» zur Übersicht Feuilleton
    
    
Artikel
 
Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   


Stets im verbalen Widerstand tätig

Selb - Er ist ein Kabarettist alter Schule und ein Großmeister des Genres dazu. Auf Distanz geht Richard Rogler zu der Vielzahl von Entertainern, die auf der Bühne stehen und Witze erzählen.

Von Ralf Sziegoleit
  • fpku_rogler_3sp_180909 "Stimmung" heißt sein neues Monologstück, mit dem er am 28. November in seiner Heimatstadt Selb gastiert: Richard Rogler. Foto: Archiv
     
Bild von

Selb - Er ist ein Kabarettist alter Schule und ein Großmeister des Genres dazu. Auf Distanz geht Richard Rogler zu der Vielzahl von Entertainern, die auf der Bühne stehen und Witze erzählen. Er selbst pflegt einen scharfen Blick aufs menschliche Dasein im Allgemeinen und die desolaten politischen Verhältnisse im Besonderen zu werfen. Seine Haltung hat der Künstler, der heute vor 60 Jahren in Selb geboren wurde, mit einer schönen Pointe beschrieben: Er sei, sagt er in seinem Soloprogramm "Wahnsinn", einer Achterbahnfahrt durch das Katastrophengelände der Gegenwart, er sei "im verbalen Widerstand tätig".

Rogler, der in seiner Jugend sportlich sehr aktiv war, als Leichtathlet vor allem, wollte nach Abitur und Wehrdienst eigentlich Lehrer werden. Mit diesem Ziel nahm er ein Französisch- und Sportstudium in Würzburg auf. Jedoch trieb es ihn bald zum Theater, das er als "Kulturform mit Gebrauchswert", nicht als "schwülstige Kunstform" schätzt. Von 1974 bis 1978 war er in Köln als Schauspieler und Autor in freien Gruppen tätig, die zum Teil aus dem Straßentheater hervorgegangen waren. Als Kabarettist gehörte er dem Duo "Der Wahre Anton" an, für das er Stücke und Szenen zu aktuellen Anlässen schrieb. Auch als Ensemble-Mitglied am Schauspielhaus Köln (von 1982 bis 1986) stellte er in Sonderprogrammen eigene Kurzszenen vor. Schon damals wies er sich als genauer Sprachbeobachter aus.

Mit dem Monolog "Freiheit aushalten" - einem Stück darüber, dass die sozialen Ideale durch den bornierten Egoismus und die Verantwortungslosigkeit des Einzelnen korrumpiert werden - wagte Rogler 1986 den Sprung ins Solisten-Dasein und hatte auf Anhieb Erfolg. Zwei Jahre später präsentierte er im WDR seine erste eigene Fernsehshow ("Mitternachtsspitzen"), es folgten 36 Mal "Nachschlag" für die ARD und 32 Mal "Roglers Freiheit" für 3 sat. Von 2006 bis 2008 machte er als festes Mitglied beim "Scheibenwischer" mit.

Parallel schrieb und spielte er kontinuierlich seine bislang sechs Soloprogramme - Einpersonenstücke, die sich zu Mehrpersonenstücken weiten -, darunter "Finish", "Freiheit West" und zuletzt das auch in Hof umjubelte "Ewige Leben". Camphausen heißt meist sein Held und Alter Ego: eine Art Stadtneurotiker, der als ruhelose Quasselstrippe vom Hundertsten ins Tausendste kommt und das Publikum mit Geschichten vom alltäglichen Wahnsinn auf höchstem Niveau unterhält. Stets ist er sehr komisch, der Rogler. Und stets sehr präsent.

Viele Auszeichnungen hat er erhalten: gleich drei Mal den Deutschen Kleinkunstpreis, dazu den Deutschen Kabarettpreis, den Telestar und den Adolf-Grimme-Preis. Seit dem Jahr 2000 amtiert er - mit Vorlesungen an der Universität der Künste in Berlin - als erster Professor für das Fach Kabarett in Deutschland. In Kürze hat sein neues Monologstück "Stimmung" Premiere, mit dem er schon am 28. November im Rosenthal-Theater in Selb gastiert. Wie immer wird er das "Heimspiel" zu einem Treffen mit alten Freunden nutzen. Alles spricht dafür, dass man den Abend feuchtfröhlich in der "Hopfenblüte" beschließt.

