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Wunsiedel

Jugendliche wollen Wunsiedler Juz retten

Die Stadt hat nicht vor, die Einrichtung komplett zu schließen. Sie will die Besucher mit einbinden, um eine Lösung zu finden.



Nur noch wenige Stunden pro Woche ist das Jugendzentrum geöffnet.
Nur noch wenige Stunden pro Woche ist das Jugendzentrum geöffnet.  

Wunsiedel - Einigen Wunsiedler Jugendlichen reicht es offenbar. Sie haben auf Facebook einen Aufruf gestartet, das Jugendzentrum zu retten. Sie befürchten, dass der mehr als 40 Jahre alte Treff geschlossen werden soll. Auf Facebook haben sie gepostet, dass die Stadt Wunsiedel "anscheinend irgendwelche kuriose Dinge mit unserem Jugendzentrum vor hat". Die Jugendlichen schreiben, dass das Juz geschlossen werden soll, "weil die Stadt Geld sparen möchte. Und es wird wiedermal am Nachwuchs gespart."

Die Schreiber mutmaßen, dass weitere Informationen dazu gezielt zurückgehalten werden, "um das alles aus der Öffentlichkeit zu halten. Wir haben uns zusammengetan, um für unser Juz zu kämpfen, um wenigstens die verdiente Aufmerksamkeit zu bekommen."

Auf Nachfrage der Frankenpost wollten sich die Jugendlichen nicht öffentlich zu den Postings äußern. Wie sie mitteilen,möchten sie zunächst das persönliche Gespräch mit Vertretern der Stadt suchen. Tatsächlich haben die Jugendlichen mit ihrer Facebook-Aktion eine riesige Aufmerksamkeit erzielt: Allein 207 mal haben User, die sogar aus Zwickau stammen, den Artikel geteilt, also auf ihren eigenen Seiten veröffentlicht. Auch in mehreren Kommentaren haben sie Zuspruch erhalten.

Die Frankenpost hat daraufhin bei Bürgermeister Karl-Willi Beck nachgefragt, wie er zur Aktion steht. Er war zwar für ein Gespräch nicht persönlich zu erreichen, dafür hat die Stadt kurz darauf eine Pressemitteilung herausgegeben.

In dieser steht, dass es überhaupt keine Gründe gebe, davon auszugehen, "dass wir die offene Jugendarbeit der Stadt aktuell beenden wollen". Tatsächlich hat auch der Stadtrat in öffentlicher Sitzung die Thematik behandelt, wobei sich alle Fraktionen für einen Fortbestand des Jugendzentrums ausgesprochen haben, in welcher Art auch immer, (wir berichteten). Dabei hat Bürgermeister Beck geäußert, dass er sich neue Jugendzentrumsräume näher in der Innenstadt vorstellen könne.

Knackpunkt für die Stadt ist derzeit der Vertrag mit der Gfi (Gesellschaft zur Förderung beruflicher für soziale Integration), der zwar Öffnungszeiten von 33 Stunden pro Woche vorsieht, aber wegen Personalmangel vom Vertragspartner nicht mehr erfüllen werden kann. "Die derzeitige Betreuung von sechs Stunden pro Woche ist eine temporäre Maßnahme, der ursprüngliche Vertrag mit 33 Stunden pro Woche besteht nach wie vor", heißt es in dem Schreiben der Stadt.

Genau aus diesem Grund hat der Jugendreferent des Stadtrates, Wilfried Kukla, in den vergangenen Sitzungen mehrmals gefordert, die Stadt oder auch der Landkreis mögen eigenes pädagogisches Personal für das Jugendzentrum anstellen. Genau diese Organisationsform hat es in früheren Jahren tatsächlich gegeben.

Die Stadt hat sich vor allem aus Kostengründen aber dafür entschieden, das Jugendzentrum von einem Kooperationspartner betreiben zu lassen, der das pädagogische Personal stellt.

Kosten führt die Stadt auch in der Pressemitteilung an. So heißt es: "Das Jugendzentrum verursachte 2015 ein erhebliches Defizit von knapp 75 000 Euro, 2016 voraussichtlich knapp 67 000 Euro und 2017 voraussichtlich knapp 55 000 Euro." Deshalb suche die Stadt nach einem Kooperationspartner, mit dem sie gemeinsam das vorhandene Gebäude wirtschaftlich nutzen und eine offene und moderne Jugendarbeit durchführen könne.

Ob das vor einigen Jahren generalsanierte Haus in der Hornschuchstraße auf Dauer komplett als Jugendzentrum genutzt wird, ist derzeit in der Diskussion. So hat es zum Beispiel im Stadtrat den Vorschlag gegeben, den großen Veranstaltungs-Raum auch für die Orchester-Ausbildung der städtischen Sing- und Musikschule zu nutzen. Und in der Fortschreibung 2017 des Konsolidierungsberichts heißt es: "Das Gebäude wird wegen mäßiger Nutzung als Juz aktuell zur Teilvermietung angeboten."

Trotz der Kritik der Jugendlichen an der Stadt ist Bürgermeister Beck optimistisch für das Jugendzentrum: "Wir gehen davon aus, dass wir im Laufe des Jahres wieder eine adäquate Jugendarbeit haben werden", schreibt er. Etwas aufgestoßen hat die Verantwortlichen in der Verwaltung offensichtlich die Äußerung der Jugendlichen, die Stadt halte Informationen gezielt zurück. Dazu schreibt Inge Schuster, die für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt zuständig ist: "Man muss auch noch sagen, dass wir mit den Jugendlichen im Gespräch sind. Es werden weder Informationen zurückgehalten noch Auskünfte verweigert. Das letzte Gespräch, zu dem auch die Jugendlichen eingeladen waren, fand am 21. März statt. Hier war auch der Bürgermeister dabei."

Ein Ziel haben die Jugendlichen mit ihrer Aktion erreicht. Das Wunsiedler Jugendzentrum ist wieder weithin im Gespräch.

 
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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
20. 04. 2017
19:18 Uhr

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Matthias Bäumler

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Veröffentlicht am:
20. 04. 2017
19:18 Uhr



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