Topthemen: Nationalpark FrankenwaldStromtrasseEndlager-SucheGerchAktiv und gesund

Selb

Die Goldenen Zwanziger lassen grüßen

Im Porzellanikon Hohenberg beginnt die Sonderausstellung "Golden Twenties - Swinging Fifties". Augarten Wien präsentiert Sahnestückchen aus Porzellan.



Kuratorin Dr. Claudia Lehner-Jobst aus Wien und Kurator Thomas Miltschus vom Porzellanikon bereiten gerade die Ausstellung in Hohenberg vor. Die feinen Exponate, die sie vor dem Bild der Schauspielerin Tilly Losch präsentieren, dürfen nur mit Handschuhen angefasst werden. Foto: Peggy Biczysko
Kuratorin Dr. Claudia Lehner-Jobst aus Wien und Kurator Thomas Miltschus vom Porzellanikon bereiten gerade die Ausstellung in Hohenberg vor. Die feinen Exponate, die sie vor dem Bild der Schauspielerin Tilly Losch präsentieren, dürfen nur mit Handschuhen angefasst werden. Foto: Peggy Biczysko  

Hohenberg/Eger - In feinen Wellen gleitet der Stoff über den rosigen Teint der koketten Dame, die rote Perlenkette ist in mehreren Lagen um ihren Hals geschlungen. Die zarten Füße stecken in hellgelben Tanzschuhen, passend zum wehenden Rock, der viel Bein freigibt. Es ist nur eine 20 Zentimeter kleine Porzellanfigur. Und doch ist sie so detailreich, wie sie nur Künstler der allerersten Garde anzufertigen verstehen. Tilly Losch, die 1927 in der Titelrolle "Das lockende Phantom" brillierte, ist hier von der Künstlerin Mathilde Jaksch für die Porzellanmanufaktur Augarten Wien in Szene gesetzt worden. Dieses Schmuckstück aus einer Privatsammlung ist ab dem morgigen Samstag ebenso im Porzellanikon Hohenberg zu sehen wie rund 280 weitere Exponate aus der österreichischen Manufaktur Augarten Wien.

Kuratorin Dr. Claudia Lehner-Jobst ist schon vor einigen Tagen aus der ehemaligen Kaiser-Stadt angereist und postiert gerade das Mokkaservice "Melone" nach dem Entwurf von Josef Hoffmann in der Vitrine. "Die Form Nr. 15 ist 1929 entstanden und bis heute unglaublich beliebt", erzählt sie im Gespräch mit der Frankenpost. Daher werde das Service noch immer in den unterschiedlichsten Farben neu aufgelegt. Fasziniert greift die Kuratorin mit Samthandschuhen zum "Stadtbild". In zarten Pastelltönen gehalten ist die Standuhr mit großer Detailverliebtheit und kleinsten Feinheiten in Modellierung und Bemalung. "Als eines der repräsentativen Exponate der Porzellanmanufaktur Augarten war diese Uhr auf der bedeutenden Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes in Paris im Jahr 1925 vertreten", sagt Claudia Lehner-Jobst. Und ein wenig Stolz schwingt mit in ihrer Stimme.

Klein, aber doch herausragend sind die vielen Figürchen aus den 20er- und 30er-Jahren, vor allem die Frauendarstellungen als Spiegelbild der sich wandelnden Rollen in der Gesellschaft. Und so sind es in erster Linie auch Frauen der Wiener Werkstätte, die diese Unikate aus Porzellan geschaffen haben, Frauen in der Rolle der Gestalterin. Eitel und frech, sanft und sportlich, mädchenhaft und verrucht - die Künstlerinnen nehmen sich nicht zurück. Einst als "Keramikweiber" belächelt, feiern Porzellangestalterinnen wie Vally Wieselthier, Ena Rottenberg und Hertha Bucher bemerkenswerte Erfolge. Mathilde Jaksch rückt den einstmals dem Manne vorbehaltenen Pyjama als neues, salonfähiges Kleidungsstück der emanzipierten Frau in den Fokus.

Zur selben Zeit entstehen rund 80 verschiedene Tierfiguren, von denen die Manufaktur aus der Walzer-Metropole auch eine feine Bandbreite nach Hohenberg geliefert hat. Und nicht nur die beiden Piaffe-Figuren aus der Serie "Reiterfiguren der Spanischen Reitschule in der Hofburg zu Wien" von Albin Döbrich aus dem Jahr 1926, die knapp 25 Zentimeter groß sind. Zierliche Gazellen, prächtige Papageien und exotische Panther bereichern die Ausstellung im Porzellanikon.

