zuletzt bearbeitet: 08.01.2010 22:45 Uhr
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Getanzte Zeitreise in die sechziger Jahre
Rockballett | Die Compagnie des Theaters Hof und die Band Wee Bush entführen das Publikum in die Welt vor 40,50 Jahren. Die Choreografie stammt von dem Amerikaner Mark McClain.
Hof - Die Hofer Rock-Band Wee Bush hat einen neuen Fan. Das jedenfalls könnten man meinen, wenn man Mark McClain zuhört. Der gebürtige New Yorker ist der Choreograf von "Satisfaction. Ein Rockballett", dem großen Ballettabend dieser Spielzeit, der am 22. Januar Premiere am Theater Hof hat.
McClain erzählt begeistert von den Akteuren, mit denen er es bei seiner Arbeit am Ballettabend zu tun hat. Das sind zum einen natürlich die Tänzer. "Die sind richtig gut", lobt der erfahrene Tänzer und Choreograf und freut sich, dass diese Qualität es ihm ermöglicht, alle Rollen in dem Ballett gleich dreifach zu besetzen. "Barbara Buser leistet hier als Ballettdirektorin wirklich sehr gute Arbeit."
Und dann ist da eben noch die Band, zu deren Live-Musik er ein ganzes zweistündiges Ballett auf die Bühne bringen soll. "Die Idee zu dem Ganzen stammt von Barbara Buser", verrät der 49-Jährige und erzählt: Die Ballettdirektorin war mit einigen Tänzern bei einem Wee-Bush-Konzert; sie kamen mit den Bandmitgliedern ins Gespräch, und daraus entwickelte sich der Plan, ein gemeinsames Projekt zu machen.
"Dann hat Babsi mich gefragt, ob ich ein Ballett zu Rockmusik machen wolle, und hat mir Aufnahmen von Wee Bush geschickt. Ich hörte sofort, dass diese Jungs ihre Instrumente spielen können", lacht McClain, der selbst eher "aus der klassischen Ecke" kommt. "Als ich die Band dann auch noch selbst erlebt hatte und sah, dass die Musiker auch echte Performer sind, wusste ich: Die sind perfekt für so eine Live-Geschichte, und die machen das auch noch gerne."
Aus dem "Wahnsinnsrepertoire" (McClain) von Wee Bush, die mit Vorliebe Rockmusik aus den sechziger und siebziger Jahren spielen, hat er mit den Musikern (Ulli Saalfrank, Markus Hager, Wolfgang Fickenscher, Stephan Erl, Stefan Grießhammer und Stefan Engels) insgesamt 25 Songs ausgewählt; darunter Ohrwürmer wie "Mr. Tambourine Man" von den Byrds, "Pretty Woman" von Roy Orbison, "Wild Thing" von den Troggs, "Imagine" von John Lennon, "Bad Moon Rising" von der Band Creedence Clearwater Revival, "Stairway to Heaven" von Led Zeppelin sowie "Paint It, Black" und "Satisfaction" von den Rolling Stones.
Um diese Songs herum hat Mark McClain mit der Ballett-Librettistin Katajun Peer-Diamond eine Geschichte der Sechziger entworfen. "Es beginnt bei einer Probe", erzählt der Choreograf. Ein Paar tanzt ein Pas de deux aus dem Musical ,West Side Story' von Leonard Bernstein - ganz brav und politisch korrekt. Eine Choreografin tritt auf und fordert von den Tänzern energisch, mehr aus sich herauszugehen, mehr Freiheit zu zeigen. Von da an begibt sich das Paar auf Zeitreise und erlebt im ersten Akt, was die sechziger Jahre ausmachte: den Mauerbau, "Sex, Drugs & Rock'n'Roll", die Studentenrevolte. "All diese Geschehnisse haben wir eingebaut. Und in den siebziger Jahren kommen dann Dinge dazu wie eine Tupperware-Party, das Spiel ,Twister' und vieles mehr. Auch ein Blick in die Kunstszene von anno dazumal mit Action Art fehlt nicht. Das Stück soll vor allem Spaß machen, gerade auch jungen Leuten."
Wenn die Arbeit eines Choreografen auf der Grundlage von Rockmusik auch "entschieden anders" ist als sonst, betont Mark McClain doch: "Ich mag Musik - egal, was es ist." Und das hat wohl vor allem mit seinem Lebenslauf zu tun. Als 13-jähriger New Yorker Chorschüler wurde er von der Stuttgarter Ballettakademie nach Deutschland eingeladen, besuchte hier ein Internat und wurde zum Tänzer ausgebildet. Während der vergangenen 36 Jahre in Deutschland war er - als Tänzer, Choreograf, Dozent und Ballettmeister - an großen Häusern engagiert, darunter in Stuttgart, Chemnitz, Leipzig, Tokyo, Lissabon, Stockholm, Nürnberg, Mannheim und Berlin. Von der kommenden Spielzeit 2010/11 an ist Mark McClain Ballettdirektor am Landestheater Coburg.
Öffentliche Probe: Mittwoch, 18 Uhr, großes Haus; Matinee: 17. Januar, 11 Uhr, großes Haus; jeweils Eintritt frei.
Premiere: 22. Januar, 20 Uhr.
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