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Das Leichte ist das Schwierige

Trommelwirbel. Blechgeschmetter. Großes kündigt die Fanfare an; wenn auch eher Kurzes. Nur zwanzig Minuten dauert die Komödie mit Dick und Doof, aber sie bietet Anlass für eine knallige Premiere.

  • fpku_oliver_080310 Ton und Bild in akkurater Übereinstimmung: Arn Gorke vor den Hofer Symphonikern und der Leinwand mit der Dick-und-Doof-Komödie. - Viele weitere Bilder von der Kulturnacht unter www.frankenpost.de. Fotos (4): Igor Pastierovic
     
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Trommelwirbel. Blechgeschmetter. Großes kündigt die Fanfare an; wenn auch eher Kurzes. Nur zwanzig Minuten dauert die Komödie mit Dick und Doof, aber sie bietet Anlass für eine knallige Premiere. Zur Eröffnung der siebten Kulturnacht erproben die Hofer Symphoniker mit schönstem Erfolg ihre Begabung als Filmorchester: Im Großen Haus - wo am Abend zuvor noch eine ausgewachsene "Oper" uraufgeführt wurde - begleiten sie erstmals ein Kinostück, das über eine Leinwand in ihrem Rücken flimmert. "That's my Wife" lauten Titel und Thema der chaotischen Farce. Wer sich an Fernsehserien wie "Als die Bilder laufen lernten" erinnert, weiß Bescheid: Oliver Hardy, um einen Erbonkel günstig zu stimmen, lässt den herausgeputzten, perlenbehängten Stan Laurel als seine Gattin auftreten. Das geht nicht gut.

Und wie geht es, wenn dazu die Töne laufen lernen? Den Symphonikern gelingt die Musikspur - vor etwa zehn Jahren von Bernd Wilden mit viel Witz komponiert - vortrefflich: Auf jede Alberei und Absurdität der Szenen antworten sie pfiffig und pointiert und (fast immer) auf die Zehntelsekunde genau. Wo ein Kellner mit dem Gesicht in der Torte landet oder auch nur eine Tür sich öffnet, sitzen Klang-Gags, Lautmalereien, Opernzitate (aus "Carmen", "Tosca", "Rosenkavalier" ...) mal vordergründig, mal hintersinnig auf dem Punkt. Dem Publikum im proppenvollen Saal bereitet das "cineastisch-orchestrale Vergnügen" einen Riesenspaß. Für den Dirigenten Arn Goerke artet es in penible Konzentrationsarbeit und gestische Feinmechanik aus. Wieder gilt: Das Leichte ist das Schwierige. Nur merkt man's nicht.

    
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7. Hofer Kulturnacht
Hof
6.3.2010
    

"Musik wird störend oft empfunden, zumal sie mit Geräusch verbunden", fand - um den beiden US-Humoristen einen deutschen an die Seite zu stellen - schon Wilhelm Busch. Mächtig "Geräusch" macht das Symphonische Blasorchester des Schillergymnasiums und der Symphoniker-Musikschule, das im Anschluss an den Pulten Platz nimmt. Druckvoll pusten die jungen Leute, von Benjamin Sebald angeleitet, dem Publikum die Ohren durch, mit mächtig Wucht und Schwung aus Lungen und Lippen.

Tänze eines Geigenbogens

Ein wenig nuancierter geht es naturgemäß beim Jugendsymphonieorchester zu, deren bunte Darbietung Howard Golden am Pult temperamentvoll mit einem "Ungarischen Tanz" von Johannes Brahms einleitet, bevor sich seine Nachwuchsinstrumentalisten an Igor Strawinskys "Feuervogel" wagen. Dazwischen ein Ohrenerlebnis: Mihail Iakovescu, Konzertmeister des Ensembles, tritt als Solist in Pablo de Sarasates "Zigeunerweisen" an die Rampe - und erntet frenetischen Applaus, zu Recht. Mit tollem Ton und temporeicher Toptechnik lässt er den Bogen über die Saiten tanzen und findet Gelegenheit für saftig-rassiges Gefühl.

Auch kleinere Formate bieten Platz für große Emotionen. Im Studio - wo eben das Akkordeonquintett der Hofer Symphoniker die Besuchertrauben mit Techno und Jazz zum Jubeln brachte - präsentieren sich zwei Sänger des Musiktheaterensembles als Liedsolisten (und dürfen auf den versierten John Groos als Begleiter an einem aufgebrauchten Klavier bauen). Das abermals übervolle Haus erschreckt und erheitert Jürgen Schultz mit Balladen von Carl Loewe - selbst schockiert wie von einer Hiobsbotschaft im blutrünstigen "Edward", mit Grauen in der bebenden Stimme beim "Erlkönig", mit Lust am Zungenbrecher im "Hochzeitslied". Amüsant hält Karsten Jesgarz mit drei "Brettl-Liedern" Arnold Schönbergs dagegen: Leicht theatralisch kostet er die satirischen Anzüglichkeiten aus und spielt mit den Tönen und den Mienen.

Noch'n Gedicht und noch eins

Desgleichen munter geht es bei einer Probe zu, bei der Ralf Hocke und John Peter Altgelt vom Sprechensemble am selben Ort Besuchermassen zuschauen lassen. Mit Gebärdenschabernack und Gesichtsentgleisungen bereiten sie sich auf den Heinz-Erhardt-Abend vor, der am 24. März im Studio Premiere haben soll: noch so ein großer deutscher Humorist - "noch'n Gedicht" und noch eins. Paradoxe Balladen und Vierzeiler tragen die beiden vor, Parodien auf hohe Literatur und verquere Weisheiten aus den Niederungen des Alltagslebens.

Trommelwirbel. In der Montagehalle heizt die schwarz-weiße Truppe "Dunduko" mit dröhnend-hypnotisierenden Trommel-Tänzen aus Afrika ein. Mitreißend die suggestiven Rhythmen; und freilich setzen sie die Ohren einer betäubenden Frontalattacke aus. Fünf Leute nur; da klangen die Symphoniker beim Stan-und-Olli-Slapstick nicht halb so laut. Hier wie dort mag einem ein stiller Sinnspruch Heinz Erhardts einfallen, der, was Musik im Theater betrifft, ganz richtig lag: "Wenn die Opern dich umbrausen mit Getön, / dann genieße auch die Pausen: Sie sind schön." Michael Thumser

    
    

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