Einen weiteren, heiteren Touch bringen die "Swinging Fifties" aus Österreich nach Deutschland. Zum Teil unpublizierte Entwürfe und originale Porzellane aus der spannungsvollen Ära zwischen Aufbruch und Rückblick zeigen den Designanspruch der 1950er-Jahre. "Rauchen galt in den 20ern wie in den 50ern als Symbol der Freiheit", verweist Kuratorin auf die modernen Rauch-Sets aus Porzellan.

"Wir freuen uns auf die Präsentation von Wiener Opulenz und Leichtigkeit", sagt der Kurator des Porzellanikons, Thomas Miltschus, der die Ausstellung zusammen mit der Kollegin aus Wien vorbereitet hat. "Von der Idee bis zur Umsetzung sind etwa zwei Jahre vergangen", erzählt Lehner-Jobst. Das nächste gemeinsame Projekt steht schon vor der Tür: eine Ausstellung des Porzellanikon bei Augarten Wien.

-----

Die Ausstellung "die großen Manufakturen: Augarten Wien - Golden Twenties- Swinging Fifties" ist bis zum 3. Oktober im Porzellanikon in Hohenberg zu sehen.

Autor
Peggy Biczysko

Peggy Biczysko

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 05. 2017
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Gold Josef Hoffmann Porzellanhersteller Porzellanikon - Staatliches Museum für Porzellan Porzellanikon Hohenberg
Hohenberg Eger
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Udo Benker-Wienands, ehemaliger Rektor der Dr.-Franz-Bogner-Grundschule, vor seinem Lieblingsbild aus Usbekistan - vier Frauen, die synchron an ihrem Eis lecken. "Ich musste lange warten, bis alle vier gleichzeitig das Eis am Mund hatten", sagte er. Foto: Uwe von Dorn

27.07.2016

Blaue Bilder und Produkte einer "Porzelline"

Udo Benker-Wienands und das Porzellanikon stellen im Selber Rathaus aus. Die Präsentation läuft während der Wochen des "Weißen Goldes". » mehr

Das Spiel mit dem Vorhang öffnet Blicke im Porzellanikon Hohenberg.

14.02.2017

Ein Haus zum Anfassen

Das Porzellanikon in Selb und Hohenberg ist viel mehr als ein Museum. Unter dem Dach des Freistaates nutzen Mitarbeiter, Besucher und Künstler ihre Freiheiten. » mehr

Habemus Service: Der Papst persönlich dankte für das gelungene Dekor.

27.09.2014

Wie die Reichen speisten

Sie haben das "Weiße Gold" geschätzt. Kaiser und Könige wollten nicht auf Porzellan aus bayerischen Fabriken verzichten. Auch nicht im Reich von "1001 Nacht". » mehr

Schokopudding kochen die Mitarbeiter der Behinderten-Werkstatt selbst. Damit vermeiden sie Plastikmüll. Foto: pr.

17.05.2017

Augen auf beim Puddingkauf

Wie sie Plastikmüll vermeiden können, lernen die Mitarbeiter der Behinderten-Werkstatt mit der ökologischen Bildungsstätte in Hohenberg. Sie kochen süße Desserts selbst und müssen so keine Becher entsorgen. » mehr

Der Leiter des Porzellanikons, staatliches Museum für Porzellan, Wilhelm Siemen, und Kuratorin Petra Werner freuen sich über die großartige Besucherresonanz der Rosenthal-Jubiläumsausstellung. Foto: Gisela König

26.10.2016

Mythos Rosenthal geht in Verlängerung

Die Jubiläumsausstellung im Porzellanikon läuft hervorragend. Die Besucherzahlen schnellen nach oben. In Selb ist die Präsentation noch bis Januar zu sehen. » mehr

Am Sonntag um 13.30 Uhr führt Petra Werner durch die aktuelle Sonderausstellung in Selb-Plößberg. Foto: pr.

06.08.2016

Porzellanikon bietet Sonderführungen

Zum Porzellinerfest lädt das Staatliche Museum zu zwei besonderen Veranstaltungen ein. Im Mittelpunkt steht Rosenthal. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

IMG_1462.JPG

Musikantenfest Kleinschloppen | 29.05.2017 Kleinschloppen
» 42 Bilder ansehen

Rock'n'Roll-Night in der Freiheithalle

Rock'n'Roll-Night in der Freiheitshalle | 26.05.2017 Hof
» 20 Bilder ansehen

Relegation Kreisliga Hof: 1. FC Stammbach - SpVgg Oberkotzau

Relegation Kreisliga Hof: 1. FC Stammbach - SpVgg Oberkotzau | 28.05.2017 Stammbach
» 18 Bilder ansehen

Autor
Peggy Biczysko

Peggy Biczysko

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 05. 2017
00:00 Uhr



^