    
    

Diesen Artikel

  • Teilen:
  •  
  • Facebook
  •  
  • Twitter
  •  
  •  
Bewertung: 
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein)
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername
Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf frankenpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Ȇbersicht Feuilleton

Von Pilatus und den Spielregeln

Wie war die Situation im Heiligen Land vor und nach Jesu? Welchen gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten mussten sich die Menschen - Juden und Römer - damals beugen? »mehr
    
    

bezahlter Premium-Artikel
Premium-Artikel
"Kunst ist wie Atmen"

Seit 16 Jahren ist Dietmar Spörl als Professor an der Hochschule Hof, Abteilung Münchberg, tätig. Aber Freiberufler, als... »mehr
    
 
    

Schweigen können

Als Charlie Chaplin bei Mohandas Karamchand Gandhi ehrerbietig um ein Treffen bitten ließ, antwortete der Mahatma leutse... »mehr
    
 
    

bezahlter Premium-Artikel
Premium-Artikel
Liebestod als Wahnsinnstat

"Carmen" zwischen Kasernenmauern: In Plauen zeigt das Vogtlandtheater George Bizets Opernhit. Der Mord an der rassigen L... »mehr
    
    

Das könnte Sie auch interessieren 

    
    
    
    

Party

 
    

Nachrichten

 
    

Sport

    
    

Prospekte aus der Region

Frischekönig aktuell
Leserreisen 2014
    
Anzeige
    

Magazine

Wirtschaftsnews Oberfranken Januar 2014
E-Biken im Naturpark Frankenwald 2014
Lebensart 2014
Kinderzeitung April
Bauen und Wohnen
Bilanz Landkreis Hof
BikersGuide 2014
50 Jahre BVSV Schönwald
Flott in den Frühling
Thüringen im Blick 2014
Selb erleben
Theater Hof 02_14
Kunstnacht Selb 2014
Radfahren im  Fichtelgebirge 2014
750 Jahre Hospitalstiftung Hof
Azubi 2014
Wir in Wunsiedel Januar 2014
Leben in Rehau Januar 2014
Freizeitmagazin Fichtelgebirge 2014
Abfallkalender Landkreis Hof 2014
Abfallkalender Stadt Hof 2014
Campus Life Dezember 2013
Unsere Wonne Proppen
Ballzeitung
Ärztegenossenschaft Hochfranken
Altbau
Friedhof in Hof
Pflegemagazin Oktober 2013
Besser Bauen Oktober 2013
Leserreisen 2014
Wir heiraten
VER-Selb 2013
MEDI-zin Sana Klinikum Hof
Trauer Ratgeber 2013
Wandern im Fichtelgebirge
    
Anzeige
Frankenwäldler
Marktplatz und Bayreuther Woche
    

Umfrage

Lade TED
 
Die Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

    
    
Zur Kinderzeitung

Wo die wilden Bienen wohnen

Maskenbiene und Blattschneiderbiene: Manche Bienen haben lustige Namen. Es sind Wildbienen. Besonders wild sind sie aber nicht. Sie leben nur anders als Honigbienen. »mehr
    
    
Leseranwalt

Auf ein Wort

Für amerikanische Medien ist er der wichtigste Preis - und auch der Rest der Medienwelt schaut Jahr für Jahr zur Columbia University in New York. Diese verleiht seit 1917 jährlich die "Oscars" für Journalismus. Diese höheren Weihen bedürfen nicht der Show und nicht des roten Teppichs. »mehr
    
    

Webcams aus der Region 

Eine Vielzahl von Webcams, die von Firmen, öffentlichen Einrichtungen oder Privatpersonen installiert wurden, zeigen aktuelle Bilder aus der Region. »mehr
    
    

Börseninformationen