übernimmt eine Spedition die Transporte, weil dies billiger kommt.

"Wir sind der Gemeinde Weißdorf und ihren Bürgermeistern sehr dankbar, dass wir seit der Gründung vor 26 Jahren das Sammelgut in der alten Schule lagern konnten", sagt Prechtel. Einen besonderen Dank richten Prechtel und Szathmary auch an den Helferkreis, "auf den können wir uns seit vielen Jahren voll verlassen".

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Helmut Engel
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Veröffentlicht am:
20. 04. 2017
21:39 Uhr

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Helmut Engel

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Veröffentlicht am:
20. 04. 2017
21:39 Uhr



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